Achtung! Neue Betrugsmaschen am Telefon: So reagieren sie richtig!

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Sie sagen Telefontätern den Kampf an und kümmern sich intensiv um Opfer.: v.l.n.r. Polizeiobermeister Andreas Kaiser, Polizeihauptmeisterin Isabell Schölzky und Polizeihauptmeister Marcus Böhlich aus dem KOBler-Team in Haar.

Mach mit und lege auf!

Grüß Gott, hier spricht Dr. Mustermann vom Klinikum Großhadern. Ihr Angehöriger wurde vor ein paar Minuten auf unsere Station gebracht und ist bewusstlos.“ Lothar M. fragt erschrocken: „Meinen Sie Evelyn?“ und liefert sich damit selbst ans Messer. Wer sich in diesem Schrecksekunde nach „Christiane, Michael oder Thomas“ erkundigt, gibt gewissenlosen Betrügern entscheidendes Wissen: „Ja, es geht um Evelyn“, bestätigt der angebliche Mediziner, um das perfide Spiel voranzutreiben und schürt damit die aufsteigende Angst des 79-jährigen Rentners. „Sie hat eine aggressive Krebserkrankung. Wir müssen sie sofort mit einem Spezialmedikament behandeln. Die Krankenkasse bezahlt das später. Wir benötigen das Geld jetzt von ihnen, um sofort loslegen zu können“, behauptet Dr. Mustermann.

 

Vom Vertrauen zum Trauma: Wie falsche Ärzte mit der Angst Kasse machen

Nach den Schockanrufen mit Kindern oder Enkelkindern, die jemanden totgefahren haben sollen, erreicht die kriminelle Energie der Schurken am Telefon eine weitere, abscheuliche Qualitätsstufe. Die neueste Perversion bedient sich einer gleichermaßen effektiven wie bösartigen Strategie. Das potenzielle Opfer kann seinen Angehörigen nicht sprechen, da der scheinbar um Leben und Tod ringt. Ein Angerufener, wie Lothar M., befindet sich sofort in diesem emotionalen Ausnahmezustand und ist nicht mehr in der Lage klare Gedanken zu fassen. Die Falle ist schnappt zu. „Der falsche Arzt spielt derzeit eine zunehmend bedeutende Rolle“, warnt Stephan Jochim, Polizeihauptkommissar und stellvertretender Inspektionsleiter der Polizeiinspektion 27 Haar: „Für die Täter hat die Masche extreme Vorteile und ist besonders hinterhältig. Sie geben vor Arzt oder jemanden aus dem medizinischen Bereich zu sein, also jemanden, den wir als „Vertrauensperson“ kennen. Sie sind skrupellos und nutzen die Arglosigkeit der Menschen schamlos aus.“

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Haars KOBler: Starke Partner gegen Telefonbetrug

In Haars Polizei kümmert sich ein dreiköpfiges Team rund um das Thema „Callcenterbetrug“ mit besonderem Blick auf Opfer oder Versuchsopfer. „Unserem Team geht es insbesondere um die Nachsorge der Opfer oder auch die, die den Versuch so einer Masche erleben. Sie können sich jederzeit an uns wenden“, bietet Jochim an: „Wir wissen, dass es vielen sehr schlecht mit dem Erlebten geht.“ Die sogenannten KOBler (Kontaktbereichsbeamte) wollen eine Brücke sein. „Wir versuchen das Thema so breit wie möglich zu streuen, gehen auf viele Veranstaltungen“, stellt sich Polizeihauptmeisterin Isabell Schölzky vor: „Die Menschen sollen die Maschen der Täter kennenlernen. Wir informieren darüber, wie sich jeder wirksam schützen kann.“ Meist versuchen die Täter ihr Glück bei Senioren, so Schölzky: „Es geraten aber auch deutlich jüngere Opfer ins Visier. Bei ihnen funktioniert der Betrug, weil die Geschichte gerade in deren Lebenssituation passt. Sogar bei jenen, die gut aufgeklärt sind und diese Art des Betrugs kennen.“ Manchmal helfe der Zufall. Wenn die Täter die Unfallgeschichte auftischen und nur einige Minuten zuvor die Tochter im Schneetreiben das Haus verlassen hat, befinde sich Opfer sofort in einem „Tunnel“.

 

Keine Chance für „falsche Ärzte, Polizeibeamte und Co“: So schützen Sie Ihr Geld und Ihre Nerven

„Die Täter machen an einem Tag bis zu mehrere hundert Anrufe, da steigt die Wahrscheinlichkeit auf solche Voraussetzungen“, stellt Jochim fest. Sätze wie „Ohne ihr Geld für die Notbehandlung stirbt ihr Neffe“, bauen immensen Druck auf, versetzen Opfer in Panik, das logische Denken schaltet ab. „Es gibt Hinweise, die Betrüger entlarven. Sie fordern sehr schnell Geld oder Wertsachen“, betont Schölzky. Oft falle das Wort „Kaution“. „Im deutschen Strafprozessrecht gibt es keine Kaution, mit der man sich aus einer Haft freikaufen kann. Fällt dieses Wort, handelt es sich um Trickbetrug“, stellt Jochim klar: „Legen sie sofort und selbst auf! Lassen sie sich niemals verbinden.“ Betrüger nutzen Ängste ganz gezielt, heucheln Verständnis vor und bieten an, zu einem zuständigen Beamten zu verbinden. „Genau das ist derTrick, dann landen sie bei einem weiteren Täter. Nur wenn sie selbst auflegen und dann die 110 wählen, landen sie bei der Polizei“, schärft Isabell Schölzky ein. „Wichtig außerdem: erscheint auf dem Display des Telefons oder Handys die 110, handelt es sich um Betrug. Die Polizei ruft niemals unter der 110 an.“

Leider sind die Täter gut in dem, was sie machen. Sie können sich ausdrücken und gehen sehr fantasievoll mit der Situation um. Es kann jeden treffen.

Stephan Jochim, Polizeihauptkommissar und stellvertretender Inspektionsleiter der Polizeiinspektion 27 Haar

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Lachen im Saal, Tränen an der Haustür: Wenn bittere Realität wie ein schlechter Scherz klingt

Die Polizeihauptmeisterin und ihre Kollegen Polizeihauptmeister Marcus Böhlich und Polizeiobermeister Andreas Kaiser erleben an einigen Stellen ihrer Vorträge das Gelächter der Zuhörer, besonders wenn sie scheinbar völlig abwegige Situationen schildern: „Wenn wir über Opfer berichten, die hohe Summen von 50 000 Euro und mehr in einen Kochtopf für einen unbekannten Abholer vor die Tür stellen, lachen die Zuhörer, weil es absurd scheint. Das aber, ist genauso passiert“, sagt Marcus Böhlich und stellt eine entscheidende Frage, die sich jeder stellen sollte: „Die meisten haben jahrzehntelange Lebenserfahrung. Niemals zuvor hat sie ein Polizist angerufen und Geld verlangt. Jetzt auf einmal, will er es haben, weil es zuhause nicht sicher sein soll?“ Wie gut sich die Täter darauf verstehen ihre Opfer nachhaltig zu erschrecken, zeigt ein Fall, den Andreas Kaiser schildert: „Es ging um eine demenzerkrankte Frau. Obwohl wir ihr wiederholt versicherten, ihrer Tochter gehe es gut, glaubte sie uns nicht. Sie war überzeugt sie läge im Krankenhaus, obwohl die sich inzwischen gemeldet hatte.“ Böhlich nickt und fügt hinzu: „Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ein 90-jähriges Opfer wollte Geld herausgeben, weil sein Kind jemanden totgefahren hätte. Der Mann hatte keine Kinder aber der massive Druck der Täter, lässt die Opfer alles glauben.“

 

Wenn Scham die Betrüger schützt: Warum Reden der beste Schutz ist

Besonders schlimm sei die oft überwältigende Scham der Betroffenen. „Sie haben ein Leben lang gespart und händigen nun Fremden ihr Vermögen oder Familienerbstücke aus. Hier müssen sie verstehen lernen, dass sie keinerlei Schuld trifft“, sagt Schölzky. Jochim ergänzt: „Leider sind die Täter gut in dem, was sie machen. Sie können sich ausdrücken und gehen sehr fantasievoll mit der Situation um. Es kann jeden treffen.“ Egal ob Opfer oder Versuchsopfer: Etwas liegt dem KOBler-Team besonders am Herzen: „Rufen Sie uns immer an. Wir benötigen diese Informationen dringend. Die Nachsorge machen wir gerne vor Ort, genauso sind wir telefonisch da.“ Polizeihauptkommissar Stephan Jochim hofft damit mehr Menschen erreichen zu können: „Betrugsmaschen wird es immer geben, aber wir dürfen keine Opfer mehr haben: Das muss das Ziel sein.“

Vier wirkungsvolle Tipps, um sich gegen den „Callcenterbetrug“ zu wehren:

1. AUFLEGEN! Unterbrechen sie SELBST die Leitung und wählen DIREKT die 110. Das ist und bleibt der BESTE SCHUTZ. Lassen sie sich NIEMALS verbinden!

2. Lassen sie sich nicht unter Druck setzen. Die Täter setzen genau darauf.

3. Erkundigen sie sich selbst bei dem Verwandten unter der ihnen bekannten Nummern.

4. Bleiben sie misstrauisch und geben sie auf keinen Fall weder Geld noch andere Wertsachen heraus.

Bonustipp:
Legen sie sich innerhalb der Familie ein Codewort für Geldangelegenheiten zu.
Wenn ein angeblicher Staatsanwalt anruft, können sie ihn bitten die Tochter oder den Sohn danach zu fragen.

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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