Frauen im Löschzug

Kategorie: Vereine

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Freiwillige Feuerwehr Haar:
Abiturientin und Feuerwehrfrau schreibt beachtliche W-Seminar-Arbeit

Als meine Mutter 1996 bei der Feuerwehr anfing, war der Kommandant überhaupt nicht begeistert. Dabei war er ihr Vater, aber es war damals noch alles andere als normal“, erzählt Larissa Künig. Die 18-jährige Abiturientin kann kaum nachvollziehen, wie schwierig sich der Eintritt für Frauen auch noch kurz vor der Jahrtausendwende in viele bis dahin männerdominierte Bereiche gestaltet. Für ihre W-Seminar-Arbeit vor ein paar Monaten, glaubt die damalige Schülerin das perfekte Thema gefunden zu haben: „Ich bin selbst Feuerwehrfrau, rücke seit etwa einem Jahr mit aus und dachte, dass ich mir die Entwicklung der Frauen in Feuerwehren ein bisschen genauer anschaue.“

Leben mit Blaulicht
In Larissas Leben spielt Feuerwehr eine große Rolle. Sie bekommt das Thema bereits mit der Muttermilch serviert, denn in ihrer Familie sehen einige Mitglieder „rot“ – Larissa gehört einer wahren Blaulicht- Familie an. Neben ihrer Mutter Doris und deren Vater, versehen auch der Papa und ihr Großvater väterlicherseits, Rudolf Künig, Jahrzehnte den Freiwilligendienst, Opa Rudolf gar als ehemaliger und langjähriger Kommandant der Haarer Wehr. Der zeigt sich bereits 1989 ganz emanzipiert, nimmt fünf Frauen in seinen Reihen auf und setzt damit früh im Landkreis ein Zeichen. „Opa war der erste, der das gemacht hat. Er stellte aber die Bedingung, dass mindestens fünf Frauen eintreten, so wollte er den Selbstschutz der Frauen gewährleisten. Wäre eine allein oder lediglich zwei gekommen, hätten sie es wohl sehr schwer gehabt, um gegen alle bestehenden Vorurteile angehen zu können.“

Die ungeschriebene Geschichte: Suche nach Fakten
Wie für eine Seminararbeit üblich, will Larissa alles über die Entwicklung von Frauen in den Wehren herausfinden und hofft auch auf viele Informationen zu stoßen, doch sie findet kaum Brauchbares: „Ich habe fast nur einzelne Punkte entdeckt, aber keinen zusammengefassten Verlauf.“ So trägt Larissa in mühsamer Arbeit Quellen zusammen, beginnt auszuwerten und legt ein besonderes Augenmerk auf komplexe Fragen, die sich mit der Vereinbarkeit von Familie und Dienst beschäftigen. In diesem Zusammenhang legt sie insbesondere den Fokus auf Schwangerschaft und die anschließende Stillzeit. Genauso nimmt Larissa auch herausfordernde Aspekte wie Vorurteile seitens der Kameraden und sexualisierte Gewalt genauer unter die Lupe. „Darüber, vor allem über sexualisierte Gewalt, will kaum jemand sprechen, das ist eindeutig ein Tabuthema. Dazu habe ich nur eine englische Studie, die die körperliche und seelische Gewalt beleuchtet, gefunden. Ehrlicherweise fand ich das Ergebnis erschreckend.“ Ein wenig überraschend sei für sie, wie Männer die Problematik wahrnehmen: „Heute stehen sie zwar hinter ihren Kameradinnen, doch oft fehlt ihnen das Feingefühl noch existierende Vorurteile zu bemerken. Davon bekommen sie von sich aus nichts mit, das muss Frau gezielt ansprechen.“

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Familienphase als Karriere-Aus
Larissas Untersuchungen belegen den großen Spalt, der in verschiedenen Altersgruppen vorliege: Kommen bei den Jugendlichen noch rund 30 Prozent weibliche Mitglieder, sinkt deren Anteil in der aktiven Mannschaft auf rund elf Prozent. In den Berufs- und Werkfeuerwehren liegt der Frauenanteil gar unter fünf Prozent. „Besonders fällt das praktisch vollständige Fehlen der Frauen in der Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren auf. Das sind die hauptsächlichen Jahre, um Kinder zu bekommen“, so Larissa. Um jungen Müttern den Einsatz während dieser Zeit zu ermöglichen, wünscht sich Larissa mehr Angebote zur Unterstützung. „Frauen sollten nach der Stillzeit selbst entscheiden können, wann sie wieder aktiven Dienst leisten können. Die einen benötigen länger, die anderen wollen schneller wieder dabei sein. Letztendlich ist das unerheblich, darauf kommt es nicht an, aber es sollte die grundsätzliche Chance vorhanden sein, zurück zum Dienst kommen zu können.“

Einsatz trotz Kinder
Über Nachwuchsmangel könne sich die Haarer Wehr derzeit nicht beschweren, allerdings könne sich das jeden Tag ändern. Es sei daher eine „Aufgabe der Gesellschaft „Care- Arbeit“ genauer anzusehen und „eine 50 zu 50-Aufteilung möglich zu machen“, so Larissa. Es ist ein Ansatz, den Kommandant Arne Seiffert befürwortet. Allerdings denkt er einen Schritt weiter: „Es geht nicht nur um Mütter, das gilt auf für Väter in Elternzeit. Jedes Modell, das es den Kräften erleichtert ihren Dienst zu tun, sollte gefördert werden.“ Manche Wehren organisieren sich, auch schon seit langem, weiß Larissa: „Sie arbeiten beispielsweise mit Piepsern für die jeweiligen Partner. Sie rücken ins Feuerwehrhaus ein, wenn der Alarm losgeht, und übernehmen die Kinderbetreuung. Es ist enorm wichtig, dass solche Angebote bestehen.“ Ihre Mama Doris nickt zustimmend: „Das wäre sehr erleichternd. Ich konnte nur deshalb ausrücken, weil wir Absprachen und den Luxus hatten mit den Großeltern in einem Haus zu wohnen. Ging´s los, waren sie direkt am Start, nur so war es möglich.“

Emanzipation unterm Helm
Obwohl insgesamt die Entwicklungsrichtung stimme, bestehe auch 2026 noch deutlich „Luft nach oben“, kommt Larissa zum Schluss. Aber es muss noch einiges passieren, denn es sei sicher: „Die Feuerwehr kommt nicht daran vorbei mit der Emanzipation zu gehen, wenn sie künftig funktionieren will. Dafür muss sie entsprechende Angebote schaffen.“ Gleichzeitig fordert sie mehr Frauen in Führungspositionen. Mutter Doris formuliert es klar: „Frauen müssen ihre Ellenbogen ausfahren.“ Larissa nickt: „Die Frauen meines Alters gehen mit Emanzipation anders um, wir können unsere Stimme nutzen. Biologische Unterschiede sind keine Hürde, sie erfordern aber neue Strukturen.“ Für Larissa stehe am Ende das Ziel: „Wir wollen nichts Besonderes sein, nur gleich mit allen Möglichkeiten.“ Vielleicht trägt ihre Arbeit dazu bei, die entsprechenden Strukturen zu schaffen

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Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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