Spielearchiv feiert Internationalen Weltfrauentag am Bundestag der Archive

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Raus aus der Unsichtbarkeit: Spielearchiv widmet Bundestag der Archive am Internationalen Frauentag den Frauen.

Pionierinnen am Spieltisch

„Das ist meine Straße! Das macht dann 3000“, fordert Spieler A mit gierig-glückseligem Blick auf die Besitzerkarte vom genervten Spieler B. Währenddessen sieht es für C nicht besser aus. Er zieht den unbeliebten Klassiker der Ereigniskarten und muss zähneknirschend der Anweisung „Gehe nicht über Los. Ziehe nicht 4.000 Mark ein“ folgen und sich direkt ins Gefängnis begeben. Laut Guiness- Buch der Rekorde gilt Monopoly als das von den meisten Menschen gespielte Brettspiel der Welt. Bisher sind geschätzte 500 Millionen weltweit dem Reiz der Gier und des Kapitalismus´ erlegen. Überraschenderweise ist das Spiel um Macht, Besitz und Bankrott die Erfindung einer Frau und die gilt, finanziell betrachtet, als große Verliererin. „Die Ökonomin Elizabeth „Lizzie“ Magie Phillips hat es 1903 unter dem Namen „The Landlord Game“ entwickelt, denn sie wollte damit die Gefahren des Monopolismus aufzeigen“, erklärt Daniel Wolf, zweiter Vorsitzender des Spielearchivs in Haar. „Irgendwann hat es Charles Darrow „geklaut“, das Design geändert und verkaufte es als eigene Erfindung für Millionen an Parker Brothers. Elizabeth Phillips erhielt lediglich 500 US-Dollar für ihr Patent – ohne Beteiligung am späteren Riesenerfolg von Monopoly.“

Gegen das Schattendasein
In der Geschichte der Spieleentwicklung zieht sich über lange Zeit die Unsichtbarkeit der Entwickler, vor allem der Frauen, wie ein roter Faden durch die Branche. „Es ist erstaunlich, dass wir den Namen der Autorin von Monopoly kennen. Erst in den 90er Jahren kamen die Namen der Entwickler auf die Schachtel. Darum hatte unter anderem unser ehemaliger Vorstand der deutsche Spielexperte, Spieleautor und Buchautor Tom Werneck gekämpft.“ Die Datenbank des Haarer Spielearchivs weist rund 5000 Entwickler aus: „Davon sind etwa 1000 Frauen. Ehrlicherweise hätten wir nicht mit so vielen gerechnet“, offenbart Wolf.

Die neuen Spielemacherinnen
Trotz vieler Hürden in dem von Männern dominierten Umfeld, setzen sich über die Jahrzehnte Frauen durch und prägen mit ihren Ideen die Spielkultur nachhaltig. So kennt den „Obstgarten“ von Anneliese Farkaschovsky nahezu jedes Kind. Mit dem abstrakten Legespiel „Qwirkle“ sichert sich Susan McKinley-Ross 2011 den begehrten Titel „Spiel des Jahres“. Spiel des Jahres- Stipendiatin Sophia Wagner hospitiert bei diversen Verlagen, um schließlich „Noria“ herauszubringen. Durchschlagenden Erfolg hat auch Elizabeth Hargrave komplexes Spiel „Flügelschlag“: „Hargrave und ihre Graphikerin sind inzwischen hauptberuflich Spieleautorinnen und können davon leben“, erläutert Wolf. Ebenso kann es Rita Modl, ein Mitglied des Vereins: „Sie bringt jährlich vier, fünf Spiele heraus, beispielsweise „Men a Work“ oder „Lumicora“. Das ist eher außergewöhnlich.“ Ein durchschnittliches Spiel, das in der Szene gut ankommt, habe eine Auflage von 5000 Stück, so Wolf: „Davon bekommt der Autor, wenn er Glück hat, zwei Euro, da kann man sich jetzt selbst ausrechnen, wie viel das ist.“

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Doppelpass am Spieletisch
Auch in der Paarkonstellation wie Inka und Markus Brands, entstehen spannende Spiele. Sehr bekannt ist deren „Exit“- Reihe, eine Art „Escape- Room“ in der Schachtel. „Sie zählen zu den erfolgreichsten deutschen Spieleentwicklern, die ebenfalls davon leben können. Erfolgreich ist auch das Spiel von Karin und Andreas Seifert „Thurn und Taxis“, das 2007 die Auszeichnung Spiel des Jahres erhält.“ Daniel Wolf gelingt es, gemeinsam mit Ehefrau Petra, eine „weinselige Schnapsidee“ umzusetzen. Das Paar bringt vor beinahe 20 Jahren Spiel „American Bar“ auf den Markt. „Es geht darum Cocktails zu mischen. Dabei müssen die Spieler Flaschen und andere Zutaten tauschen und dealen. Die Rezepte sind echte und würden funktionieren, wenn man sie mixt“, erklärt Petra das Spiel.

Spielregeln der Gleichberechtigung
Bis dato sind Frauen auf den Namensnennungen von Spielekartons unterrepräsentiert. Nach wie vor müssen sie sich gegen Klischees durchsetzen und den Beweis antreten, sich mit mehr als sozialen Themen oder Kinderspielen auseinandersetzen zu können. Einrichtungen wie das Spielearchiv können mit ihrer Arbeit dazu beitragen, historische Leistungen von Frauen wie Elizabeth Magie Phillips festzuhalten und ihnen den Platz in der Geschichte zu verschaffen, der ihnen gebührt. Die Anerkennung dieser Leistungen und die Nachwuchsförderung sind ein Beitrag auf dem Weg zur vollständigen Gleichberechtigung am Spieltisch.

Kampf auf der Straße ins Gesetz: Die Anfänge des Weltfrauentags
Der achte März steht rund um den Globus für den Internationalen Frauentag (International Women´s Day oder IWD). Vor dem ersten Weltkrieg gehen Frauen sozialistischer Organisationen in einigen Ländern auf die Straße und kämpfen für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Arbeiterinnen und das Wahlrecht. Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin initiiert schließlich auf der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen 1910, einen internationalen Kampftag für Frauenrechte. Dabei orientiert sie sich an den Sozialistische Frauen Amerikas (SPA), die bereits zwei Jahre zuvor das Nationale Frauenkomitee ins Leben riefen. Vor allem die Immigrantin, Textilarbeiterin und Sozialistin Theresa Serber Malkiel engagiert sich entschlossen für das Frauenstimmrecht. Nur ein Jahr später begehen die US-Amerikanerinnen ihren ersten Frauentag mit Erfolg. Am 19. März 1911 ziehen Demonstrantinnen aus Deutschland, Schweiz, Dänemark und Österreich-Ungarn mit ihrem ersten Internationalen Tag nach. 1975, dem Internationalen Jahr der Frau, wählen die Vereinten Nationen (UN) den achten März, um zukünftig an diesem Datum den „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ zu begehen.

»Irgendwann hat es Charles Darrow „geklaut“, das Design geändert
und verkaufte es als eigene Erfindung für Millionen an Parker Brothers.
Elizabeth Phillips erhielt lediglich 500 US-Dollar für ihr Patent –
ohne Beteiligung am späteren Riesenerfolg von Monopoly.«

Daniel Wolf, 2. Vorsitzender, Spielearchiv Haar

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Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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