Wie ein Landwirt aus Haar dem Klimawandel begegnet

Kategorie: Umwelt

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Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft vor enorme Herausforderungen – besonders in Regionen mit trockenen Böden und wenig natürlicher Wasserspeicherung. Wie geht ein Landwirt damit um, der deutlich größere Flächen bewirtschaftet als Hobbygärtnerinnen und -gärtner? Ein Blick auf den Betrieb von Roland Habeker aus Haar zeigt, welche konkreten Maßnahmen ein moderner Hof ergreifen kann, um sich an veränderte Klimabedingungen anzupassen.

Alte Sorten neu entdeckt
Eine zentrale Strategie ist die Auswahl widerstandsfähiger Pflanzen. Habeker setzt auf die alte Landweizensorte Eglfinger Zimbern. Diese Sorte zeichnet sich durch ein intensives Wurzelwerk aus. Dadurch kann sie Wasser aus allen Bodenschichten erschließen und übersteht Trockenperioden besser als moderne Hochleistungssorten. Die Rückbesinnung auf bewährte, robuste Kulturpflanzen ist für ihn ein wichtiger Baustein im Umgang mit zunehmender Trockenheit.

Erneuerbare Energie vom eigenen Dach
Auch energetisch stellt sich der Betrieb zukunftsfähig auf: Auf dem Hof wird mehr Solarstrom produziert, als selbst benötigt wird. Damit leistet der Betrieb nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern macht sich zugleich unabhängiger von steigenden Energiepreisen.

Trockenheit als größtes Problem
„Das größte Problem ist für uns die Trockenheit“, sagt Habeker. Umso wichtiger ist für ihn ein bewusster und nachhaltiger Umgang mit Boden und Natur.
Den hofeigenen Wald bewirtschaftet er naturnah. Dabei steht die Förderung der Biodiversität im Mittelpunkt. Totholz bleibt als wichtiger Lebensraum für Insekten, Pilze und Mikroorganismen im Wald erhalten und trägt zur Stabilisierung des Ökosystems bei. Gleichzeitig setzt Habeker auf Naturverjüngung: Junge Bäume wachsen aus eigener Kraft nach und passen sich dadurch besser an die örtlichen Bedingungen an. So entsteht ein widerstandsfähiger, vielfältiger Wald, der langfristig Wasser speichert und das Mikroklima positiv beeinflusst.

Auch im Ackerbau steht die Förderung eines lebendigen und gesunden Bodens im Zentrum. Durch den gezielten Anbau von Zwischenfrüchten entsteht eine schützende Mulchschicht auf der Bodenoberfläche. Diese reduziert die Verdunstung, schützt den Boden vor Austrocknung und ermöglicht eine anschließende Mulchsaat. Gleichzeitig wird auf intensive mechanische Bodenbearbeitung weitgehend verzichtet. Das spart Treibstoff und schont die Bodenstruktur.
Besondere Bedeutung kommt dabei dem Bodenleben zu – vor allem dem Regenwurm, den Habeker als seinen wichtigsten „Mitarbeiter“ bezeichnet. Regenwürmer lockern den Boden, verbessern die Durchlüftung und fördern die Wasseraufnahme ganz natürlich.
Zwischenfruchtmischungen aus verschiedenen Pflanzenarten durchwurzeln zudem unterschiedliche Bodenschichten und tragen so zur natürlichen Bodenlockerung bei. Leguminosen innerhalb dieser Mischungen binden Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Folgekultur verfügbar. Auf diese Weise erfolgt die Stickstoffversorgung auf natürlichem Weg über Sonnenenergie und Photosynthese – so dass der energieintensive Einsatz von Mineraldünger deutlich reduziert werden kann.
Auch beim Kürbisanbau setzt Habeker auf wassersparende und bodenschonende Verfahren. Biomulch-Folien bedecken den Boden im Bereich der Pflanzen und reduzieren die Verdunstung deutlich. Dadurch bleibt die Feuchtigkeit länger im Boden erhalten. Gleichzeitig unterdrückt die Mulchfolie das Wachstum von Unkraut, sodass auf den Einsatz von Spritzmitteln verzichtet werden kann. Ergänzend ist unter der Folie eine wassersparende Tröpfchenbewässerung installiert, die die Pflanzen gezielt und effizient mit Wasser versorgt.

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Zielkonflikte im Alltag
Der Alltag eines Landwirts ist häufig von schwierigen Entscheidungen geprägt.
So hat Habeker sich bewusst gegen den Einsatz von Glyphosat entschieden und setzt stattdessen auf mechanische Unkrautbekämpfung. Diese erfordert aber leider mehr Überfahrten mit Maschinen, erhöht den Dieselverbrauch und führt zu einem höheren CO₂-Ausstoß.
Darin zeigt sich ein grundlegender Zielkonflikt der modernen Landwirtschaft: Der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel schützt Bodenleben und Biodiversität, verursacht jedoch mehr Emissionen durch zusätzliche mechanische Bearbeitung. Trotz dieses Nachteils hat sich Habeker bewusst für den glyphosatfreien Weg entschieden, um die langfristige Gesundheit von Boden und Ökosystem zu erhalten.
Diese Konflikte zwischen Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit und Arbeitsaufwand gehören zu den größten Herausforderungen moderner Landwirtschaft.

Neue Kulturen wagen
Rund um den Hof wurden im vergangenen Jahr mehrere neue Bäume gepflanzt – darunter Olivenbäume. Sollten diese den Winter überstehen, plant Habeker, weitere zu setzen. Der Versuch zeigt, wie sich auch in Bayern die Anbaubedingungen verschieben und neue, wärmeliebende Kulturen zunehmend interessant werden.

Besondere Bedingungen der Haarer Schotterebene
Die sogenannte Münchener Schotterebene bringt auch in Haar zusätzliche Schwierigkeiten mit sich. Die durchlässigen Böden speichern wenig Wasser. Für den Gemüseanbau besitzt der Betrieb daher eine Genehmigung, Grundwasser zu nutzen. Sie bietet eine wichtige Sicherheit für die regionale Erzeugung, wird jedoch verantwortungsvoll genutzt: Bewässert wird sparsam, gezielt über Tröpfchenbewässerung und nur dann, wenn es witterungsbedingt unbedingt notwendig ist.
Gleichzeitig setzt Habeker auf einen „Fruchtmix“ – also den Anbau verschiedener Kulturen –, um das Risiko von Ernteausfällen besser zu verteilen.

Eine unsichere Zukunft
Trotz aller Anpassungsmaßnahmen bleibt die Lage angespannt. Häufen sich Missernten wie im vergangenen Jahr, könnte die anhaltende Trockenheit existenzbedrohend werden. Im schlimmsten Fall müsste der Betrieb die Landwirtschaft aufgeben.
Der Hof in Haar zeigt damit exemplarisch, wie viel Innovationsbereitschaft, Anpassungsfähigkeit und auch Mut nötig sind, um Landwirtschaft unter den Bedingungen des Klimawandels weiterzuführen.

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KLIMATREFF
Jeden 1. Donnerstag im Monat, 19 Uhr, in den Vereinsräumen im Gasthof zur Post, 1.Stock.

Für Sie berichtete das Haarer Stadt Echo.

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