„Der Klavierträger” am EMG

Kategorie: Kultur & Bildung

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Zwischen Klavierklängen und leisen Zwischentönen –
Szenische Lesung am Ernst-Mach-Gymnasium

Am Samstagabend, dem 7. März 2026, verwandelte sich der Saal des Ernst-Mach-Gymnasiums in Haar in einen ungewöhnlichen Theaterraum. Zehn Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 bis 13 aus dem Profilkurs Darstellende Kunst präsentierten gemeinsam mit ihrem Kursleiter Thomas Ritter eine eindrucksvolle szenische Lesung. Aufgeführt wurde das Stück „Der Klavierträger” – nach einer Erzählung aus dem Roman „Für Polina“ von Takis Würger.

Statt eines klassischen Theaterstücks entschieden sich die jungen Darstellerinnen und Darsteller bewusst für eine reduzierte, aber sehr intensive Form der Inszenierung: eine szenische Lesung. Dabei verbanden sie gesprochenen Text mit schauspielerischen Momenten, Bewegungen und atmosphärischen Bildern. Das Ergebnis war eine feinfühlige Aufführung, die vor allem durch ihre leisen Töne und emotionalen Zwischennuancen überzeugte.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Hannes und Polina – zwei Menschen, deren Leben immer wieder ineinandergreifen, ohne dass sie wirklich zusammenfinden. Schon in ihrer Kindheit begegnen sie sich oft in der Villa im Moor. Die Musik, insbesondere das Klavierspiel, verbindet sie ebenso wie eine tiefe, unausgesprochene Zuneigung. Doch obwohl sie einander immer wieder über den Weg laufen und insgeheim wissen, dass sie zueinander gehören, gelingt es ihnen zunächst nicht, ein gemeinsames Leben zu führen. Die Erzählung begleitet die beiden Figuren über viele Jahre hinweg und zeigt, wie sie auf ihre jeweils eigene Weise versuchen, erwachsen zu werden.

Diese besondere Atmosphäre der Geschichte griff der Kurs mit viel Feingefühl auf. Die Schülerinnen und Schüler konzentrierten sich weniger auf große dramatische Gesten, sondern auf die stillen Momente – Blicke, Pausen, kurze Bewegungen und das gesprochene Wort. Gerade diese zurückhaltende Darstellung verlieh der Aufführung ihren besonderen Charme und ließ das Publikum tief in die Gefühlswelt der Figuren eintauchen.

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Kursleiter Thomas Ritter gab den Jugendlichen bewusst nur wenige feste Vorgaben. Lediglich die Bühnensituation war von ihm definiert: eine 360-Grad-Bühne mitten im Saal, das Publikum ganz nah dran und rund um die Spielfläche verteilt. Diese ungewöhnliche Anordnung schuf eine sehr besondere Atmosphäre.

Innerhalb dieses Rahmens konnten die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Ritter ließ ihnen bewusst viel Freiheit, ihre eigenen Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Die Romanvorlage diente dabei als Ausgangspunkt. Während der Proben entstand schließlich die Entscheidung, den Stoff nicht als klassisches Theaterstück, sondern als szenische Lesung zu inszenieren. Diese Form erwies sich als besonders passend für die poetische und teilweise nachdenkliche Erzählweise der Vorlage.

Die Aufführung war bewusst reduziert und teilweise abstrakt gehalten. Gerade diese Zurückhaltung eröffnete Raum für Fantasie und Interpretation. Mit wenigen Mitteln gelang es den Schülerinnen und Schülern, die Stimmung der Geschichte spürbar zu machen – von der geheimnisvollen Kindheit in der Villa im Moor bis zu den späteren Begegnungen der beiden Hauptfiguren.

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Fast anderthalb Stunden lang folgte das Publikum gespannt der Geschichte von Hannes und Polina. Immer wieder war zu spüren, wie sehr die Zuschauerinnen und Zuschauer mit den Figuren mitfieberten und auf ein glückliches Ende hofften. Gerade dieses offene Mitfühlen machte die Aufführung so lebendig. Am Ende belohnte das Publikum die jungen Darstellerinnen und Darsteller mit begeistertem Applaus.

Der Abend zeigte eindrucksvoll, welches kreative Potenzial im Fach Darstellende Kunst steckt. Die Schülerinnen und Schüler bewiesen Mut, Fantasie und ein feines Gespür für literarische Stoffe. Umso bedauerlicher erscheint es, dass dieses Fach in Bayern bislang nicht als Abiturfach angeboten wird. Veranstaltungen wie diese machen deutlich, wie wertvoll künstlerische Arbeit im schulischen Kontext sein kann – nicht nur für die persönliche Entwicklung der Jugendlichen, sondern auch für das kulturelle Leben einer Schule.

Die szenische Lesung am Ernst-Mach-Gymnasium war damit weit mehr als eine Schulaufführung. Sie war ein intensiver Theaterabend, der zeigte, wie viel Ausdruckskraft in leisen Tönen liegen kann – und wie junge Menschen Literatur mit eigenen Ideen und großer Leidenschaft auf die Bühne bringen können.

Für Sie berichtete Yvonne Baum.

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