Alle Vöglein sind noch da, aber …

Kategorie: Umwelt

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Junge Uferschwalben in Bruthöhle (© Herbert Henderkes)

… ohne Hilfsmaßnahmen würden viele Vogelarten nicht überleben

In München Stadt und Landkreis gibt es eine erstaunliche Vogelvielfalt. Fast 200 verschiedene Arten können im Laufe eines Jahres beobachtet werden, darunter auch extrem seltene. „Dass unsere Münchner Vogelwelt einen solchen Artenreichtum aufweist, ist zunächst einmal erfreulich“, sagt Heinz Sedlmeier, Geschäftsführer des LBV München (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). „Viele Arten wie beispielsweise Uferschwalben, Feldlerchen oder Wanderfalken kommen bei uns jedoch nur noch aufgrund gezielter und teils sehr aufwendiger Hilfsmaßnahmen vor.“ Damit nicht immer mehr Vogelarten auf menschliche Unterstützung angewiesen sind, fordert der LBV ein schnelles Ausweisen neuer Schutzgebiete in München und die Schaffung eines Biotopverbunds.

 

Ein Wanderfalke schießt mit 300 km/h auf eine Taube nieder, mitten in der Münchner Innenstadt. Sein Brutplatz: Eine Nisthilfe in den Türmen der Frauenkirche. Ein extrem seltener Nachtreiher rastet auf seinem Rückflug von Afrika im Westen des Stadtgebiets. Sein Ruheplatz: Eine wasserreiche Biotopfläche, die seit über 20 Jahren gepflegt wird, inklusive Besucherlenkung durch Schilder und Gebietsbetreuung. Uferschwalben jagen auf der Suche nach Insektennahrung durch den Münchner Osten. Ihre Brutplätze: Eine künstlich angelegte Nistwand auf abgesperrtem Gelände. „Ohne diese teilweise sehr umfangreichen Hilfsmaßnahmen, mit denen der LBV den Vögeln im wahrsten Sinne des Wortes unter die Flügel greift, würde es diese und viele andere Vogelarten bei uns nicht mehr geben“, erklärt Vogelschützer Sedlmeier. Gartenrotschwanz, Feldlerche, Kiebitz, Trauerschnäpper, Uhu, Rauchschwalbe, Flussregenpfeifer oder Mauersegler – ganz „natürlich“ hätten sie in München keine oder kaum noch eine Chance.

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Die größte Bedrohung für die Vogelarten sind Klimawandel, Bebauung und stellenweise intensive Landwirtschaft im Landkreis, aber auch zunehmender Freizeitdruck. Dadurch gehen intakte Lebensräume mit Nistmöglichkeiten, ungestörtem Unterschlupf und einem geeigneten Nahrungsangebot verloren. Es fehlen Kleingewässer, alte Bäume mit Bruthöhlen, strukturreiche Landschaften, störungsfreie Zonen und vieles mehr, denn jede Art hat ein eigenes Zusammenspiel verschiedener Anforderungen. Selbst die anpassungsfähigen Kohlmeisen brüten im Stadtgebiet vorwiegend in Nistkästen. Tausende davon betreut der LBV, viele sind speziell für einzelne Arten angepasst, zum Beispiel für Eulen.

 

Damit nicht immer mehr Arten in die Hilfsprogramme rutschen, fordert der LBV München die rasche Ausweisung neuer Schutzgebiete beziehungsweise die Erhöhung der Schutzkategorie – zum Beispiel für Brunnbachleiten, Isarleitenwald, Böhmerweiher, Eicherhof, Langwieder Heide, Moosschwaige und Angerlohe. „Außerdem benötigen wir dringend einen Biotopverbund, der die einzelnen Flächen verbindet“, meint Sedlmeier. „Das ermöglicht genetischen Austausch und gefahrloseres Wandern zwischen den Gebieten, denn nur wenige Vögel bleiben ihr Leben lang an einem Ort.“

 

Der Erhalt der beachtlichen Münchner Vogelvielfalt mit über 200 Arten, die sich dauerhaft oder zeitweise hier aufhalten, ist nicht nur „nice to have“ für Vogelfans. „Orte mit einer hohen Biodiversität haben eine stärkere Resilienz gegenüber Störungen wie beispielsweise Dürre“, so der LBV-Experte. „Vögel sind Indikatoren für intakte Ökosysteme. Gehen sie in Menge und Diversität zurück, ist das ein Zeichen für eine aus der Balance geratene Umwelt. Das schadet am Ende auch dem Menschen.“ Die Tatsache, dass rund ein Drittel der 200 Vogelarten inzwischen auf Hilfsmaßnahmen angewiesen sind, verdeutlicht den Handlungsbedarf. „Die Stadt muss jetzt Ernst machen“, so der LBV-Geschäftsführer.

 

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Über den LBV München:

Der LBV München ist mit über 10.000 Mitgliedern, Unterstützerinnen und Unterstützern die größte Kreisgruppe des LBV – Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V.  Zu unseren wichtigsten Aufgaben gehören Arten- und Biotopschutz, Bildungsarbeit und Umweltberatung sowie Naturschutzpolitik in München Stadt und Landkreis. Gemeinsam mit unseren vielen Ehrenamtlichen geben wir der Natur in München eine Stimme.  

Für Sie berichtete das Haarer Stadt Echo.

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