Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU), umrahmt von den neuen im Amt, links als 2. Bürgermeister Dieter Liebold (CSU) und rechts als 3.Bürgermeister Martin Metzger (UBH).
Stadtrat-Auftakt: Würdevoll, aber diskussionsfreudig Erster Meinungsaustausch im neuen Stadtrat
Zum Start in die neue Legislaturperiode platzt der große Sitzungssaal aus allen Nähten. Nicht nur alle Stadträte sind anwesend, sondern auch Verwandte, Freunde und Interessierte. Bevor es an die Vereidigung der neuen Stadträte, die Wahl und Vereidigung des zweiten und dritten Bürgermeisters und weiteren Formalien geht, richtet sich Bürgermeister Bukowski an das Gremium. Es erwarte sie keine „bequeme Zeit, aber eine wichtige“ und es gehe darum ehrlich zu sein. Dazu gehöre, die angespannte finanzielle Lage in Haar anzusprechen: „Die Ausgaben überschreiten die Einnahmen nach wie vor. Wer das auf Dauer macht, lebt von seiner Substanz“, stellt Bukowski klar und fordert: „Wir müssen jetzt handeln, und zwar entschlossen. Vor allem müssen wir das alle gemeinsam.“ Damit stehe das große Ziel für die kommenden Jahren fest: „Wir müssen unsere Einnahmen steigern.“ Das bedeute vor allem die Gewerbeentwicklung voranzutreiben, weitere Flächen zu schaffen, um neue Unternehmen für die Stadt gewinnen und dadurch letztlich weitere Arbeitsplätze anbieten zu können. Der Rathauschef spricht auch das „umstrittene Gewerbegebiet“ auf der Finckwiese an, dass kein Projekt unter vielen sei, sondern vielmehr ein „Schlüsselprojekt“: „Jeder Euro, den wir ausgeben, muss sitzen!“
Appell an den Stadtrat
Entsprechend ruft Bukowski den Rat auf, Ausgaben kritisch zu prüfen und Prioritäten setzen zu müssen. Das sei Voraussetzung, um gestalten zu können und nicht nur verwalten zu müssen. „Das wird nicht einfach und braucht jeden einzelnen von uns. Unterschiedliche Meinungen gehören uns, aber in den großen und entscheidenden Dingen für unsere Stadt müssen wir zusammenhalten“, mahnt Rathauschef Bukowski. „Die Aufgaben, die vor uns liegen, sind gewaltig.“ Es gehe darum, die angestoßenen Projekte der vergangenen Amtsperiode, voranzutreiben. Konkret nennt Bukowski wie die Umgestaltung der Leibstraße, den Ausbau der Wärmeversorgung, der zwar mit Unannehmlichkeiten verbunden, aber ein entscheidender Schritt für eine nachhaltige Zukunft, sei. Außerdem zählt er weitere anstehenden Aufgaben wie die Sanierung des Gymnasiums, den Schulcampus mit BOS und Realschule und Modernisierungen wie der Sportanlage, verschiedener Straßen und Fußwegen an. „Ich will nichts beschönigen, die Projekte werden Zeit, Nerven und Geduld kosten, Baustellen sorgen für Einschränkungen. Ich bin aber überzeugt, dass es sich lohnen wird, wie alles der vergangenen Amtsperiode. Am Ende steht dann ein Haar, das lebenswerter sein wird.“ Der bisherige Stadtrat habe immer engagiert und im Interesse des Gemeinwohls gehandelt. „Bringen sie sich ein, diskutieren sie, bringen sie Lösungen für das große Ganze“, wendet sich Bukowski noch einmal an die Ratsmitglieder: „Es geht nicht um Einzelinteressen, sondern es geht um unsere Stadt. Wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, werden wir Haar auf solide Füße stellen. Mehr noch – wir werden Haar weiterentwickeln.“
Bemerkenswerter Beginn
Zunächst vereidigt Bukowski Ulrike Giardet und Claudia Koller (die Grünen), Andreas Gründel und Martina Reuel-Dietrich (CSU), Raul Würfl (SPD), Christoph Rätscher und Gerald Radloff (AfD). Bei Letzteren sind während der Vereidigung nicht nur deutliche Buh-Rufe aus den Reihen der Besucher zu hören, die SPD-Fraktion wendet sich gar demonstrativ ab: „Es ist nicht normal, dass Rechtsradikale Mitglied im Stadtrat sind. Das haben wir mit unserem Verhalten deutlich gemacht. Rechtsradikalismus muss man widersprechen“, unterstreicht der neue Fraktionsvorsitzende der SPD, Raul Würfl, im Anschluss an die Sitzung. Indes bittet der Fraktionsvorsitzende der CSU, Dietrich Keymer, den Bürgermeister darum, Beifallsbekundungen und Missfallensäußerungen aus dem Publikum zu unterbinden. Auch die Wahl des zweiten und dritten Bürgermeisters, Dieter Liebold (CSU) und Martin Metzger (UBH) findet Würfl „bemerkenswert“ und hakt nach: „Hier wird der Wunsch und Wille von einem Drittel der Wählerschaft nicht berücksichtigt. Das finde ich auch im Blick auf die letzte Legislatur sehr schade.“ Claudia Koller von den Grünen sieht es ähnlich und sagt nach der Sitzung: „Gemeinsam haben die CSU, UBH und FDP dafür gesorgt, dass die zweitgrößte Fraktion im Stadtrat keinen Bürgermeister stellen. Über 35% der Haarer Wählerschaft haben Grüne oder SPD gewählt, doch die sind jetzt unterrepräsentiert. Lediglich bei den neu geschaffenen Referenten sind vier der fünf Referate von Frauen besetzt worden.“ Würfl hinterfragt die Vorgehensweise zur Auswahl der Referenten: „Sicherlich sitzen in allen größeren Fraktionen Kompetenzen für die genannten Referate. Über deren Besetzung hätten wir uns im Vorfeld eine diversere und über die Parteigrenzen hinausblickende Diskussion gewünscht. Das ist sicherlich eine Sache, die in Zukunft verbessert werden kann, wenn man über gemeinschaftliche Zusammenarbeit spricht.“
Referenten-System wiederbelebt
Mit der neuen Amtsperiode kehre die Stadt wegen der „durchwachsenen Durchschlagkraft der Initiativkreise“ zum Referentenmodell zurück, kündigt Bukowski an: „Das gab es schon einmal in Haar und wir haben uns entschieden, es wieder aufleben zu lassen“. Eher nebenbei sei der Gedanke entstanden, gesteht Bürgermeister Bukowski und erinnert an die erfolgreiche Arbeit des früheren Baureferenten Hans Stießberger. Zunächst solle es „klein und nicht so umfangreich“ mit fünf Referenten, die als Brücke zwischen Verwaltung und Stadtrat fungieren sollen, losgehen. Bukowski setze seine Hoffnung auf die Erfahrung und Expertise der einzelnen Referenten, um allzu erschöpfende Diskussionen, wie in der vergangenen Amtsperiode „vielleicht abkürzen zu können.“ Allerdings müsse eine Referentenposition wachsen, wie lange der jeweilige Referent benötige, hänge von der Zeit ab, die er für die ehrenamtliche Arbeit erübrigen können. Für das Baureferat zeichnet künftig Bauingenieur Andreas Gründel (CSU) verantwortlich, hinzu kommt die Referentenstelle für Bildung, besetzt durch Erzieherin Sonja Britt (CSU), Klimaschutzreferentin ist die IT-Business-Analystin Claudia Koller (Grüne), Kulturreferentin Anke Sitter, Kauffrau für Bürokommunikation (CSU) und Sozialmanagerin Astrid Herrmann (SPD) übernimmt als Sozialreferentin.
v.l.n.r.: Sozialreferentin Anstrid Herrmann (SPD), Klimaschutzreferentin Claudia Koller (die Grünen), Baureferent Andreas Gründel (CSU), 2. Bürgermeister Dieter Liebold (CSU), Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU), 3. Bürgermeister Martin Metzger (UBH), Bildungsreferentin Sonja Britt, Kulturreferentin Anke Sitter und Alterspräsidentin Gerlinde Stießberger (je CSU).
Die neuen Stadträte v.l.n.r.: Raul Würfl (neuer Fraktionsvorsitzender der SPD), Ulrike Girardet und Claudia Koller (die Grünen), Martina Reuel-Dietrich und Andreas Gründel (CSU), Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU), Andreas Rätscher und im Rollstuhl Gerald Radloff (AfD).
Für Sie berichtete Manuela Praxl.























