Schultheater über zwei Kontinente

Kategorie: Schulen

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Trotz mehr als 10.000 Kilometer in einer Aufführung verbunden: Schüler der Secondary School Ilembula  (Tansania) und des EMG

Wote tuna matarajio na ndoto – Wir alle haben Wünsche und Träume

10.128 Kilometer trennen sie – die eine Schule steht mitten in Europa in einem der reichsten Länder der Welt, die andere in einem der ärmsten. Trotzdem sind Schüler der Secondary School aus Ilembula (Tansania) mit Schülern des Ernst-Mach-Gymnasiums in Haar „connected“ – verbunden – und teilen sich eine Bühne für ein gemeinsames Projekt, coronabedingt virtuell: „Es ausfallen zu lassen, war keine Option. Wir haben uns entschieden, online zu arbeiten und mit den tansanischen Schülern eine digitale Probenwoche gestaltet, erstaunlicherweise unter vergleichbaren Bedingungen. Mit Hilfe der Bürgerstiftung und Engagement Global, einem Service für Entwicklungsinitiativen klappte es“, berichtet Thomas Ritter, Lehrer am Gymnasium und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München am Lehrstuhl für Deutschdidaktik. „Es gibt am EMG seit langem eine Schulpartnerschaft. Eigentlich war ein Besuch von tansanischen Schülern und ihren Lehrern geplant. Wir wollten das Projekt ursprünglich hier umsetzen.“

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Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede

Stattdessen öffnen sich dem Betrachter am heimischen Bildschirm abwechselnd verschiedene „Kacheln“. Die Haarer Gymnasiasten beginnen beispielsweise einen Reigen und klatschen sich nacheinander ab, bis sich das Spiel „nahtlos“ in einer anderen Kachel mit den afrikanischen Schülern fortsetzt. Später können die Zuschauer die jeweiligen Schulwege und deren großen Unterschiede verfolgen. „Die Mitwirkenden haben im Austausch so viele Gemeinsamkeiten festgestellt, was den Tagesablauf, Wünsche und Sehnsüchte betrifft, aber auch Unterschiede, die frappierend sind, wie deren Klassengröße mit um die 50 Schüler“, so Richter. Für die Schüler in Tansania spielen auch die schulische und berufliche Ausbildung eine deutlich größere Rolle, als bei den deutschen Gymnasiasten. Es gehe viel darum, sich später den Lebensunterhalt sichern zu können, so Ritter. „In dieser Form haben unsere Schüler das nicht vordergründig artikuliert, wenn eher indirekt.“

„Das Besondere war, dass es um Theater und ein Stück geht. Wir hatten eine Idee, mussten klar miteinander reden, Ziele formulieren, Lebenswelten vergleichen und Gemeinsamkeiten finden.“

Thomas Ritter, Lehrer

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Connected – verbunden

Obwohl die Kommunikation und Technik extreme Herausforderungen für alle Beteiligten darstellen, gelingt es den Schülern, sich zu verbinden und eine gemeinsame Gruppe zu formen: „Wir machen ja nie feste Stücke mit einem vorgegebenen Text von Person A oder B. Unsere Vorstellungen entstehen immer aus den Jugendlichen selbst heraus, das war unter den Bedingungen wirklich nicht einfach“, urteilt Thomas Ritter. „Umso toller, dass zwischen den Jugendlichen wirklich Kontakt entstanden ist. Wir hatten den Eindruck hatten, dass sie in irgendeiner Weise zusammen waren und wir gemeinsam an Sachen arbeiten können.“ Viele der Jugendlichen ziehen sich in eigene Chat-Räume zurück, um zu besprechen, was sie bewegt und interessiert. „Das Besondere war, dass es um Theater und ein Stück geht. Wir hatten eine Idee, mussten klar miteinander reden, Ziele formulieren, Lebenswelten vergleichen und Gemeinsamkeiten finden“, fasst der Dramaturg zusammen. Dabei konzentriert sich die interkontinentale Theatergemeinschaft auf das Hier und Jetzt und feiert schließlich vor dem Bildschirm: „Die Idee, Freude beim gemeinsamen Tanz vor dem Bildschirm zu haben, hat wirklich toll funktioniert. Es hatte etwas von Perfektion. Man konnte einfach unmittelbar gemeinsam erleben, ohne diese Sprach- oder Technikbarrieren.“ Das verbindende Element „Musik“, zusammen in der Gruppe einem Rhythmus zu folgen, setzt sich über kulturelle Unterschiede und über alle Grenzen hinweg: „Die „Connection“ hat absolut funktioniert, das Körperliche, die Körperlichkeit“, bilanziert Thomas Ritter zufrieden. „Wir wollten nicht den Inhalt in den Vordergrund stellen, sondern das Gemeinsame. Es war so wichtig für alle beteiligten Jugendlichen, sich über die Musik auszutauschen, sich selbst und die Welt zu erspüren.“ 

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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