Jedes Jahr ein Highlight an der Mittelschule: Das Konzert für Schüler.
Konzert-Magie: Förderprojekt „Musik für Schüler“ lässt Kinder über sich hinauswachsen
In der Aula der Mittelschule sitzen dicht gedrängt Eltern, Schüler und Lehrer und richten gespannt ihren Blick nach vorne. Dort warten junge Nachwuchsmusiker auf ihren großen Auftritt in wenigen Minuten. Die einen tragen ein Stück auf dem Klavier vor, andere verstärken den Chor mit ihrer Stimme. Spätestens jetzt rast bei vielen das Herz, der Frosch im Hals scheint unaufhörlich zu wachsen und die Hände wollen nicht aufhören zu zittern. Das Gedankenkarussell „Hoffentlich erinnere ich mich an alle Noten“ dreht zu diesem Zeitpunkt noch ein paar Extrarunden im Kopf, berichten Ella und Amelie: „Die Angst im Vorfeld war sehr groß.“ Aaron indes nimmt es etwas gelassener: „Das Lampenfieber war eine fünf auf einer Skala von eins bis zehn. Das Schwerste war, die Töne richtig zu treffen.“ Für Samuel sind vor allem die hohen Töne schwierig zu halten, noch herausfordernder sei allerdings, den Text von „Jetzt ist Sommer“ richtig zu können. Anett berichtet vom Vorteil, mit einem Chor aufzutreten: „Da singt man nie allein. Deswegen war die Aufregung beim Singen nicht so groß und es hat sich sogar cool angefühlt.“
Intensive Vorbereitungsphasen formen das tolle Programm
Das Konzert „Musik für Schüler“ ist das Ergebnis monatelanger harter Arbeit. Seit Jahren macht die Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation das besondere Förderprogramm für die Mittelschüler, auch in Haar, möglich. Nach einem von Erich Fischer erarbeiteten Konzept erhalten Schüler Klavier- und Chorunterricht. Die Fachreferenten Burak Çebi (Klavier) und Thomas Schütz (Chor) unterstützen das Abschlusskonzert, weitere Profimusikerinnen – Mezzosopran Franziska Bader und Violinistin Kristina Keresty – bereichern mit eigenen Darbietungen das Programm. „Solche Projekte ermöglichen Erfahrungen, die im normalen Schulalltag nur schwer möglich sind“, stellt Günter Busta, Leiter der Musikklassen an der Mittelschule Haar, fest. Gemeinsam mit Valentin Drost und Andrei Jurca bereitet er den Abend mit den Fünft- und Sechstklässlern vor. „Die Kinder arbeiten über einen längeren Zeitraum auf ein gemeinsames Ziel hin und erleben, dass jeder Einzelne für das Gelingen wichtig ist.“
Gänsehautmoment: Wenn Profis Flügel verleihen
Ein üppig vorbereitetes Buffet der sechsten und siebten Klassen im Fach Ernährung und Soziales betont das Außergewöhnliche des Abends: „Es zeigt eindrucksvoll, was mit Engagement von Fachlehrerinnen und Schülern möglich ist. Sie haben ihr Bestes aus ihren Mitteln in der Schulküche herausgeholt“, lobt Lehrerin Nathalie Mahr die Koch-Crew. Für alle ist es ein nicht alltägliches Erlebnis, aktiver Teil eines Konzerts zu sein. Vor allem die Mitwirkenden des Konzerts benötigen noch Zeit, um alles zu verarbeiten. Anett erzählt aufgeregt: „Es war ein bisschen cool, dass die Geige mitgespielt hat, während wir gesungen haben. Das klang schön. Das Klavier hat uns beim Singen auch unterstützt, sodass der eine oder andere Fehler nicht zu hören war.“ Amelie findet den Auftritt durch die Profimusiker noch besser als die Chorproben und Ella schwärmt: „Es war aufregend, weil die Profis uns das Gefühl gegeben haben, dass es gut ist, was wir machen.“
Auch leise Charaktere werden laut
Dabei können die kleinen Musiker neue Seiten an sich entdecken und zeigen, was in ihnen steckt, beobachtet Busta seit Jahren: „Besonders wertvoll ist, dass alle Kinder unabhängig von ihren schulischen Leistungen Teil eines gemeinsamen Erfolgs sein können.“ Der Lehrer sei immer wieder überrascht darüber, wie Elf- und Zwölfjährige, die im Unterricht eher leise und zurückhaltend sind, regelrecht aufblühen. „Das gemeinsame Musizieren stärkt den Zusammenhalt der Kinder. Anfangs waren die Chorproben noch recht chaotisch, doch je näher der Auftritt rückte, desto konzentrierter und ernsthafter arbeiteten alle zusammen.“ In einer Zeit, in der vieles schnell und kurzweilig sei, müssten Kinder erst lernen, sich bewusst auf Musik einzulassen und aufmerksam zuzuhören. „Manche Kinder brauchten dafür etwas Zeit, andere waren von der Musik und besonders von einem Opernbesuch sehr beeindruckt.“
Für Sie berichtete Manuela Praxl.



















