Baseball in Haar: Spitzensport mit Familienpicknick

Kategorie: Sport

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Die Baseballer der Haar Disciples freuen sich auf neue Mitspieler

Leistungssport braucht Unterstützung

Dumpfe Schläge peitschen unregelmäßig durch die Nacht. Es ist nicht schwer, die Trainingshalle der Disciples am Ortsrand von Vaterstetten zu finden. Innen ist die Situation durch die vielen Netze, in der Fachsprache „Cages“, auf den ersten Blick unübersichtlich. Die Notwendigkeit erschließt sich aber spätestens, wenn der Pitcher (Werfer) den kleinen Ball mit allerfeinster technischer Finesse zur so genannten Home Base schleudert und der wartende Batter (Schlagmann) mit aller Wucht zurückschlägt. Die Disciples, der Haarer Baseballverein, findet in der Halle bei den Nachbarn die dringend notwendigen Trainingsbedingungen vor. „Der Vorteil ist, dass wir hier die Cages stehen lassen können, das spart enorm Zeit. Bisher mussten wir auch bei Minusgraden draußen schlagen, dort hatten wir zwei, beziehungsweise im Winter einen, Cages, die wir jedes Mal auf- und abbauen mussten. Und wir konnten nicht mit harten Bällen schlagen, jetzt können wir viel gezielter arbeiten“, schildert Simon Lechner, Sportdirektor für Breitensport und zuständig für das operative Geschäft, die Lage. Wer Spitzensport leisten und in der Bundesliga ganz oben mitmischen will, wie die Disciples bereits seit Jahren, braucht intensive Übungseinheiten unter Realbedingungen: „Aktuell hilft uns die Halle sehr, wie das dann in Zukunft aussieht, wissen wir nicht. Wir sind froh, dass wir hier harte Bälle schlagen können und das Training nicht wegen schlechter Wetterbedingungen ausfällt. Rein sportlich betrachtet, ist das ein Fortschritt und wir hoffen für alle Teams, dass uns das hier für die anstehende Saison hilft“, erklärt Lechner.

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Disciples – seit dreißig Jahren in Haar

Während im Mutterland USA Baseball schon die Allerkleinsten kennen und der Sport weltweit rund 500 Millionen Anhänger zählt, führt das spannende Spiel um Werfen, Schlagen, Fangen und Laufen in Deutschland immer noch ein recht stiefmütterliches Dasein. „Es lässt sich nicht einfach erklären: wir sind bereits seit 1990 im Zentrum von Haar und es finden jedes Wochenende bei uns Spiele statt. Ich denke, es ist der fehlende Zugang zu dieser Sportart“, stellt Tom Wolf, Vorstand Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit nüchtern fest. „Es ist kein in Haar isoliertes Problem. Fußball dominiert, er saugt jegliche Aufmerksamkeit von allen anderen Sportarten und auch einen Großteil von Zuwendungen, egal in welcher Form, weg“, fügt Jo Penzkofer, ehemaliger Vorstand und Berater des Vereins, hinzu. Auch Bürgermeister Andreas Bukowski weiß um das Schattendasein der so erfolgreichen Disciples: „Es ist wirklich ein toller Verein, der in einer Nische gegründet wurde. Leider ist Baseball noch nicht so ein Begriff. Umso schöner ist es, zu sehen, dass sich mit ehrenamtlichem Engagement so erfolgreich etwas bewegen lässt.“

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Spielfeld top – Drumherum flop

Haar verfüge über eines der besten Baseball-Felder in Deutschland, so Tom Wolf. Das sei in der Tat wirklich herausragend, insbesondere die Rasenqualität, für die der Sportpark sorgt, meint auch Jo Penzkofer. Außerhalb des Spielfeldes allerdings sieht es ganz anders aus – die Basis-Infrastruktur fehlt komplett. Es gibt weder Warmwasser am Feld noch Toiletten: „Wasser müssen wir mit Kocher heiß machen. Jeder A-Klassist im Fußball wird uns auslachen“, schildert Penzkofer einen Umstand, der unglaublich scheint. „Das darf man eigentlich nicht laut sagen, Spieler brauchen fünf Minuten für den 500 Meter entfernten Gang zur Toilette, dafür können wir aber Spiele nicht unterbrechen. Sie müssen sich andere Möglichkeiten suchen, das müssen wir ihnen immer erklären. Wir reden hier auch über Spitzensportler, die in die Gemeinde kommen.“ Genauso ist die Flutlichtanlage ein Problem, die nicht ausreichend ist. Bälle von Nationalspielern erreichen leicht Geschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometer: „Jeder Autofahrer weiß: Je diffuser das Licht, desto schwieriger ist es, gut zu sehen. Das gilt fürs Training, aber insbesondere für ein Spiel.“ Die Disciples dürfen deshalb keine Abendspiele ausrichten: „Wir haben im 2021 ein Spiel verloren, weil es zu lange gedauert hat und dadurch die Schiedsrichter (Umpire) abgebrochen haben. Unfall ist das eine, sportlicher Ehrgeiz und Wettkampf das andere.“ Um eine Ausnahmeregelung für die Bundesliga zu erreichen, müsse der Verein immer wieder mit „viel Engelszungen“ mit den Verantwortlichen reden.

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Nächste Stufe Richtung Erfolg

Trotzdem sei die Unterstützung seitens der Gemeinde hervorragend, auch mit dem Sportpark. „Aber wir müssen den nächsten Schritt zu tun, im Sinne des Leistungssports und um die Deutsche Meisterschaft mitspielen zu können“, so Wolf. Nötig machen das die immer professionelleren Rahmenbedingungen: „Da sind wir ein bisschen auf der Strecke geblieben. Bisher waren wir, auch mit den Nutzungsbedingungen des Platzes, limitiert. Die sollen sich aber jetzt ändern. Es freut uns wahnsinnig, dass der Gemeinderat bei der Präsentation so positiv reagiert hat, weil uns das Möglichkeiten in der Vermarktung gibt, die wir so bisher nicht hatten“, meint Wolf. Eine attraktive Außendarstellung als Bundesligist, bringe Zuschauer und ziehe Sponsoren an, die sich dann einen Standort Haar vorstellen können. Das sieht auch Bukowski: „Wenn wir das Baseballfeld, das ja im Gewerbegebiet beheimatet ist, zu einem Eventcharakter beleben, wird sich das positiv auswirken. Es existieren Ideen langfristig eine Sports-Bar zu etablieren und mit dem Gewerbebau zu koppeln.“ Die Vorteile für die Haarer seien unübersehbar: „Wo wollen wir hin? Dahin, dass, wie in manchen Gemeinden, nur noch Fußballfelder stehen und Hallen dicht machen, weil es nicht einmal Handball gibt“, fragt Wolf und gibt die Antwort: „ Ich denke nicht, dass das im Sinne der Kinder ist. Die haben unterschiedliche Interessen und Stärken. Es wäre total schade, wenn Randsportarten nur noch irgendwo in Deutschland in wenigen Leistungszentren stattfinden, aber sonst nirgendwo. So sterben Sportarten aus.“

Baseball bietet für jeden etwas

Die hochkomplexe Sportart mit kompliziertem Regelwerk besteht aus vielen Einzelelementen, dadurch entstehen für den Nichtkenner Schwierigkeiten, das Spiel zu verstehen und macht es zunächst wenig attraktiv. Schnell ist es auf „herumstehen mit gelegentlichem Ball schlagen und laufen“ reduziert. Das aber, sei weit gefehlt, so Simon Lechner: „Zum einen ist Baseball ein Teamsport, hat aber auch Individualsport-Elemente. Wenn man beispielsweise am Schlag steht, ist man auf sich gestellt, dennoch Teil einer Mannschaft.“ Entscheidend sei die Bereitschaft, sich mit einer Sportart auseinanderzusetzen, so Tom Wolf: „Dann stellt man schnell fest, wie spannend ein Spiel sein kann. Und Zuschauern erklären wir alles sehr gerne.“ Jo Penzkofer nickt zustimmend: „Für jeden Körpertypen oder Charakter, je nach individuellen Fertigkeiten, bestehen im Baseball Möglichkeiten, seinen Platz zu finden und erfolgreich zu sein.“ Jemand, der nicht so schnell laufe, aber über eine gute Hand-Augen-Koordination verfüge, treffe den Ball umso satter: „Dann ist es nicht so schlimm, wenn er eine Zehntelsekunde langsamer ist. Das macht Baseball so divers und spannend und bietet für jeden Chancen insbesondere im Nachwuchsbereich, sich zu bewähren und Erfolge zu sammeln.“

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Spitze in der der Nachwuchsarbeit

Seit etwa fünf Jahren setzt der Verein mit seiner Nachwuchsarbeit in der eigens gegründeten Baseball-Academy ein Ausrufezeichen: „Es unterscheidet uns von anderen Vereinen in Deutschland“, so Tom Wolf. „Das Ziel ist es, unseren Bundesliga-Kader früher oder später aus unserem eigenen Nachwuchs zu stellen. Wenn man unsere ersten beiden Mannschaften anschaut, wie viele Nachwuchsspieler aus den Disciples hervorgehen, dann sieht man, dass das der richtige Weg ist.“ Für Einsteiger, egal ob Junge oder Mädchen, bietet der Sport noch einen anderen Aspekt: „Die Begriffe sind englisch, unsere Importspieler sprechen englisch. Da wollen sie schnell besser werden, weil sie sich mit ihrem Trainer unterhalten wollen. Das spricht außerdem für den Sport“, so Simon Lechner. Insgesamt aber wolle sich der Verein nicht auf Importspieler stützen, die „als Söldner hier Geld verdienen und wieder gehen“: „Die Disciples bilden die Gesellschaft im Münchner Umland ab, wie wir hier leben. Wir haben ein komplett diverses Team, aber egal, ob er britischer, italienischer, tschechischer oder deutscher Nationalspieler ist, er lebt und arbeitet hier.“ Es sei ein gewachsenes Team, das miteinander arbeitet, trainiert, lebt und hier integriert ist. „Wir wollen die beste Symbiose aus Leistungssport, gepaart mit Nachwuchsarbeit, damit wir, wenn wir irgendwann mit einer Meisterschaft erfolgreich sind, sagen können: das haben wir selbst geschafft“, betont Wolf.

Der Verein freut sich auf neue Mitspieler!
Kontakt München-Haar Disciples e.V.
http://verein.disciples.de/
Telefon: +49 172/8972154

eMail: info@disciples.de

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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