Circular City Haar

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Ein Gebäude, das den Kreislauf schließt

Was passiert eigentlich mit einem alten Autoreifen, wenn er ausgedient hat? In Haar wird daraus ein neues Gebäude. Mit dem Neubau ihres Müll- und Gerätehauses zeigt die Stadt Haar, wie Kreislaufwirtschaft ganz praktisch funktioniert: Aus Abfall wird ein wertvoller Baustoff – und aus einem Zweckbau ein echtes Vorzeigeprojekt für zir-kuläres Bauen.

Warum Zirkularität?
Ein Kreislauf ist erst dann wirklich geschlossen, wenn ein vermeintlicher Abfall wieder zu einem hochwertigen Material wird – und zwar ohne den energiehungrigen Umweg über das Einschmelzen und Neuformen. Genau das gelingt beim neuen Müll- und Gerätehaus der Stadt Haar. Der Ort dafür ist bewusst gewählt. Wo täglich Wertstoffe gesammelt, getrennt und zurück in den Kreislauf gebracht werden, sollte auch das Gebäude selbst diesem Prinzip folgen. So wird das Müll- und Gerätehaus zum sichtbaren Beweis: Kreislaufwirtschaft im kommunalen Bau ist keine Zukunftsmusik, sondern schon heute machbar. Der zentrale Baustoff des Projekts ist ein besonderer Beton. Statt der üblichen Stahl-matten und Bewehrungsstähle stecken in ihm hochfeste Stahlfasern – sogenannte Xfibres. Und diese Fasern haben eine spannende Geschichte hinter sich: Sie stammen zu 100 % aus alten Autoreifen.

Vom Altreifen zum Baustoff
In jedem Autoreifen steckt hochwertiger Stahl. Bisher wurde er aufwändig eingeschmolzen oder landete gleich in der Verbrennung. In Haar geht man einen anderen Weg: Der Stahl wird mechanisch aus dem Gummi gelöst, gereinigt und direkt dem frischen Beton beigemischt. Kein Einschmelzen, kein neuer Stahl aus dem Hochofen – der Materialkreislauf wird komplett geschlossen. Im fertigen Beton übernehmen die feinen Fasern dann eine wichtige Aufgabe: Sie verteilen die Lasten, halten das Bauteil stabil und verhindern, dass Risse entstehen.

Was das für Umwelt und Klima bedeutet
Aus Abfall wird Wertstoff: Allein in Europa fallen jedes Jahr über 350 Millionen Altreifen an. Statt sie zu entsorgen, wird ihr Stahl hier zu einem tragenden Bauteil – mit einem Recyclinganteil von über 99 %.
• Gut fürs Klima: Jede Tonne dieser recycelten Fasern spart rund 2 Tonnen CO₂ im Vergleich zu neu hergestelltem Bewehrungsstahl. Unterm Strich vermeidet das Material mehr Emissionen, als bei Herstellung und Transport entstehen.
• Weniger Umweltbelastung:
Werden Altreifen deponiert oder verbrannt, gelangen Schadstoffe in Böden und Grundwasser. All das wird vermieden, wenn der Stahl im Beton weiterlebt – Schadstoffe aus den Reifen bleiben sicher gebunden.

Zwei weitere Bausteine für mehr Nachhaltigkeit
Neben dem Kreislaufgedanken ergänzen zwei weitere nachhaltige Bauweisen das Gebäude: Ein Teil des Gebäudes ist eine Holzkonstruktion aus nachwachsenden Rohstoffen – gefertigt von einem regionalen Holzbaubetrieb aus dem Landkreis München. Holz speichert Kohlenstoff über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes und lässt sich am Ende problemlos wiederverwenden. Die begrünte Dachfläche kühlt das Umfeld an heißen Tagen, hält Regenwasser zurück, bietet Insekten und Vögeln einen Lebensraum und schützt zugleich das Dach.

Ein Projekt mit Partner aus Haar
Umgesetzt wurde das Vorzeigeprojekt gemeinsam mit der IBCOL Group, einem familiengeführten Unternehmen in dritter Generation, das seit 1974 tief in Haar verwurzelt ist und sich unter anderem auf das Thema Urban Mining, also die Rückgewinnung von Rohstoffen, spezialisiert hat. Dass ein solches Zukunftsprojekt mit einem Partner direkt aus der Gemeinde entsteht, unterstreicht den Gedanken der regionalen Wertschöpfung. Ein Modell für die Stadt der Zukunft Mit „Circular City Haar“ zeigt die Stadt, wie Kreislaufwirtschaft im öffentlichen Bau ganz konkret aussehen kann. Das Müll- und Gerätehaus ist mehr als ein Zweckbau – es ist ein sichtbares Bekenntnis: Ressourcen gehören in den Kreislauf, nicht auf die Deponie. Was hier im Kleinen gelingt, kann Vorbild für eine ressourcenschonende Stadtentwicklung sein. Mit dem Bau des neuen Jugendzentrums Dino sind die nächsten Schritte in Richtung Zirkularität bereits gesetzt.

Termin: Donnerstag, 30.07.2026, 17 bis 18 Uhr
Ort: Neues Müll- und Gerätehaus, Friedrich-Ebert-Straße 14 (Höhe Zufahrt Mittel-schule an der St.-Konrad-Schule)

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