Bruthitze, Backhendl und Bier – Haar feiert sein Volksfest und ziagt o

Kategorie: Veranstaltungen

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Gewinner BSG, v.l.n.r. Johann Eittinger, Emily Stöhr, Nemanja Vukicevic, Sara Gruber, Manfred Lohberger, Maik Stöhr, Dragun Mihaljevic.

Hopfen-Smoothie als Jungbrunnen

Johann Eittinger strahlt übers ganze verschwitzte Gesicht: „Jetzt bin ich a bissal fertig und gönne mir eine Maß. Die brauche ich, um zu regenerieren, die habe ich mir verdient.“ Es ist kaum zu glauben: der Mann zählt 70 Lenze und weiß, wie er Gegner, die weniger als ein Drittel so alt sind, über den Tisch oder vielmehr die markierte Linie zieht. Eittinger ist Vorstand der Betriebsportgemeinschaft Isar-Amper-Klinikum und tritt als topfittes „Zugpferd“ mit den Mitgliedern seiner „Seil-schaft“ BSG wie bereits ein Jahr zuvor auf dem Haarer Volksfest zur 2. Stadtmeisterschaft im Tauziehen an. Bei den tropischen Temperaturen hilft möglicherweise ein Stoßgebet beim Gottesdienst vor dem sportlichen Kraftakt. Jedenfalls verkündet Eittinger ganz selbstbewusst mit bayerischem Augenzwinkern: „Schaut her, hier steht der erfolgreiche Titelverteidiger!“

Sportler-Tipps und Ernährungs-Coaching
Sechs Teams, die sich aus Vereinen und Mitarbeitern der Stadt zusammensetzen, treten an. Im Zelt klettert die Temperatur bei 34 Grad Außentemperatur in den Nachmittagsstunden auf kuschelig-feuchte über 40 Grad, noch bevor irgendjemand auch nur eine Hand ans Seil gelegt hat. Die ultraharten Bedingungen können Anhänger des traditionellen Volksfestsports jedoch nicht davon abhalten, lauthals und bewegungsintensiv ihre Favoriten nach vorne zu treiben. Es soll sogar einige geben, die das gefühlte Dampfbad positiv bewerten, denn dadurch ist eine muskellockernde Aufwärmphase unnötig. Viel eher braucht es die innere Abkühlung – und die reichlich. Isotonische Getränke sollen ja ganz gut sein, aber echte Gegenzug-Fanatiker, ob aktiv am Seil oder passiv auf der Bank, setzen auf die Gerstensaft-Intensivtherapie. „Doch, doch. So eine Maß enthält Nährstoffe und verhindert Flüssigkeitsverlust“, sind sich Stefan Pietsch, 1. Schützenmeister der Schützengesellschaft Haar und Team-Kollege Mark-Brassinga ganz sicher.

KO-Kriterium Schnitzelgrab und knallhartes Regelwerk
Doch Achtung: wer im Vorfeld seinen Hopfenspeicher rund um die Hüfte bereits zu gut gefüllt hat, sprengt möglicherweise die Gewichtsgrenze. Eine Maß zu viel kann dann schnell das Zünglein an der Waage sein. Denn bevor die hochmotivierten Strammzieher den dicken Hanfstrang zu fassen bekommen, müssen alle auf den unbestechlichen Sünden-Rechner: Die Waage! Hier und dort entledigen sich noch einige Athleten ihrer Schuhe oder Geldbeutel, ganz Gewiefte ziehen den Bauch ein. Hilft alles nichts, bei 600 Kilo zieht die Jury die Reißleine. Ein Team trifft es – sie müssen ihr Prachtexemplar eines Kraftpakets gegen zwei grazile Damen tauschen. „Hier sind wir streng“, witzelt Bürgermeister und Moderator des Events Andreas Bukowski: „Die Regeln der Bundesliga im Tauziehen geben das vor und daran halten wir uns weitgehend“, stellt der Rathauschef klar: „Tatsächlich, was vielleicht viele nicht wissen, ist das kein reiner Gaudisport.“ Allerdings gebe es einen gewissen Handlungsspielraum, meint Bukowski und grinst: „Das sagt ja schon „weitgehend“. Wir hangeln uns daran entlang, schauen aber nicht akribisch hin. Aber so etwas wie einhaken oder festhalten geht nicht, wir wollen es fair halten.“

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Immer im Takt und Flow Als fast standfeste Co-Moderatorin erweist sich Haars Kulturreferentin Anke Sitter, die höchstpersönlich das Seil und die Teams genau im Visier behält oder vielmehr für die korrekte Lage des Seils sorgt. Das graue Tape, das die Mitte des Seils markiert, muss auf einer Linie am Boden liegen. Jeweils links und rechts davon ist das Tau in einem Abstand von je vier Metern mit einem roten Tape umwickelt. So ist die Zugdistanz zu sehen. Wer das rote Tape des Gegners innerhalb von zwei Minuten über die Linie am Boden zieht, gewinnt. Im Wettbewerb müssen alle Teams gegeneinander antreten. Jeder Sieg bringt zwei Punkte, für ein Unentschieden einen. Im Finale stehen schließlich die beiden Teams mit den meisten Punkten. Vor einem Kampf fixiert Anke Sitter mit ihrem Fuß die Mitte des Seils, bevor sie das Kommando „Auf die Plätze, fertig, los!“ gibt. Es könnte auch „bücken, greifen, zieht“ lauten. Wer beobachtet, lernt schnell: hier geht es nicht um Irxenschmalz, sondern vor allem Technik führt zu Erfolg, weiß „Tau-Flüsterer „Du musst am Seil spüren, wie stark die anderen gerade ziehen“, sagt „Tau- Versteher“ Eittinger: „Es geht nicht nur um die Zugkraft. Du musst Dagegenhalten und den Kipppunkt der anderen spüren und den dann nutzen. Und im Rhythmus bleiben. Jedes Team braucht einen, der sagt, wo es langgeht und mit „Hau ruck“ anschafft!“

Tosende Begeisterung und Freiflug inklusive
Warum die Sportler nach dem Abpfiff nicht einfach das Seil fallen lassen dürfen, muss Anke Sitter am eigenen Leib erfahren. Durch den letzten Ruck der Gegner fliegt eine letzte verbleibende Frau einer Mannschaft in deren Richtung und reißt Anke Sitter mit. „Glücklicherweise haben wir uns beide nichts getan.“ Das bis zum letzten Schweißtropfen umkämpfte Finale zwischen der BSG und den Bierathleten, entscheidet, wie vorhergesagt, die BSG für sich. „Mein großer Respekt gilt Johann Eittinger“, gratuliert der Kapitän der Bierathleten Anton Struger seinem Kontrahenten. Als Vizemeister zeigt er sich hochzufrieden: „Wir machen zusammen jedes Jahr Männerurlaub und hatten im wahrsten Sinne des Wortes die Schnapsidee hier mitzumachen.“ Für die energiegeladene Runde steht bereits fest: „2027 stehen wir ganz oben!“ Möglicherweise hat Struger eine Chance, denn Eittinger kündigt an: „Ich mache dann nur noch als Coach mit. Jetzt brauche ich einen Masseur für die Wadln.“

Nach dem Fest ist vor dem Fest
Andreas Bukowski zieht nach dem Volksfest mit seinen vielen Veranstaltungen und Höhepunkten von der Dirndl-Modenschau, über Public Viewing und Küren des Stadtschützen, sowie Ehrung der Sportler, bis hin zum Seniorennachmittag eine positive Bilanz: „Wir sind es ja schon fast gewohnt, dass es so heiß ist. Jetzt freue ich mich schon auf unser Volksfest 2027.“

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Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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