Weichenstellung vor den großen Ferien
2.700 Wohnungen auf 25 Hektar: Das sind zwei Zahlen, die dem Stadtrat kurz vor den Sommerferien aufstoßen. Bereits im vergangenen Februar kritisierte der Bauausschuss vor allem die Baudichte des durch die Stadt München geplanten Quartiers am Rappenweg. Aus der Unternehmensgruppe Büschl sprach Caroline Scharifzadeh Details über die aktuellen Planungen des Großprojekts an der Grenze zu Gronsdorf, die ein moderateres Strukturkonzept aus dem Jahr 2021 nicht mehr einbeziehen. Das damals gemeinschaftlich erarbeitete Konzept der Landesmetropole mit Haar hatte eine harmonisch abgestufte Bauweise vorgesehen. Höhere Gebäude mit maximal fünstöckiger Bauweise sollten im Inneren des Quartiers entstehen, zum Ortsrand hin Gebäude mit maximal drei Stockwerken. Davon weichen die neu vorgestellten Pläne erheblich ab. Danach sollen am Quartiersrand Gebäude für etwa 7.000 Menschen mit bis zu acht Etagen entstehen. Das bedeutet etwa 25 Meter hohe Wände direkt vor Gronsdorfs Haustüren, die nur etwa 70 Meter entfernt liegen – eine massive Veränderung für den Ortsteil, in dem die Bewohner hauptsächlich in zweigeschossigen Häusern mit Garten leben. Diesen Umstand kritisieren neben Haars CSU und SPD auch die Verwaltung. Dabei können sie sich auch auf zahlreiche Einwände von Haarer Bürgern stützen. Entsprechend fordert Haar einen Übergang, wie im ursprünglichen Konzept vorgesehen.
Schleichwege ausbremsen, Bahnhof am Limit
Eine bisher geplante Hauptstraße, die über die Mauerseglerstraße hin zur Wasserburger Landstraße führt, soll die Bahngleise auf einer Brücke überqueren. Dafür ist eine topografische Erhöhung von bis zu zehn Metern notwendig. Hier schlägt Haar eine Unterführung vor. Eine direkte Straßenverbindung zur Heimgartenstraße kommt für Haar nicht infrage, da Gronsdorfs Straßennetz ein erhöhtes Verkehrsaufkommen nicht bewältigen kann. Zudem appelliert Haar an München, den Verkehr für die dortigen Gewerbegrundstücke über den Rappenweg fließen zu lassen. Ein erklärtes Ziel ist außerdem, Schleichwege durch das Wohngebiet zu beenden. Beim Radverkehr hingegen kann Haar eine neue West-Ost-Radverbindung parallel zu den Bahngleisen mit Anschluss an die Heimgartenstraße unterstützen. Bedenken äußert der Rat auch hinsichtlich der Infrastruktur rund um den S-Bahnhof Gronsdorf. Künftig muss dieser einen Großteil des Pendlerverkehrs auffangen, bereits heute stoßen die Park+Ride- und Bike+Ride-Anlagen an ihre Grenzen. Doch seitens des ÖPNV sind bis auf Weiteres keine Lösungen in Sicht. Haar erwartet hier Nachbesserungen von der Landeshauptstadt. Um die angespannte Parksituation in Haar und seinen Ortsteilen im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen im Bereich der Messestadt Riem zu entlasten, soll München für ein weiteres Parkplatzangebot auf dem eigenen Stadtgebiet für den Riemer Badesee sorgen.
Leibstraße: Eckgrundstück im Wandel
Die Eigentümerin des Gebäudes an der Leibstraße 40/Parkstraße will das bisherige Gebäude abreißen lassen und durch einen Neubau ersetzen. Insgesamt sind auf rund 1.160 Quadratmetern in den oberen Etagen 16 Wohnungen mit einem Einzimmerapartment, acht Zweizimmer- und sechs Dreizimmerwohnungen vorgesehen. Außerdem ist eine Vierzimmerwohnung geplant. Im Erdgeschoss sollen auf rund 280 Quadratmetern Flächen für den Einzelhandel und die Gastronomie entstehen. Davon verspricht sich die Stadt eine zusätzliche Belebung in der Einkaufsstraße. Auch die geplante Höhe des Komplexes füge sich gut ins allgemeine Bild ein. Lediglich die sogenannte Geschossflächenzahl, die das Verhältnis zwischen der gesamten Wohnfläche und der Grundstücksgröße beschreibt, liege beim derzeitigen Entwurf deutlich über dem Wert, den der Rahmenplan für solche Eckgrundstücke vorsieht. Der Bauausschuss muss sich nun mit den Details des Projekts beschäftigen.
Grünes Licht für überarbeitete Zirkularitätsstrategie
Ein großes Stück voran geht es beim Thema Nachhaltigkeit in Haar: Mit einer deutlichen Mehrheit von 28 zu zwei Stimmen stimmte der Stadtrat für die neu gefasste Zirkularitätsstrategie. Sie dient als Leitfaden für die Stadt, verwendete Materialien und Rohstoffe noch besser im Kreislauf zu halten. Die Verwaltung soll nun weitere Ideen der Ratsmitglieder einfügen und die geplanten Maßnahmen Schritt für Schritt umsetzen. Künftig will sich der Stadtrat über die Fortschritte des Zukunftsprojekts regelmäßig ein Bild machen.
Entlastung für Haarer Eigenbetriebe
Nach der offiziellen Feststellung der Jahresabschlüsse der Dienstleistungsgesellschaft Haar (DLH) und der Stadtwerke Haar (SWH) entlastete der Stadtrat die jeweiligen Aufsichtsräte und Geschäftsführungen für ihre Arbeit bei jeweils nur einer Gegenstimme.
Gemeinsam gegen Wetterextreme: Landkreis liefert wichtige Daten
Einen wichtigen Meilenstein markiert das jetzt vorliegende neue, landkreisweite Klimaanpassungskonzept. Der gemeinsam erarbeitete, wissenschaftlich fundierte Wegweiser ist das Ergebnis einer im Jahr 2022 beschlossenen Kooperation mit dem Landkreis München und weiteren Nachbargemeinden. Im Kern sollen sich die Verwaltungen frühzeitig auf stattfindende Wetterextreme vorbereiten und bei künftigen Planungen den Klimaschutz dauerhaft festlegen. Für den Bericht untersuchten Experten vor allem die immer häufiger auftretenden Hitzewellen, sehr langen Trockenperioden und plötzlichen Starkregen und wie sie sich auf den Alltag auswirken. Mit den Erkenntnissen will Haar jetzt ein eigenes, auf die örtlichen Bedürfnisse konzentriertes Klimaanpassungskonzept entwickeln.
Clever: Haar setzt auf Regen- statt Trinkwasser
Um wertvolles Trinkwasser zu sparen, will Haar einen neuen Weg im Umweltschutz gehen und Regenwasser für die Pflege der städtischen Grünanlagen nutzen, und das mit einem simplen, aber hocheffektiven Prinzip. Künftig sollen die Hallendächer des Bauhofs den Regen auffangen und ihn in eine neue, unterirdische Zisterne leiten. Das betrifft jährlich immerhin rund 590 Kubikmeter. Die Bewässerungsfahrzeuge könnten dann von dort das Wasser abzapfen und so etwa ein Drittel des Gießbedarfs decken. Für das Projekt veranschlagt Haar etwa 115.000 Euro, derzeit prüft die Stadt verschiedene Fördermöglichkeiten. Und das soll nicht die einzige Maßnahme bleiben. Nach und nach sollen Zisternen auf städtischen Gebäuden wie Schulen, Kitas, Sportanlagen oder Feuerwehrhäusern entstehen. Langfristig spart das Projekt nicht nur Wasserkosten, sondern auch Treibstoff bei den Gießfahrten durch kürzere Wege und schützt die Grünflächen insbesondere in langen Hitzeperioden. Die Verwaltung soll nun das nötige Geld für den kommenden Haushalt einplanen und den Ausbau des Wassernetzes vorantreiben.
Mit diesem weitreichenden Maßnahmenpaket verabschiedete sich der Stadtrat, der alle Beschlüsse mit einer breiten Mehrheit fällte, in die Sommerferien.
Für Sie berichtete Manuela Praxl.








