Ausbildungsmesse lockt über 500 Jugendliche

Kategorie: Schulen

Jetzt teilen:

v.l.n.r: Das kbo Isar-Amper-Klinikum sucht das Gespräch: Martina Borst, Leiterin für Recruiting, Ramona Ranner, Fachkrankenschwester für Psychiatrie, Johannes Thalmeier, stellvertretender Pflegedirektor.

56 Betriebe und Unternehmen werben in Neubiberg um Azubis

Was mache ich nach der Schule? Es ist eine Frage, die sich viele Schüler ab der achten Klasse stellen. Schule weitermachen oder eine Ausbildung und wenn Lehre, dann welche? Eltern können an dieser Stelle häufig nicht weiterhelfen. Die Berufswelt ändert sich stetig, auch der Satz „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ trifft heute ausdrücklich und glücklicherweise nicht mehr zu. Der grundlegende Wandel auf dem Arbeitsmarkt stellt Betriebe und Unternehmen vor die Herausforderung Nachwuchs zu finden. Jugendliche müssen sich nicht mehr bei vielen Firmen bewerben, umgekehrt können die schon längst nicht mehr aus einem Pool unzähliger Bewerber schöpfen. Vielmehr müssen sich Arbeitgeber um die potenziellen Fachkräfte von morgen bemühen und sich einiges einfallen lassen, um die hartumkämpften Schulabgänger für sich gewinnen zu können.

Es geht um Austausch
Ein probates Mittel potenzielle Auszubildende und Arbeitgeber zusammenzubringen sind Ausbildungsmessen wie in Neubiberg. In der Aula und in einigen Klassenzimmern der Realschule informieren sich Schüler bei 56 Ausstellern über Büroberufe in (kommunaler) Verwaltung und Dienstleistungsbereichen, Handwerk und Hochtechnologie bis hin zur Gastronomie, Versicherungen und Kliniken. Bene geht in die 9. Klasse und will sich für seine Zukunft wappnen und Ideen sammeln: „Ich will wissen, was Sache ist, damit ich nicht komplett ahnungslos bin. Auch für den Fall, dass ich eine Ausbildung mache und feststelle, es gefällt mir doch nicht.“ Nach seinem Rundgang und vielen Gesprächen tendiere er „in Richtung“ Bahn oder Berufsfeuerwehr: „Aber eine Karriere bei einem Lebensmittelhersteller oder als Zimmerer wäre auch denkbar.“

Vor wenigen Jahren gleiche Fragen
Eine, die Fragen der Neugierigen beantwortet, ist die Auszubildende Barbara. Die 18-Jährige ehemalige Absolventin der Realschule, steht für die Kull und Weinzierl GmbH am Stand und spricht mit vielen Interessenten: „Ich war hier selbst auf der Ausbildungsmesse, habe dadurch mein Praktikum und so meine Ausbildungsstelle gefunden. Für mich war das die optimale Orientierungshilfe. Es ist einfach schön hier Ansprechpartner zu haben, die sich Zeit nehmen und den Beruf genauer darstellen. Als Schüler bist du ja total überfordert und weißt gar nicht, wo du anfangen kannst.“

Der wachsende Erfolg von Ausbildungsmessen
„Wir beobachten seit ein paar Jahren die Wirksamkeit von Messen an den Schulen“, stellt Johannes Thalmeier, stellvertretender Pflegedirektor des kbo Isar-Amper-Klinikums, fest: „Wir haben immer wieder Schüler an unseren Ständen, die wir später im Praktikum oder an der Berufsfachschule wiedersehen.“ Auch Martina Borst, Leiterin für Recruiting im kbo-Isar-Amper-Klinikum, sieht den Vorteil dieser Messen: „Viele Schüler der achten Klassen kommen und fragen nach Praktikumsplätzen. Bei den Neuntklässlern geht es um Ausbildungsplätze und die FOSler informieren sich zu Studienmöglichkeiten. Wir führen wahnsinnig viele Gespräche und versuchen Antworten zu geben, gerade im stigmatisierten Bereich Psychiatrie ist das sehr wichtig.“ Das zahle sich aus, sagt Thalmeier: „Bis vor drei Jahren mussten wir „Mann und Maus“ nehmen. Heute können wir wieder ein wenig danach schauen, für wen das herausfordernde Berufsfeld geeignet ist. Dazu kommt das gesteigerte Interesse an sozialen Berufen, wenn die wirtschaftliche Lage eher kritisch ist. Die Zahlen der Bewerber sind in den letzten 1,5 Jahren massiv gestiegen.“

Werbung

Handwerk hat (wieder) goldenen Boden
Obwohl sich der Beruf des Zimmerers nach wie vor großer Beliebtheit erfreut, wirbt Benedikt Winkler von der Holzbau B. Winkler GmbH mit seinem Team im Namen der Zimmerer-Innung für das traditionelle Handwerk: „Wir befinden uns auf der Insel der Glückseligen, was die Ausbildung betrifft, uns geht’s gut. Aber es ist auch endlich und daher bleiben wir am Ball, um Nachwuchs zu generieren.“ So erfahren die Schüler von den vielen Einsatzmöglichkeiten eines Zimmerers unter anderem wegen der „Highlights wie den Erwerb eines Kran- oder Staplerführerscheins“ und einer wichtigen Tatsache: „Zimmerei ist definitiv auch für Mädels geeignet. Die machen das, was sie vielleicht körperlich wegen fehlender Muskelkraft nicht leisten können, locker mit dem Kopf wett“, so Winkler.

Optimale Orientierungshilfe
Ramona Ranner, Fachkrankenschwester für Psychiatrie und als zentrale Praxisanleiterin für die praktische Ausbildung der Auszubildenden auf den Stationen im kbo verantwortlich, äußert sich begeistert über das Konzept: „Die Messe ist eine sehr gelungene Veranstaltung mit einer tollen Atmosphäre. Einige Schüler, die bereits im letzten Jahr bei uns waren, wollten sich noch intensiver mit dem Thema Pflege auseinandersetzen.“ Jessica Schwanbeck Employer Branding & Recruiting Manager bei Kull und Weinzierl GmbH und Ausbildungsbeauftragte bewertet den Erfolg der Messe ähnlich: „Ich erlebe einen gewissen Trend. Immer mehr junge Leute wollen erst einmal eine Ausbildung machen, um etwas Handfestes zu haben. Hier haben sie ein sehr niedrigschwelliges Angebot. Die Schüler kennen das Umfeld, müssen sich nicht irgendwo hinschleppen.“ Kollegin Hanna Meis, duale Studentin im Tourismusmanagement, stimmt zu: „Viele sind ganz selbstbewusst und plappern einfach los, aber es gibt auch die, die den Schubs ihrer Eltern benötigen.“

Eltern mit an Bord
Es ist ein Punkt, den kbo-Recruiterin Borst unterstreicht: „Eltern sind generell ganz wichtig. Sie schieben an, wenn es um die Zukunft des Kindes geht. Ich finde es gut, wenn sie dabei sind, solange es für die Schüler in Ordnung ist.“ Anna M., Mutter einer 17-Jährigen, die kurz vor dem Quali steht, bestätigt: „Meine Tochter interessiert sich für Automobilkauffrau, vielleicht will sie aber noch den M-Zweig machen. Es ist gut, wenn sie sich hier informieren kann.“ Ihre ältere Tochter habe durch die Messe eine Entscheidung treffen können. „Sie wollte eigentlich nach dem Quali aufhören. Dann hat sie hier von Berufen erfahren, die einen mittleren Abschluss voraussetzen. Sie hat mit der Schule weitergemacht und ist jetzt in der Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten.“

Werbung

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

Jetzt teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Schulen

6.000 Euro für „Sport nach 1“

Schulen

Japanische Gäste zu Besuch in Haar und München

Schulen

Aufregend: Der Start in den Ernst des Lebens

Schulen

Schulcampus mit Realschule und FOS auf den Weg gebracht

Neueste Meldungen:

Familie & Soziales

Parkour, Street Dance, Vertikaltuch, Zauberei und mehr in den Pfingstferien

Parteien

Neuer Vorstand der Grünen in Haar gewählt

Werbung

Haarer-Echo-Nachrichten-und-Aktuelles-aus-Haar-Gronsdorf-Salmdorf-Ottendichl-Online-Werbung

Ihre Online-Werbung auf haarer-stadt-echo.de

weitere Infos