Das Fortuna-Festival am Ernst-Mach-Gymnasium ist mehr als Schultheater: Zwei Tage voller anspruchsvoller Eigenproduktionen und intensiven Debatten.
Starke Stoffe statt seichte Unterhaltung
Helene (16) und Stefanie (17) treffen sich vor dem Ernst-Mach-Gymnasium und besprechen intensiv ihre Performance. Texthänger können passieren, wichtig sei nur weiterzuspielen, kommen beide überein. Die Oberstufenschülerinnen zählen zum Ensemble der experimentellen Theatergruppe am Ernst- Mach-Gymnasium und stehen im Rahmen des Fortuna-Theater- Festivals gleich mehrfach auf der Bühne. „Bei den offeneren Stücken wie ‚Der Klavierträger‘ geht’s, man macht einfach weiter oder probiert noch irgendwas zu improvisieren, dass der nachfolgende Satz noch Sinn ergibt“, erzählt Helene: „Das ist bei ‚Der Revisor‘ ein bisschen schlimmer, wenn man seinen Text vergisst, denn das könnte eine ganze Szene krass verändern.“ Stefanie stimmt zu: „Letztes Mal, als wir den Revisor aufgeführt hatten, wurde wirklich die Hälfte der Szene übersprungen, weil jemand einen anderen Text sagte. Aber das geht dann irgendwie. Für uns ist es sehr normal. Ich habe nie anderes Theater gemacht als hier an der Schule und glaube, normaleres Rollentheater würde sich eher komisch anfühlen.“
Nicht nur Scheinwerferlicht
Die Freundinnen sind seit einigen Jahren Darstellerinnen in dem experimentellen Theaterprojekt und gewohnt, Festivals zu besuchen: „Dass man jetzt in diese Organisationsrolle schlüpft, vorbereiten und so vieles organisieren muss und Gastgeber sein darf, macht schon sehr viel Spaß“, findet Helene. Unter dem Leitgedanken „Glück ist im Theater kein Zufall, sondern das Ergebnis von Mut und Reibung!“ lädt das Ernst-Mach-Gymnasium zum Fortuna-Festival, einem Kooperationsprojekt mit den Münchner Kammerspielen und der Bürgerstiftung Haar. Anfang Oktober hob sich zwei Tage der Vorhang für bekannte Eigenproduktionen wie „Der Klavierträger“, „Der Revisor“ und für eine Gastgruppe aus Erfurt.
Respekt vom Altbürgermeister für Tiefgang
Thomas Ritter, Lehrer für Deutsch, Geografie und Theater am EMG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians- Universität, betont, bei dem Festival gehe es nicht nur ums bloße Zuschauen, sondern vor allem um den Austausch zwischen Spielenden und Gästen. Den geeigneten Platz dafür finden die Besucher im zentral gelegenen Theater-Indoor-Biergarten. Neben den Vorführungen können Interessierte die Filmdokumentation „Stimmen“ sehen, die sich mit den NS-Euthanasie- Morden in der nah gelegenen, ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt beschäftigt. Der Film zeigt auch Szenen des gleichnamigen Theaterstücks, in dem Jugendliche den Opfern mittels Originalzitaten eine Stimme geben. Das radikale Raumexperiment will Debatten über Erinnerungskultur anstoßen. Altbürgermeister Helmut Dworzak lobt das Engagement: „Mich beeindruckt der Mut, ein solches Festival über zwei Tage hinweg auf die Beine zu stellen. Die Gruppe zeigt schließlich keine leichten oder bloß unterhaltsamen Stoffe, sondern greift die gewohnt anspruchsvollen Themen des Theaterprojekts auf. Nicht ohne Grund hat die Jury die Theaterarbeit bereits vielfach ausgezeichnet; auf diese Leistung kann man wirklich stolz sein.“
Intensiv ins neue Schuljahr
Helenes und Stefanies Bilanz fällt klar aus: „Es ist richtig toll“ – mit einer Einschränkung, wie Stefanie meint: „Zum Glück war es zum Schuljahresanfang. Richtung Ende, kurz vor den Abiprüfungen, hätte ich die Zeit wahrscheinlich nicht aufgebracht, weil der Aufwand einfach enorm war.“
Für Sie berichtete Manuela Praxl.







































