Ein Verein und der Dorfwirt feiern gemeinsam
Wenn der Endgegner „Hitze“ mit Temperaturen von über 36 Grad aufwartet, kann das Programm eines Festwochenendes noch so gut sein – mit drangvoller Enge durch Feiernde ist nicht zu rechnen. Dennoch pfeifen rund 600 Gäste auf die Bedingungen. Ganz pragmatisch greifen sie wiederholt zu Deo, Fächern und gut gekühlten Getränken, denn 15 Jahre D´Salmdorfer und das T-Bone Steakhouse sind ein guter Grund, um sich im Feststadl oder zukünftigen Heim von Lowline-Angus-Rindern zu treffen. Den musikalisch- kabarettistischen Auftakt liefert freitags Roland Hefter, einen Abend später gibt die Party-Rockband Scheeomnei Gas, bevor sich die Partymeute am Sonntag gefühlt in aller Herrgottsfrühe zum Hallengottesdienst mit Pater Gabriel und Pfarrer Albert Schamberger einfindet. Dazu spielen d‘Salmdorfer Stubenmusi und der Haberer Zwoagesang zünftig auf. Das geräuschintensive Weckkommando bilden die Böllerschützen Haar, bevor der Trachtenverein d´Ammertaler Ottendichl zum Tanz bittet. Neben Pater Gabriel beweist auch Bürgermeister Andreas Bukowski Taktgefühl, bevor er – inzwischen sehr routiniert – ein Fass ansticht. Den finalen Höhepunkt liefert der Keller Steff mit seiner aberwitzigen Mundart, Bühnenpräsenz und musikalischer
Vielfalt Visionärer Kopf und das Erfolgsgeheimnis geselliger Runden
Die Entstehungsgeschichte des Vereins beginnt 2004 am Salmdorfer Stammtisch, initiiert vom späteren Ehrenmitglied und 2019 verstorbenen Franz Rieder, erzählt der Vereinsvorsitzende Martin Metzger in seiner Festrede: „Er hatte eine besondere Gabe, denn er brachte Menschen zusammen. Er wusste, dass ein Dorf nicht von Häusern lebt, sondern von den Menschen, die darin wohnen.“ Wer einmal erlebt habe, was an bayerischen Stammtischen alles entsteht, wisse: „Die wichtigsten Ideen werden nicht in Vorstandssitzungen geboren, sondern bei einem Bier und einer Brotzeit.“ 2009 entdecken die Stammtisch-Mitglieder in der Haarer Chronik ein anstehendes einzigartiges Ereignis: den 1000. Geburtstag Salmdorfs 2015. Auf die Frage „Wer organisiert die Feier?“, findet das Dorf eine Antwort: „Das machen wir selbst!“ Und wie! 3000 Besucher sind begeistert: „Für unseren kleinen Ort war das ein gewaltiger Erfolg. Salmdorf ist vielleicht klein auf der Landkarte, aber groß im Herzen“, resümiert Metzger.
Höhenflüge abgeblasen: Nachbarschaftshilfe statt Längen-Duell
Bis heute sind alle elf Gründungsmitglieder dem Verein treu: „Das ist in Bayern ungefähr so selten wie eine Mitgliederversammlung ohne Diskussion über die Getränkepreise.“ Aktuell ist fast jeder fünfte Dorfbewohner Mitglied im Verein – insgesamt 122. Metzger plaudert aus dem Vereinsanekdoten- Nähkästchen und erinnert an erste große Ideen, wie einen Maibaum aufzustellen. Das sollte aber nicht irgendeiner sein. „Er sollte exakt 40 Zentimeter höher sein als der in Ottendichl“, meint Metzger schmunzelnd und verrät: „20 Zentimeter wären zu wenig gewesen, ein Meter hätte vermutlich den Dorffrieden gefährdet.“ Nach tiefen Gesprächen und Berechnungen zu reichlich Hopfengetränken, kommt der Verein zur „typisch salmdorferischen Erkenntnis“: „Wir mögen die Ottendichler viel zu gern. Also haben wir bei ihren Maibaumwachen und beim Aufstellen geholfen. Das spart Arbeit, stärkt die Freundschaft und man kann trotzdem feiern.“
Lustige Geschichtsstunde und temporäre Übernahme
Ein Glanzpunkt der jungen Vereinsgeschichte sei die Wiederbelebung der historischen Metzgerwallfahrt 2015, 2022 und 2025. Bereits zur ersten pilgern viele Teilnehmer von München nach Salmdorf, um der Rettung der Pietà zu gedenken, die in der Salmdorfer Wallfahrtskirche Mariä-Himmelfahrt steht. „Sie entstand um 1340 und ist Wahrzeichen unseres Dorfes seit Ende des 15. Jahrhunderts. Ein Kunstwerk von außergewöhnlichem Wert“, erklärt Metzger. Die Pietà symbolisiere Identität und Heimat. Übrigens zählt Salmdorf erst seit 1924 zu Haar. Historisch betrachtet, gehöre Haar zu Salmdorf, verdeutlicht Metzger. „Diese Wahrheit haben wir 2024 am 1. April für einen Tag wieder hergestellt, mit Ortsschild, Banner und der Rückbenennung des Rathauses zur Gemeinde Salmdorf.“ Die anschließende Feier mit Bürgermeister Andreas Bukowski, Pater Gabriel und rund 50 Bürgern zeige, wie viel Humor Kommunalpolitik vertrage, so Metzger.
Flüssiges Friedensabkommen und die Rückkehr des sozialen Mittelpunkts
Geschichte muss nicht trocken sein, lautet ohnehin das Credo im Ort. Ein Beleg sei der berühmte, über 500 Jahre andauernde Bierstreit zwischen Ottendichl und Salmdorf. 2016 vermittelt Pfarrer Albert Schamberger zwischen den „Streithähnen“ Ton van Lier aus Ottendichl und Martin Metzger: „Kein Friedensvertrag der Welt wurde bei einem Fass Bier – angezapft von Pfarrer Schamberger – mit mehr Gelächter unterschrieben“, ist sich Metzger sicher. Da bietet sich das Vereinsjubiläum an, den steten Unterstützer Salmdorfs, Albert Schamberger, als Ehrenmitglied für seinen Einsatz und Engagement auszuzeichnen. Auch Andreas Karg vom T-Bone-Steakhouse darf sich über eine Ehrung freuen. Er führe eine lange Tradition fort, die bis 1834 reicht. „Nach der Schließung des Wirts 1992 fehlte viele Jahre ein Treffpunkt. Seit 15 Jahren hat Salmdorf wieder einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen“, würdigt Metzger den „Dorfwirt“.
Wo das Wir-Gefühl wohnt
„Ein Dorf besteht aus Menschen, die füreinander da sind“, sagt Metzger. „Genau das können wir in Salmdorf besonders gut. Denn wir sind ein Ort mit Geschichte, mit Herz und außergewöhnlichem Zusammenhalt.“ Genauso sei ein Verein mehr als Satzungen, Protokolle oder Mitgliedslisten, stellt Metzger fest: „Ein Verein besteht aus Menschen, die Verantwortung übernehmen, anpacken, helfen, organisieren, auf- und abbauen und die manchmal sogar beides am selben Tag machen. Deshalb möchte ich zum Abschluss Danke sagen.“
Für Sie berichtete Manuela Praxl.




































































































































































