Leseförderung der NBH

Kategorie: Schulen

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Erfolgreiche Leseförderung der NBH: Sandra Saalmann (Fachbereichsleiterin für Kinder und Familie), Stefanie Mündler-Drünert (Förderunterricht Deutsch und Mathe und Lesegruppen), Carol Messer (Leiterin der Förderkurse, inklusive Lesegruppen für die Grund- und Mittelschüler)

Erfolgreiche Starthilfe geht ins dritte Jahr

Mehr als 12 Prozent der erwerbsfähigen Menschen in Deutschland können nicht oder nur ungenügend lesen und schreiben. Das sind 6,2 Millionen Menschen, dazu kommen noch einmal über 20 Prozent Erwachsene (rund 10,5 Mio), deren Schreibkenntnisse mangelhaft sind. „Lesen zu können, ist der Schlüssel des Lernens, die Grundvoraussetzung für Bildung“, sagt Stefanie Mündler-Drünert. Sie unterrichtet Kinder im Förderunterricht Deutsch und Mathe und in den Lesegruppen der Nachbarschaftshilfe Haar (NBH). Seit Sommer 2021 läuft das zwischenzeitlich etablierte Angebot der NBH. „Ursprünglich kam die Jagdfeldschule nach einem Corona-Schuljahr auf uns zu und fragte, ob wir irgendeine Art von Leseförderung anbieten. Ich hatte selbst darüber nachgedacht, wie sich ein Jahr mit so wenig Schule auf die Lesefähigkeiten der Kinder auswirkt. Im Laufe des Augusts haben wir in einer Hauruckaktion das Projekt „Leseförderung“ erarbeitet, um im Schuljahr 21/22 starten zu können“, erinnert sich Sandra Saalmann, Fachbereichsleiterin für Kinder und Familie.

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Zahlen von Nichtlesern weiterhin hoch

Bereits im ersten Jahr nehmen knapp 30 Kinder in sieben Gruppen an dem Projekt teil: „Das war ein Riesenansturm. Wir selbst hatten mit zwei bis drei Gruppen gerechnet und dann haben sie uns plötzlich überrannt“, verdeutlicht Sandra Saalmann die Brisanz der Thematik. „Zwar hatten wir 2022/2023 nur vier Gruppen mit je vier Kindern, allerdings hatten wir auch unser Konzept geändert.“ Das sieht eine enge Kooperation mit den Grundschulen vor. Nur Kinder mit einer Empfehlung der Klassenlehrer, die die Schwierigkeiten näher erläutern, können teilnehmen: „So konnten wir generell ein Gespür dafür bekommen, ob es sich beispielsweise um fehlendes Leseverständnis oder flüssiges Lesen, handelt“, so Saalmann. Für 2023/2024 seien es wieder beinahe doppelt so viele Kinder in sechs Gruppen. „Wir wissen, dass fünf Kinder pro Gruppe grenzwertig sind, aber wir müssen einfach schauen, wie wir das weiter machen.“

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Corona nur bedingt ein Grund

Die Gründe für die unzureichende Lesefähigkeit seien beinahe so vielfältig wie es Kinder gebe, meint Saalmann. So reiche die Palette von Kindern, die erst seit kurzem in Deutschland leben, über Kinder mit Migrationshintergrund bis hin zu deutschen Kindern, deren Eltern weder die Zeit noch die Möglichkeit haben, mit ihrem Nachwuchs zu üben. „Wenn Mamas oder Papas nach einem stressigen Tag abends mit den Kindern lesen sollen und es nicht schön und frustrierend ist, dann kommt häufig die Vermeidungsstrategie, weil der anstehende Ärger mit dem Kind das Fass zum Überlaufen bringt. Während Corona war es ganz dramatisch, aber es hat sich nicht so sehr verbessert, wie man es erwarten würde. Kinder die jetzt in der zweiten Klasse sind, haben Corona nicht mehr in der Schule erlebt, möglicherweise schleifen sie noch etwas aus der Kindergartenzeit nach, wo die Bausteine gelegt werden. Summa summarum kann ich sagen, dass ich es jetzt erschreckend schlecht finde“, fasst Saalmann die Situation zusammen und warnt vor der vorschnellen Diagnose „Legasthenie“: „Das würde ich in der dritten Klasse in Erwägung ziehen, vorher eher nicht. Momentan ist das fast ein wenig in Mode zu sagen, das Kind habe Legasthenie, oft ist es aber nur mangelndes Training.“

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Intensive Kommunikation für beste Voraussetzungen

Carol Messer, Leiterin der Förderkurse, inklusive Lesegruppen für die Grund- und Mittelschüler, erläutert das Programm: „Wir bieten Einzel- beziehungsweise Gruppenleseförderungen nach der Schule. Insgesamt sind es fünf Lehrer, die derzeit sechs Gruppen unterrichten. Untereinander sind wir im steten Austausch, ob beispielsweise die Kinder gut zusammenpassen, oder ob wir ein Kind rausnehmen müssen, weil es zu gut oder schlecht für diese Gruppe ist. Wir fangen immer nach den Herbstferien an, damit die Lehrer bereits einen Eindruck haben, wo das Kind steht.“

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Freude am Lesen entdecken

Den Schwerpunkt der Leseförderung bilden Kinder aus den zweiten und dritten Klassen. Stefanie Mündler-Drünert unterstützt Zweitklässler in zwei Gruppen und berichtet von erheblichen Unterschieden: „In einer sind die Kinder soweit, dass sie Sätze lesen können, worauf man aufbauen kann. In der zweiten jedoch sind die Kinder durch die Bank deutlich schlechter, man kann sagen drei von fünf können nicht lesen.“  Eine Wochenstunde könne das Lesen zwar “nicht bringen“, aber den Impuls dafür setzen und zeigen, wie wichtig Lesen sei, so Stefanie Mündler-Drünert: „Für uns ist es auch bedeutsam mit den Eltern ins Gespräch zu kommen und Kinder Bücher vorstellen zu lassen. Mit den Eltern zu schauen, welches Buch das richtige ist und gegebenenfalls auch zurückzugehen, um es den Kindern einfacher zu machen und ihnen die Freude am Lesen zu zeigen. Es geht darum zu motivieren und Freude am Lesen zu entdecken, auch wenn es zunächst nur Comics sind.“ Elementar sei es, “den Druck rauszunehmen”. Bei Mündler-Drünert erleben die Kinder keinen Schulunterricht, „sondern sie kommen zur Steffi und zeigen, was sie können und das in einer kleinen Gruppe, in der keiner gut lesen kann. Es sich zu trauen, den Mund aufzumachen und zu erfahren, dass es nicht so schlimm ist, wenn es nicht so flüssig geht und zu sehen, dass es andere auch nicht so gut können.“

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Zugang zu einer neuen Welt

Mit der besonderen Starthilfe verbessern alle Kinder nach nur wenigen Monaten ihre Fähigkeiten, immer vom jeweiligen Ausgangsniveau betrachtet. „Unsere Rückkehrerquote ist sehr gering. Die meisten brauchen wirklich nur ein knappes, halbes Jahr, um den Anschluss zu finden. Das ist wie ein Anschubsen. Meist fehlt den Kindern nur die kontinuierliche Übung. Abends laut der Mama oder der Schwester vorzulesen und wenn es das Kuscheltier ist“, gibt Stefanie Mündler-Drünert einen praktischen Tipp. Die Mühe lohne sich: „Nach den zwei Jahren kann ich sehen, was es aus den Kindern macht, wie sie die Freude am Lesen entdecken und sich Bücher aus der Bücherei ausleihen wollen.“

„Das war ein Riesenansturm. Wir selbst hatten mit zwei bis drei Gruppen gerechnet und dann haben sie uns plötzlich überrannt“

„Während Corona war es ganz dramatisch, aber es hat sich nicht so sehr verbessert, wie man es erwarten würde. Kinder die jetzt in der zweiten Klasse sind, haben Corona nicht mehr in der Schule erlebt, möglicherweise schleifen sie noch etwas aus der Kindergartenzeit nach, wo die Bausteine gelegt werden.“

Sandra Saalmann, Fachbereichsleiterin für Kinder und Familie.

Lesen zu können, ist der Schlüssel des Lernens, die Grundvoraussetzung für Bildung“

sagt Stefanie Mündler-Drünert, Förderunterricht Deutsch und Mathe und in den Lesegruppen der Nachbarschaftshilfe Haar.

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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