Donum Vitae in Haar

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v.l.n.r.: „beraten – schützen – weiter helfen“, Claudia Nasahl und Brigitte Henrici in der staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen DONUM VITAE mit der Bevollmächtigten Ulrike Holtappel. Foto: Angela Boschert.

Geschützter Raum für mutige Entscheidungen

Objektiv betrachtet, gibt es wohl selten den „perfekten“ Zeitpunkt für ein Kind. Aus medizinischer Sicht gilt das Alter zwischen 20 und 30 Jahren ideal. Das kollidiert oft mit den Lebensumständen, weil viele Frauen sich in ihrem fruchtbarsten Jahrzehnt noch in der Aus- oder Weiterbildung befinden oder sie sich generell noch nicht dazu bereit fühlen, ein Kind versorgen zu müssen. Die Nachricht einer ungeplanten Schwangerschaft löst dann eher Fragen auf und Ängste aus statt Freude. Einige stehen unter Schock, andere können und wollen nicht mit einer vertrauten Person sprechen. Hier setzt in Haar Donum Vitae an. Die Beratungsstelle gilt seit Jahren als Anlaufstelle und sicherer Hafen für Frauen, um Existenzsorgen, finanzielle Nöte und ihren emotionalen Ausnahmezustand mit dem Experten-Team besprechen und so ihr Leben neu ordnen und tragfähig planen zu können. Dabei ziehen die erfahrenen Mitarbeiterinnen sämtliche denkbare Optionen in Betracht. Das Spektrum der Beratung reicht von Klärung finanzieller Möglichkeiten und Rechte wie Mutterschaftsgeld, Elterngeld und Informationen zu Unterstützungsangeboten wie die Landesstiftung „Hilfe für Mutter und Kind“, die Marianne-Strauß-Stiftung und Soforthilfen aus zweckgebundenen Spenden bis hin zur Hilfestellungen beim Ausfüllen von Anträgen anderer Leistungsträger, Vermittlung von Hebammen, Krankenhäusern, Fragestellungen zur Pränataldiagnostik und das Erarbeiten eigener Ressourcen und Empowerment.

Maßarbeit für die Seele
Das Augenmerk der spezialisierten Sozialpädagoginnen unter Leiterin Brigitte Henrici richtet sich zu hundert Prozent auf den einzelnen Menschen. Dabei strebt das Team individuelle Lösungen an, denn die Bedürfnisse der Ratsuchenden sind so unterschiedlich wie die Frauen selbst: Manche benötigen vor allem Zeit, um sich auf ihre neue Rolle als Schwangere und künftige Mutter einlassen zu können, andere sind sich nicht sicher, wie sie künftig ihren Alltag organisieren können und suchen praktische Hilfe. Es sei das erklärte Ziel der Beratung für die Frauen einen Weg zu finden und sie in ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, damit sie langfristig gut leben können. Wichtig sei dabei die Frauen anzuregen, ihren Blickwinkel zu verändern. Oft sei die Beratungsstelle der einzige Ort, an dem eine betroffene Frau frei und unvoreingenommen sprechen könne. Welchen Weg sie schlussendlich gehen möchte, entscheide aber immer die Frau selbst und eigenverantwortlich, mit oder ohne Kind. Durch die strikte Schweigepflicht entstehe ein geschützter Raum, der die Hilfesuchenden entlaste. Letztlich bleibe das Donum Vitae-Team von der Schwangerschaft bis zum dritten Geburtstag eines Kindes an der Seite der Familien und bietet sich auch Eltern an, die mit einer Fehl- oder Totgeburt zurechtkommen müssen. Erhöhter Redebedarf besteht auch seit dem Wegfall des bayerischen Familien- und Krippengeldes. Über zwei Jahre bis zu 6.000 Euro weniger verschärft die finanzielle Lage von Familien, insbesondere von Alleinerziehenden, deutlich.

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Zwischen Anonymität und Sehnsucht
Für schwangere Frauen, die sich in außerordentlichen, kritischen Lebenslagen befinden und anonym gebären wollen oder es sogar müssen, bietet der Gesetzgeber in Deutschland seit 2014 die Möglichkeit der vertraulichen Geburt. Seither können Frauen anonym, also ohne ihre Identität preisgeben zu müssen, ihr Kind in einer medizinisch sicheren Umgebung zur Welt zu bringen. Der wichtigste Aspekt: während des Prozesses begleitet das professionelle Team einer Schwangerschaftsberatungsstelle die Schwangere – so auch in Haar. Das komplexe Verfahren stützt sich auf die enge Zusammenarbeit mit Kliniken und Jugendämtern. Für das Jahr 2025 verzeichnet Donum Vitae in Haar keine Beratungen. Ein weiterer bedeutsamer Pfeiler stelle die psychosoziale Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch dar. Trauer, Stress und Versagensängste können Frauen und Paare massiv beeinträchtigen, dazu kommen die körperlichen Strapazen durch Hormonbehandlungen oder die In-vitro-Fertilisation, fehlendes Verständnis oder die Stigmatisierung des sozialen Umfelds, obendrein belasten die Maßnahmen den Geldbeutel enorm. Auch hier bietet Donum Vitae die psychosoziale Begleitung an. Im vergangenen Jahr lassen sich 20 Frauen beziehungsweise Paare dazu bei Donum Vitae beraten.

Ein Jahr in Zahlen
Wie wichtig die Arbeit ist, belegt die neueste Statistik. Insgesamt nehmen 608 Ratsuchende das Angebot wahr, darunter 354 einzelne Frauen, 34 einzelne Männer und 110 Paare. Davon kommen 178 zur allgemeinen und 128 zur Konfliktberatung (2024: 130). Auffällig stark stellt sich der Rückgang der allgemeinen Schwangerschaftsberatung im Vergleich zum Vorjahr 2024 (223) mit 21 Prozent dar, während die Anzahl der Schwangerschaftskonfliktberatung nahezu gleichbleibt. Rund ein Drittel der Frauen nehmen das Angebot gleich mehrfach wahr. Dabei bevorzugt der größte Teil der Ratsuchenden (416) ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht, deutlich weniger lassen sich per Video (11), Telefon (43) oder E-Mail (28) beraten. Insgesamt allerdings nehmen die nicht in Präsenz erfolgten Beratungen wieder deutlich ab. 2025 sind es nur noch 82 gegenüber 128 im Jahr 2024. Deutlich mehr Frauen (143) setzen auf die nachgeburtliche Beratung als im vorhergehenden Jahr (117), das entspricht einer Steigerung von etwa 22 Prozent. Besonders erfolgreich ist das sexualpädagogische Angebot. Im Vergleich zu 2024 verdoppelt sich die Schulworkshops (29) und erreicht 699 Schüler und Schülerinnen.

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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