Seit Jahren beliebt: Das White Dinner. Dieses Mal rund um die Kirche Maria Sieben Schmerzen im Jugendstilpark
Gourmet-Karawane im Jugendstil-Idyll
Nein − auch wenn die Vermutung nahe liegen mag − es handelt sich nicht um einen massenhaften Aufmarsch heiratswilliger Paare „ganz in Weiß“, die sich rund um die Kirche Maria Sieben Schmerzen im Jugendstilpark sammeln. Vielmehr bildet die 1911 bis 1912 erbaute Jugendstilkirche des Architekten Richard Neithard die romantische Kulisse für das diesjährige „White Dinner“. Für rund 800 Haarern ist unter den Bäumen gedeckt, schnell sind alle Plätze belegt. Vom üppig bestückten Picknick-Trolley mit vielen Köstlichkeiten und randvoll mit Eis bepackten Kühltaschen, die nicht selten Spitzenweine beherbergen, schleppen die Teilnehmer alles mit, was der heimische Kühlschrank und Vorratskeller hergeben. Fortgeschrittene perfektionieren ihre festlich weiß betuchte Tafel mit Bouquets, mehrarmigen Kerzenleuchtern, Etageren, Kelchen, Sektkühlern, Porzellan, echtem Besteck und Anrichteplatten: Voilà! Es ist wieder angerichtet zum Dîner en blanc oder White Dinner.
Lob für die unkomplizierte Festkultu
r Neben bekennenden Freunden des Kulinarik-Events, wie Bürgermeister Andreas Bukowski, findet auch Stadtrat Ulrich Leiner (Grüne) Geschmack am gemeinsamen Essen unter freiem Himmel und verrät: „Ich war heuer zum ersten Mal dabei. Das Wetter und die Organisation waren perfekt. Ich habe es genossen, mit meinen Nachbarn hinzuradeln, zu feiern und mich mit vielen Menschen unterhalten zu können.“ Vor allem den Ort findet Leiner ideal: „Einfach wunderbar. Es zeigt, was für ein tolles neues, auch ökologisch wertvolles Stadtviertel der Jugendstilpark geworden ist.“ Stadträtin Astrid Herrmann (SPD) bevorzugt „eigentlich immer bunt und viel Farbe“, findet aber: „An dem einen Abend leuchtet in Haar jede und jeder in Weiß. Die Leute, denen ich hier begegne, sind freudig und festlich. Super finde ich, dass es nichts kostet, alle sind eingeladen.“ So sei das Angebot zu 100 Prozent niederschwellig und für jeden Geldbeutel machbar: „Es schafft viele Begegnungen, Begeisterung und ist dabei ganz bodenständig.“ Auch für Kulturreferentin Anke Sitter (CSU) ist das White Dinner jedes Jahr „einer der ganz besonderen Termine“, den sie „auf keinen Fall“ verpassen möchte: „Jedes Mal werden liebevoll neue Locations ausgewählt, so entstehen ein einzigartiges Ambiente und eine besondere Atmosphäre. Die ausgelassene Stimmung und die mit viel Herz gestalteten Tische der Organisatorinnen und Besucher machen das Ganze irgendwie magisch.“ Der Abend bringe Menschen zusammen, so Sitter: „Man schlendert von Tisch zu Tisch, kommt ins Gespräch und genießt das besondere Gemeinschaftsgefühl.“
Ah mon dieu! Die bittere Pille für die Franzosen
Pikantes Fun-Fact: Am englischen Begriff „White Dinner“ hat sicher mindestens „tout Paris“, vermutlich aber „La Grande Nation“ im Gesamten schwer zu schlucken. Schließlich ist es Francois Pasquier, der 1988 in der Hauptstadt der Liebe, seine Gesellschaft zum blütenweißen Gemeinschaftsessen im nahe gelegenen Stadtwald Bois de Boulogne bittet. Notgedrungen, denn es sind zu viele Gäste seiner Einladung gefolgt – es ist die Geburtsstunde des Dîner en blanc. Inzwischen treffen sich rund um den Globus Menschen, um in der Gemeinschaft zu genießen und das Leben zu feiern.
Für Sie berichtete Manuela Praxl.














































