„Und ewig rauschen die Gelder“ – es passt einfach: Martin Metzger als Hallodri Erich Schwan und Georg Thaller als Untermieter Heinz Beizel.
Betrug mit Brief und Siegel: Premiere des Feldkirchner Theatervereins im KTH
Erich Schwan (Martin Metzger), ein Hallodri, schafft es nicht seiner Gattin Linda (Karin Durner) den Verlust seines Jobs vor zwei Jahren zu gestehen. Geld fließt trotzdem, denn Schwan erschleicht sich vom Arbeitsamt durch Angaben falscher Personen und Begebenheiten 25 000 Euro pro Jahr. Seine zweite Karriere als Betrugsspezialist läuft hervorragend, so bezieht der fantasiebegabte Schwindler wöchentlich einen Scheck für einen Untermieter, der inzwischen in den Weiten Kanadas lebt. Linda ahnt indes nichts von Erichs Machenschaften, der immer mehr Untermieter und hilfsbedürftige Hausbewohner erfindet, um vom Amt Bezüge einstreichen zu können. Eines Tages allerdings steht der amtliche Prüfer, Hubertus Jäger (Werner Hartmann), vor der Tür und die Ereignisse überschlagen sich. Schließlich erscheint Amtsleiterin Eleonore Prielmeyer (Sabine Metzger) persönlich, wirft einen genaueren Blick auf die Angelegenheit und kommt den Betrügereien des Herrn Schwan nach und nach auf die Schliche, da alles merkwürdig und sehr verdächtig erscheint. Herr Jäger, der Herrn Schwan schließlich auf dem Dachboden sucht, weil der dort angeblich ein Loch reparieren will, entdeckt den Beweis des Schlawiners: ein Versteck mit den Unterlagen. Der aufgeflogene Untermieter Heinz Beizel (Georg Thaller) ist bereit die Täuschereien preiszugeben, als Erich Schwan alles zugibt. Die temporeiche Verwechslungskomödie findet ein kurioses Ende: Amtsleiterin Prielmeyer zeigt sich tief beeindruckt vom Wissen des Herrn Schwan. Niemand anderer kenne sich in der Sache besser aus, wisse um jeden Trick und Kniff, um unberechtigterweise Geld vom Amt zu erhalten. Schwan sei der richtige Mann, um andere Abzocker zu entlarven und stellt ihn im Sozialamt an.
Bühnenglück: Zwischen Ehrfurcht und Spielfreude
Für Laienschauspieler Martin Metzger, der in seiner Rolle als Erich Schwan in Steffi Kammermeiers Stück „Und ewig rauchen die Gelder“ komplett aufgeht, geht mit der Vorstellung ein Traum in Erfüllung: „Ich wollte schon immer im Kleinen Theater Haar spielen. Früher haben wir im Kinderheim Feldkirchen gespielt, dann sind wir ins Rathaus, das ist ok. Aber in diesem Ambiente ist es schon etwas ganz anderes, das ist halt Theater-Flair. Für uns war es schon sehr toll, da war ich schon ehrfürchtig, die Anspannung war noch größer.“ Ein Gespräch mit Intendant Matthias Riedel-Rüppel im vergangenen Jahr macht es möglich: „Er hat uns angeschaut und hat sich auf ein gewisses Wagnis eingelassen, dafür sind wir ihm sehr dankbar.“ Das Experiment geht auf – die Gags zünden im randvollen Theater: „Du nimmst die Reaktionen des Publikums schon wahr. Wenn die so lachen, musst du warten, bis sie ruhiger werden, sonst geht ja viel vom Text unter, insofern musst du auf sie eingehen, kurz innehalten und erst dann weiterspielen“, versucht Metzger die Vorgehensweise der Schauspielenden zu beschreiben: „Du darfst nie aus der Rolle gehen, sondern musst darauf achten, drin zu bleiben. Das ist wichtig, sonst kommst du raus. Das ist tatsächlich eine Herausforderung an die Konzentration.“
Ich wollte schon immer im Kleinen Theater Haar spielen. Früher haben wir im Kinderheim Feldkirchen gespielt, dann sind wir ins Rathaus, das ist ok. Aber in diesem Ambiente ist es schon etwas ganz anderes, das ist halt Theater-Flair.
Martin Metzger, Mitglied Feldkirchner Theaterverein
Profi-Schliff für Laien
Bekanntermaßen pflegen viele Darsteller ein Ritual, auch Metzger igelt sich ein: „Eine Stunde vor Beginn gehe ich in mich, in die Person, die ich spiele und bin sie dann auch. Das ist meine Konzentrationsphase. Da braucht mich niemand mehr anzusprechen.“ Er befinde sich unmittelbar vor dem Auftritt in einem „kompletten Tunnel“: „30 Minuten vorher schießt das Adrenalin rein. Wenn´s los geht, musst du loslassen. Da darfst du nicht mehr überlegen, du hast dich ja lang vorbreitet und dann flutscht das. Ich glaube, dass das beim Zuschauer rüberkommt.“ Vor allem das Spiel zwischen Metzger und Thaller (Untermieter) sorgt beim Publikum für viel Gelächter: „Wir haben schon mal gemeinsam gespielt, das macht wirklich Spaß, weil es zwischen uns einfach passt“, sagt Metzger. Da sei auch BR-Regisseurin und Drehbuchautorin Stefanie Kammermeier zu verdanken. Sie kitzele von den Schauspielern des Feldkirchner Theatervereins das entscheidende „Mehr“ heraus, so Metzger und schwärmt: „Es ist schon etwas anderes mit einem Profi wie Steffi Kammermeier zusammenzuarbeiten. Sie kann einem viel beibringen und weiß, wie sie beim Einzelnen ansetzen muss. Sie hat da eine Gabe, deshalb spielen wir auf dem Niveau.“ Um ein Stück dieser Kategorie glaubhaft auf die Bühne zu stellen, brauche es auch gute Vereinsarbeit: „Die ist sehr strukturiert und koordiniert“, ist sich Metzger sicher. „Nächstes Jahr feiert er 50-jähriges Jubiläum. Es gibt Mitglieder, die so lange dabei sind. Wenn ich gefragt werde, warum ich dabei bin: Es macht mir einfach viel Spaß, da kann ich total abschalten.“
Die Schauspieler:
Brigitte Dorsch (Susanne Riedel) Verlobte von Heinz Beizel, Linda Schwan (Karin Durner), Eleonore Prielmeier (Sabine Metzger), Leiterin des Sozialamts. Sandra Kessler (Nadine Metzger) Sozialarbeiterin, Herr Tief-Graber (Sepp Straßer) Bestatter, Dr. Kapellmann (Rene Kammerlohr) Eheberater, Onkel Schorsch (Werner Geissinger), Hubertus Jäger (Werner Hartmann) Sozialamt, Abteilung Außenprüfung, Heinz Beizel (Georg Thaller) Untermieter und Freund, Erich Schwan (Martin Metzger)
Für Sie berichtete Manuela Praxl.





























