Zwischen Liebe und Erschöpfung: Der Pflegealltag von Angehörigen

Kategorie: Vereine

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Auftanken in geselliger Runde: Die kurze Unterbrechung vom Pflegealltag mit ähnlich Betroffenen wertschätzen die Besucher des Angebots sehr.

… und zwischendurch eine „Mini-ME-Time“

Hannelore steht in der Haustür und starrt auf den Schlüssel in ihrer Hand. Sie will wieder in ihre Wohnung. Sie weiß genau, wie sie aufschließen muss, schließlich hat sie es bereits unzählige Male in ihrem 76 Jahre währenden Leben getan. Doch an diesem Freitagnachmittag blickt sie mit aufkommender Panik die Frau neben sich an und fragt verstört: „Wer sind sie? Was mache ich hier?“ Neben ihr steht Angelika, ihre Tochter. Obwohl sie die Krankheit ihrer Mutter kennt, schmerzen sie diese Augenblicke, wenn ihre Mutter die Existenz ihres eigenen Kindes vergisst. Demenz ist eine sehr hinterhältige und leise Diebin: nach und nach stiehlt sie das Leben eines Menschen.

Seelische Belastung: Der schleichende Abschied von einem geliebten Menschen
Angelika pflegt ihre Mutter. Rund um die Uhr steht sie für „Mama“ bereit und kümmert sich um sie. Ihr Alltag hat sich seit dem Fortschreiten der Erkrankung ihrer Mutter um 180 Grad verändert. Dabei geht es nicht nur um die ständige Planung oder die dauerhafte körperliche Zusatzbelastung, die durch einkaufen, putzen oder Ordnung halten in einem zweiten Haushalt entstehen. Pflegende Angehörige müssen vor allem mit der Persönlichkeitsveränderung eines geliebten Menschen umgehen, der zunehmend alles um sich herum vergisst und Dinge nicht mehr kann. Viele Demenzerkrankte sind plötzlich orientierungs- und damit hilflos, vorübergehend nicht auffindbar, andere vergessen die Herdplatte auszustellen. Für die Angehörigen ist es ein steter Kampf die Balance zwischen zehrender Pflichterfüllung, tiefer Liebe und schmerzhafter Trauer zu halten und dabei selbst nicht zu isolieren. Denn das eigene Leben bleibt oft auf der Strecke. Angelikas und Hannelores Schicksal stehen stellvertretend für Millionen Menschen, die ihre Angehörigen, darunter zählen nicht nur Demenzerkrankte, pflegen und täglich den Spagat zwischen Aufopferung und Selbstaufgabe meistern müssen.

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Kleine Auszeit, große Wirkung
Da tut es „einfach gut“ zwischendurch abschalten zu können, weiß die Pflegedienstleiterin der Nachbarschaftshilfe Haar, Brigitte Konnerth. „Es ist ja nur ganz kurz, mehr ist für die meisten nicht möglich, trotzdem hilft es ihnen für den Alltag.“ Konnerth leitet eine Gruppe für Angehörige. Unter dem Dachgeschoss der Geschäftsstelle der Nachbarschaftshilfe treffen sich die pflegenden Angehörige in gemütlicher Atmosphäre und tauschen sich ungezwungen aus: „Es ist von uns ein offenes Angebot. Es findet regelmäßig statt. Der Vorteil der Angehörigen ist, dass sie nichts erklären müssen. Bei uns ist jeder herzlich eingeladen dazuzukommen.“ Bei Kaffee und Kuchen gestalten sich die Gespräche lebhaft. Manche erfahren Wichtiges für den Umgang mit bürokratischen Hindernissen oder gesetzliche Änderungen, andere erzählen sich Anekdoten, die zwischen nett und aufregend rangieren, wieder andere tauschen einfach ein Küchenrezept aus. „Wir lachen hier auch viel gemeinsam“, sagt Konnerth: „Diese Minipausen sind für viele so wichtig für die Angehörigen, um zu wissen, dass sie nicht allein sind. Zuerst dachten wir ein Programm erstellen zu müssen. Das ist überflüssig. Hier können die Angehörigen ein wenig rasten und Kraft schöpfen. Sie sind umgeben von Menschen, die nachfühlen können. Es geht einfach darum, selbst sein zu dürfen.“ Ganz offenbar nehmen die Anwesenden das Angebot an: „Es ist schön, ohne Stress einen Kaffee mit einem Stück Kuchen genießen und dabei plaudern zu können.“

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Sie sind herzlich willkommen! Die pflegenden Angehörigen treffen
sich jeden zweiten Mittwoch eines jeden Monats von 15 bis 17 Uhr,
Dachgeschoss der Geschäftsstelle der Nachbarschaftshilfe, Kirchenstraße, Haar.

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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