Rock ´n´ Roll im Rinder-Reich
Noch kommt die Innenausstattung der Halle ein wenig dürftig daher. Hier ein Stapel Paletten, dort ein paar landwirtschaftliche Geräte. Doch wo künftig Stroh rascheln und die eine Kuh die andere mit einem freundlichen „Muh“ begrüßen soll, stehen Ende Juni jede Menge Biergartentische und eine Bühne für eine tierisch große Partysause: „D´Salmdorfer haben ihr 15-jähriges Jubiläum, genauso lang gibt es das T-Bone Steakhouse Salmdorf. Das ist für uns Grund genug zusammen groß zu feiern“, erklärt der Vereinsvorsitzende und 3. Bürgermeister Martin Metzger in Gerhart Kargs nagelneuen Kuhstall. Derweil chillt, noch in Sichtweite, hinter dem Luxus-Domizil auf der Weide dessen Lowline Angus Rinderherde: 14 Mutterkühe, dazu Kälber und Papa Stier. „Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe eine Wahnsinnsverbindung zu diesen Tieren“, schwärmt Metzger: „Ich finde es einfach superschön, wenn es hier in Salmdorf einen Bauern gibt, der wieder Vieh hat.“
Klein und oho von Down-Under
Im Vergleich zu den sonst üblichen Rinderrassen in Bayern, kommt ein Lowline Angus – der Name verrät es bereits – deutlich zierlicher daher. Es erreicht lediglich eine Hüfthöhe von etwas mehr als einem Meter und glänzt mit Charaktereigenschaften wie klassisches Understatement. Im Gegensatz zum häufig sturen und zickigen Temperament der bayerisch-stämmigen Verwandtschaft, bleibt die ursprünglich aus Australien stammende gelassen, auch wenn Karg inmitten der Herde einem Kälbchen die Flasche gibt. Außerdem gelten die Lowline Angus als besonders robust und pflegeleicht, ihre Fleischqualität genießt besten Ruf. Der neue Stall ist vor allem für die kalte Jahreszeit vorgesehen: „Da kann das Wasser nicht einfrieren, weil dort ein beheizter Trog ist“, erklärt Karg. Die Weide leide erheblich durch ständiges Einfrieren und Auftauen. „Wenn die Rinder, die zwischen 400 und 500 Kilo wiegen, sich dann auf der Weide aufhalten, kann ich sie nach einem Winter vergessen. Das können wir jetzt mit dem neuen Stall verhindern, das erleichtert unsere Arbeit erheblich.“
Salut-Schüsse statt Schäfchenzählen
Zuvor aber wollen es die „Jubilare“ ordentlich krachen lassen und machen aus dem Vieh-Stall ein Party-Stadl. Das kulinarische Angebot übernimmt Karg und sein Team – auch Vegetarisches. Zum Auftakt startet Roland Hefter mit seinem Musikkabarett, um mit jeder Menge Münchner Charme und bayerischer Mundart das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Einen Tag später greift die Rock-Kultband Scheeomnei ins Festhallen- Geschehen mit ein. Der Festsonntag bietet Gelegenheit zur Regeneration und inneren Einkehr beim Gottesdienst und zünftigen Klängen der Salmdorfer Stubnmusi und dem Haberer Zwoagesang. Für die, die einen extra Weckruf brauchen, stehen die Haarer Böllerschützen zur Stelle, D`Ammertaler tanzen, die Feuerwehr bietet Rundfahrten und Wasserspritzen, bevor schließlich der Keller Steff das Festwochenende abschließt. „Ich denke, dass für alle etwas dabei ist, wir freuen uns auf alle, die kommen“, so Metzger.
Übrigens: „From Nose to Tail“
In Deutschland gehört Karg zu den ganz wenigen Züchtern der Rasse: „Der größte sitzt in Nordrhein-Westfalen und ich weiß von einem weiteren in Bayern“, sagt der Karg, während ein Kalb an der Flasche saugt. Die Tiere sollen sich wohlfühlen, vor allem will der Züchter jeglichen Stress für die Tiere vermeiden. Daher setzt er auf Weideschlachtung: „Alles soll so schonend wie möglich passieren, ohne Transportwege. Einge Wochen vor der Schlachtung gewöhnen wir die Tiere langsam eine kleine Einzäunung und fixieren sie etwa eine Woche vorher jeden Tag etwas länger.“ Das Vorgehen vermeide Unruhe. Erst anschließend kommen die Tiere zum Metzger, der sie fachgerecht zerlegt: „Wir achten auf Ganztierverwertung, nichts kommt weg. Die Haut bekommt beispielsweise traditionell der Metzger.“
Für Sie berichtete Manuela Praxl.



























