Gemeinsames Gedenken

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MdL Julika Sandt (4. v.r.), Bezirksrat Peter Münster (2. v.r.) und Gemeinderat Dr. Peter Siemsen (5. v.r.) gedachten mit Vertretern des Behindertenverbandes Bayern und des Isar-Amper-Klinikums Haar den von 1940 bis 1945 getöteten Insassen der damaligen Anstalt.

Kranz für Euthanasieopfer in Haar am Holocaust-Gedenktag

Es ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Klinikums in Haar: „Rassenhygiene“, die zwischen 1940 und 1945 unheilbar Erkrankte und Menschen mit Behinderungen, als lebensunwerte „Ballastexistenzen“ ohne „volkswirtschaftlichen Nutzen“ trennt und sie in Folge erbarmungslos ermordet. Vor 82 Jahren am 18. Januar 1940 deportieren Nazischergen die ersten 25 Männer nach Grafeneck. Nur wenige Stunden später sind alle tot, die systematische Ermordung unschuldiger Opfer beginnt. Am internationalen Holocoust-Gedenktag treffen sich Patricia Koller vom Behindertenverband Bayern e.V., Vertreter des Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland (ABiD), Franz Podechtl, Geschäftsführer des kbo-Klinikums, der ärztliche Direktor Peter Brieger mit Vertretern der Landes-, Bezirks- und Gemeindepolitik in einer stillen Feier für Opfer der schrecklichen Euthanasie-Verbrechen in Haar auf dem Gelände des Klinikums.

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Unvorstellbare Grausamkeiten

„Die Nazis haben neben den Juden, Sinti und Roma auch Randgruppen verfolgt. Nach den Zwangssterilisationen haben sie massenhaft Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen ermordet. Auch Kinder. Weitgehend unbemerkt von der Bevölkerung, sammelte man Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen ein und ermordete sie massenweise in so genannten „Heilanstalten“, während man nach außen hin den schönen Schein wahrte und eine extra Verwaltung damit beschäftigte, heuchlerische Beileidsschreiben an die Verbliebenen zu verfassen, die gefälschte Todesursachen enthielten“, so Patricia Koller. „Unser aktueller gesellschaftlicher Diskurs zeigt, wie wichtig es ist, die unbequemen Tatsachen auszusprechen”, betont Julika Sandt, stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag. Ausgrenzung und Menschenverachtung dürfen keinen Raum haben: „Weder auf der Straße noch in den sozialen Medien darf man zulassen, dass Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen Opfer von Hass und Gewalt werden. Der geschichtliche Rückblick auf das Ausmaß und den Zynismus der Euthanasie-Aktionen fordert zu Demut auf.“

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Als sei nichts passiert

Hermann Pfannmüller, damaliger Anstaltsleiter der Psychiatrie, führt als überzeugter Nazi medizinische Versuche an den Opfern durch und treibt die Ermordung aktiv voran. Nach dem Ende des Krieges muss Pfannmüller 1949 lediglich für sechs Jahre ins Gefängnis. 1951 geht er in Berufung, und kommt nach insgesamt fünf Jahren frei, ohne Entzug des Doktortitels oder Berufsverbot. Rund 300.000 Menschen mit psychischen Krankheiten oder Behinderungen sterben gewaltsam unter dem Nazi-Regime in Europa. Mehrere tausend kommen von der „Heilanstalt in Eglfing-Haar“ in Tötungsfabriken, viele sterben direkt in Haar durch die Giftspritze und Hungern. Die Verantwortlichen verbüßen, wie Pfannmüller, höchstens niedrige Haftstrafen, meistens aber bleiben sie frei und können unbehelligt weiterarbeiten.

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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