Das Wetter solala, die Temperaturen bestenfalls „geht so“ – egal die Maibaumfreunde feiern ihr Zehnjähriges gebührend.
Von „Greenhorns“ zur starken Gemeinschaft, die Brauchtum lebt
Ein Verein lebt vom Herzblut seiner Mitglieder. Es sind Menschen, die Geschichten schreiben, die gemeinsam Krisen durchleben, Menschen, die ihren Verein mit viel Herzblut tragen. Dieser Tage können sich die Maibaumfreunde über ein ersten kleines Jubiläum freuen: Sie existieren, trotz der recht bewegten Geschichte. 2016 gründet sich der Verein. Aus jenen Tagen sind bis heute die Gründungsmitglieder Robert Fleischmann und Hans Stießberger dem Verein treu. Letzterer zeichnet seit sieben Jahren als Vorstand verantwortlich: „Derzeit sind wir 24 Mitglieder, zwei Drittel Männer und ein Drittel Frauen. In den ersten Jahren gab es keinerlei Aktivitäten“, plaudert Hans Stießberger aus dem Vereinsnähkästchen und spricht einen Tiefpunkt an: „2019 trat der alte Vorstand zurück. Damals war zu befürchten, dass sich der Verein auflösen könnte und deshalb habe ich das Amt zunächst kommissarisch übernommen, später wurde ich zum ersten Vorstand gewählt.“
2019: Der Neustart
An das, wie sich der Verein heute präsentiert, denken die Vereinsmitglieder zunächst in keiner Weise. Damals bekommen die Maibaumfreunde zwar Räumlichkeiten von der Stadt zugeteilt, die sind allerdings in einem Zustand, der vor allem hochgekrempelte Ärmel und Handwerkerfähigkeiten und jede Menge Zeit fordert. „Wir hatten einen großen Wasserschaden, mussten die Böden erneuern , haben die Beleuchtung ausgewechselt und uns ein gemütliches Stüberl eingerichtet, inklusive Küche und Toilette“, zählt Hans Stießberger die umfassenden Arbeiten auf. Heute sei das Vereinsheim ein kleiner Hingucker.
Läuft! Premiere für Anfänger
Wegen der Pandemie allerdings fällt die Hauptaktivität ins Wasser, erzählt Stießberger: „Das Aufstellen eines Maibaums war für 2021 geplant.“ Dann, 2023, besinnen sich die Maibaumfreunde auf ihren Sportsgeist und treten großzügig zurück: die Freunde aus Ottendichl sollen ihren Baum aufstellen können: „So konnten sie in ihrem Fünfjahresrhythmus bleiben“, erklärt Stießberger die großzügige Geste. 2024 schlägt schließlich die Stunde der Haarer Maibaumfreunde. „Wir waren lauter Greenhorns“, erinnert der zweite Vorstand Manfred Ostermaier lachend. „Aber alles hat geklappt!“
Gemeinsam auf der Hut
Bürgermeister Anderas Bukowski würdigt die Arbeit des Vereins: „Was Ihr hier geschaffen habt, ist weit mehr als ein Verein oder ein Brauchtumstermin. Es ist gelebte Gemeinschaft. Ein Stück Heimat. Der beste Beweis dafür, dass Tradition keineswegs verstaubt sein muss, sondern ziemlich lebendig sein kann. Manchmal laut, manchmal lustig und manchmal eben auch leicht übermüdet.“ Damit erinnert der Rathauschef an die Maibaumwache, die in Haar keine Aufgabe einiger weniger sei, sondern ein „echtes Gemeinschaftsprojekt vieler Haarer Vereine und Institutionen“: „Nacht für Nacht übernehmen andere Gruppen die Wache. Da sitzen dann Feuerwehrler, Schützen, Vereinsmitglieder und Ehrenamtliche gemeinsam im Wachzelt und verteidigen den Baum mit einer Mischung aus Heimatliebe, Kaffee und gesunder Skepsis gegenüber auswärtigen Fahrzeugen.“
Filmreifes Ehrenamt
Bei den Maibaumfreunden gehe es nicht darum „aufgeräumt und von der Straße“ zu sein, sagt Ostermaier: „Bei uns geht es eben um Tradition und Brauchtum. Beides soll weiterleben. Es geht bei uns auch um Zusammensein, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen und uns hinterher auf die Schultern klopfen können, wenn alles gut gelaufen ist. Dann machen wir sehr gerne ein Fest.“ Von der Bayerischen Regierung sei der Verein derzeit aufgerufen, einen einminütigen Film über das Ehrenamt zu machen. „Da zeigen wir das Fällen, Vorbereiten, Einbringen, Schmücken und Aufstellen – einfach alles, was wir so eigentlich machen.“
Für Sie berichtete Manuela Praxl.








