Tag der Offenen Tür im Kleinen Theater Haar

Kategorie: Aufführungen

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Darsteller der Münchner Märchenbühne bereiten sich beim Tag der Offenen Tür im Kleinen Theater Haar in Kostümen und Maske auf ihren Auftritt vor.

Die Gesichter hinter Biene Maja, Spinne Thekla und Co. Redmanns Münchner Märchenbühne entführt nicht nur kleine Kinder in die Welt der Märchen.

Vorhang auf für die geheime Welt hinter den Kulissen

Das Kleine Theater kann vieles. Der nostalgische, leicht morbide Charme vergangener Epochen ist perfekt und sicherlich ein Grund, warum es ein so gefragter Star im Hintergrund ist. Ob als Kulisse für Bully Herbigs Kinofilm „Ballon“, für verschiedene Tatorte oder für die Polizeiruf 110-Episode „Der Ort, von dem die Wolken kommen“ – die Ästhetik des Hauses zieht Filmschaffende an. „Die ganze Anfangsszenerie von ‚Ballon‘ hat hier im Theater stattgefunden“, erzählt Intendant Matthias Riedel-Rüppel. „Es ist ein unterschätztes Juwel, das hängt auch mit dem Standort zusammen. Haar ist in und um München herum oft noch gleichbedeutend mit Psychiatrie.“

Mehr als Bühne
Wer die heutige Bühne für Künstler auf dem historischen Gelände der Heil- und Pflegeanstalt besucht, kann das Paradoxon spüren, von dem das Gebäude lebt: Dort, wo in unmittelbarer Nähe während der Nazi-Diktatur unvorstellbare Verbrechen passierten, pulsiert heute helles, empathisches und inklusives Kulturleben. Jeder, der die weitläufige Parklandschaft mit ihren markanten Jugendstilgebäuden erlebt, kann entdecken, um welches Kleinod es sich handelt. „Wenn ich es hin und wieder im Fernsehen sehe, bin ich auf dieses gar nicht ganz so kleine Theater ziemlich stolz. Es ist wichtig zu schauen, um was für einen Ort es sich handelt“, betont Riedel-Rüppel.

Einblick in verborgene Räume
Kaum etwas bietet sich dafür besser an als ein Tag der Offenen Tür, der Interessierten einen Blick hinter die Kulissen erlaubt. „Wir haben das letztes Jahr erstmalig gemacht und es kam großartig an und es scheint dieses Jahr wieder zu funktionieren“, stellt der Intendant kurz vor der zweiten Führung fest. Wer die Tour durch das Theater mitmacht, entdeckt unter anderem einen kleinen, historischen, evangelisch geweihten Betsaal im ersten Stock. „Er ist ein besonderer ‚Hingucker‘ und Raum“, erklärt Riedel-Rüppel zwischen den hölzernen Kirchenbänken und einigen gemalten Kunstwerken, die auf den Bänken stehen, bevor er ankündigt: „Wir gehen auf die Bühne und schauen uns an, warum es sich um ein echtes Theater handelt.“ Viele, so seine Erfahrung, wollen die Unterschiede zur Bühne des Bürgersaals wissen. „Ganz besonders geht es um einen ersten Blick hinter unsere Eigenproduktion. Wir präsentieren die Zauberflöte, die Premiere am 16. Oktober hat.“ Genau in diesem Moment dringen die hellen Töne einer Arie aus dem Saal im Erdgeschoss nach oben.

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Opern-Genuss im Kleinformat
„Es ist musikalisch betrachtet eine Reduktion“, erklärt Andreas Heinzmann. Der musikalische Leiter des Projekts gibt gemeinsam mit den Ensemble- Mitgliedern erste akustische Appetithäppchen der Zauberflöte zum Besten – direkt im Anschluss an eine leidenschaftliche Einführung durch den bekannten Regisseur Marcus Everding, dem Sohn von August Everding. „Wir haben sie für elf Instrumente passend gemacht. Unser Sängerensemble ist richtig gut und die Inszenierung sehr spannend. Sie ist perfekt auf die kleine Bühne zugeschnitten“, erklärt Heinzmann.

Kammermusik statt Mega-Event
Im Gegensatz zu riesigen Opernhäusern mit tiefen Orchestergräben, die unweigerlich eine Distanz zwischen Künstlern und Publikum schaffen, ist eine Spielstätte wie das Kleine Theater Haar durch Nähe geprägt: „Genau das habe ich schon als Kind erlebt, wenn ich irgendwo im Rang saß und durchs Opernglas geschaut habe. Trotzdem habe ich es geliebt. Aber bei Projekten wie diesen sind sich Künstler und Publikum ganz nah.“ In den kleineren Dimensionen des Saals können die Künstler Einzelne im Publikum selbst in der zehnten Reihe noch wahrnehmen. „Sie können sehen, ob er lächelt, die Stirn runzelt oder die Augen verdreht“, beschreibt Heinzmann das besondere Erleben der Sänger.

Süße Unterstützung für Kulturfreunde
Zur gleichen Zeit darf jedermann das Rad bei den Glücksfeen Martin Schrüfer und Rebekka Scherer im Garderobenbereich drehen, während es köstlich nach Waffeln duftet. Ines Heukäufer, Cornelia Fäth und Natascha Fuß backen für die Gäste. „Erstmalig hatten wir die Kleine Oper hier im Rahmen der 950-Jahr-Feier im Garten des Theaters und das war großartig. Eher scherzhaft sagten wir damals, dass sie wiederkommen müssen“, erinnert sich Ines Heukäufer, Vorsitzende des Freundeskreises Kleines Theater Haar. Der Dienst am Waffeleisen ist für den Freundeskreis Ehrensache: „Mit unserer Präsenz wollen wir zeigen, dass wir das Theater tatkräftig unterstützen, wie im Café oder auch im Hintergrund helfen“, so Heukäufer. Als bekennender Opernfan denkt sie gerne an ihre ersten Berührungspunkte mit dem Musiktheater: „Ich liebe die Zauberflöte, ich habe sie als Grundschülerin das erste Mal gesehen. Meine Lehrerin hat uns dahingeführt und Fahrten nach Köln in die Oper organisiert.“ Aus ihrer Sicht bietet die fokussierte, dadurch intime Fassung beste Voraussetzungen für Einsteiger in das Genre: „Das wäre eines unserer Ziele, sozusagen die Oper barrierefrei zu machen und ein Publikum zu erreichen, das vielleicht noch nicht so viel mit Oper anfangen kann. Aber klar wäre es genauso schön, wenn wir auch einen Teil des Opernpublikums anziehen könnten, die sich einfach mal auf eine andere Variante einlassen wollen.“

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Scharfer Nachwuchs-Check vom Parkett
Wie gut diese Nähe funktioniert, zeigt sich bei den jüngsten Gästen. Die achtjährige Elena staunt nicht schlecht, als sie nur wenige Meter entfernt den Beginn einer Arie hört: „Die Sängerin hat ohne Mikrofon gesungen und trotzdem so laut!“ Ihr zehnjähriger Bruder Manuel ist sich zwar noch nicht ganz sicher, ob er mehr von der Musik hören möchte, dafür dürfte es für ihn aber gerne mehr von Everdings abenteuerlichen Geschichten sein: „Ich fand toll zu hören, wie dann drei Frauen kommen, die mit Schwertern eine Schlange in drei Stücke schneiden.“ Die beiden Geschwister beobachten das Geschehen vor der Bühne messerscharf. „Die Maske am Hals ging unten zu Ende und man hat den Hauptübergang gesehen. Die Frau am Klavier war stark geschminkt“, stellt Elena fest, und Manuel nickt zustimmend. Ein Kriterium, das für die kindgerechte und bunte Inszenierung der Biene Maja von Redmanns Münchner Märchenbühne so nicht gilt. Zur Freude von Groß und Klein dürfen die Darsteller der Theatertruppe an diesem Tag einen Ausschnitt in ganzer Farbenpracht spielen und singen. „Endlich läuft richtig gute Musik!“, lobt die Drittklässlerin begeistert. Elena freut sich schon jetzt auf deren nächsten Märchenklassiker Aschenputtel.

Großes Theater auf kurzen Wegen
„In den letzten Jahren haben wir uns ein bisschen durch unser vielseitiges Programm ausgezeichnet“, sagt Riedel- Rüppel. Allerdings sei der Start vor allem in die neue Spielzeit im Herbst immer ein wenig beschwerlich. Das liegt vor allem an den äußeren Umständen: „Wir merken hier den späten Schulstart und kurz darauf beginnt das Oktoberfest. Unsere Zuschauenden kommen häufig aus München. Im Vergleich dazu könnte das Haarer Publikum noch ein wenig aufholen.“

Intendant Matthias Riedel-Rüppel führt die Theatergäste zu unbekannten Orten im Theater. Einer davon ist der Betsaal.

Intendant Matthias Riedel-Rüppel führt die Theatergäste zu unbekannten Orten im Theater. Einer davon ist der Betsaal.

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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