Alexander Gremm (re), Vorstand Bürgervereinigung Ottendichl (BVO) mit „Mr. BVO” Anton Kaltenhauser beim traditionellen Wirte-Essen.
BVO-Urgestein mit Herz und Pinselstrich
„Anton Kaltenhauser ist eigentlich die BVO“, meint der aktuelle Vorstand der Bürgervereinigung Ottendichl (BVO) Alexander Gremm beim traditionellen Wirte-Essen. Es duftet herrlich, das lebhafte Stimmengewirr in der voll besetzten Bürgerstube zeugt von der fröhlichen Stimmung aller Anwesenden. Wie jedes Jahr gibt es kurz vor dem Start in die Biergarten-Saison, neben einem köstlichen, einen etwas schwerer verdaulichen Gang, dessen Ingredienzien aus wichtigen Passagen des Infektionsschutzgesetzes bestehen. Dafür wartet das Dessert mit einem wahrhaft besonderen Schmankerl auf: die Enthüllung eines ca. 3,5 x 1,3 Meter großen Acryl-Gemäldes von Anton Kaltenhauser: „Ich bin Hobbymaler, mache das seit der Kindheit und habe der BVO schon einige Schützenscheiben geschenkt. Ich wollte malerisch festhalten, was Ottendichl so draufhat.“
Vom Maibaum bis Bandltanz: Heimatgefühl wie gemalt
Ottendichl hat drauf und zwar Einiges – so viel steht fest: Das wahrhafte Meisterwerk zeigt zahlreiche, typische Szenen des dörflichen Lebens, wie das Krippenspiel der Sternsinger am Heiligen Dreikönigstag, das Palmbuschbinden, den Laternenumzug zu St. Martin, das Spanferkel- und das Steckerlfisch-Essen, das Aufstellen des Maibaums mit „Irxenschmalz“ und dem wichtigen Gockel, dazu Aktionen in der Bürgerstube des alten Schulhauses, wie die Tanzproben der D`Ammertaler für den berühmten Bandl-Tanz. „Bei uns läuft sehr viel über die Kirche, den Biergarten oder die Bürgerstube und das habe ich festgehalten. Beim Malen kann ich ein bisschen loslassen und abschalten vom Alltag mit seinen Herausforderungen. Ich gehe dazu in den Keller“, erzählt der bald 85-Jähige, der im Mai seinen Geburtstag feiert. In diesem Fall greift er über sechs Monate lang zu Pinsel und Farben, um das Kirchen- und Vereinsleben von Ottendichl kunstvoll zu verewigen. „Ich bin einfach sehr verwurzelt mit Ottendichl und deshalb soll es ein Rückblick sein und gleichzeitig Motivation geben, weiterzumachen“, sagt Kaltenhauser über die Motivwahl.
Das Herz und die Seele von Ottendichl
Gefühlt kennt wohl jeder Ortsteilbewohner seinen Namen, der ein Inbegriff für Ehrenamt ist. 1982 legt Kaltenhauser als Mitbegründer der Bürgervereinigung (BVO) den Grundstein für Ottendichls Gemeinschaftsleben: „Ich war der erste Vorstand, habe das 20 Jahre gemacht und den Biergarten mitgebaut“, plaudert Ottendichls „lebendes Archiv“ aus dem Nähkästchen. „Das war ja ursprünglich die Garage meines Schwiegervaters Friedrich Kühn.“. Damals hat praktisch jedes Kind aus dem Ort mit Kühn zu tun, da er ihnen als Lehrer Lesen, Schreiben und Rechnen beibringt und hin und wieder die Leviten liest: „Er war der letzte Lehrer an der Schule“, weiß Kaltenhauser und berichtet auch „Pikantes“. Wo jetzt Ottendichler ein gut Gekühltes bestellen, genießt bis vor einigen Jahrzehnten weitere Lehrerschaft ein Vollbad: „In der ehemaligen Garage war auch eine Badestube mit einem Kessel und Kamin, da konnte man einheizen und in der Badewanne baden. Die eine Lehrerwohnung hatte schon ein Bad, aber die oben im Speicher hatte keines.“
Anton Kaltenhauser ist eigentlich die BVO.
Alexander Gremm, Vorstand der Bürgervereinigung Ottendichl (BVO).
Steinalt und lebendiger denn je
Und weil im heutigen Versammlungsort der Bürgervereinigung einst Schüler büffelten, soll das heimatkundliche Wissen nicht zu kurz kommen. Ottendichl existiert bereits seit 981 und zählt damit einige Lenze mehr als die Landeshauptstadt oder Haar. Auch die über 500 Jahre alte St. Martins Kirche ist erwähnenswert, genauso wie der über hundert Jahre alte Trachtenverein D`Ammertaler (1919). „Und wir haben die BVO seit über 40 Jahren mit inzwischen über 550 Mitgliedern“, so Anton Kaltenhauser: „Die machen sehr viel und ich bin froh, dass das so weitergeht. Wir haben einfach eine tolle Dorfgemeinschaft.“
Für Sie berichtete Manuela Praxl.















