Das DINO-Team v.r.n.l. Daniel Haag (Pädagogischer Mitarbeiter), Tanja Probst (Teamleiterin DINO), Raphael Haller (Dualer Student Soziale Arbeit) und ihr neues Juleica-Team.
Vertrauensvorschuss als Chance
„Mich interessiert die Verantwortung zu übernehmen und vielleicht hilft ja das Zertifikat später im Beruf“, sagt Aris Wimmer. Der 16-Jährige gehört zum A-Team im Jugendzentrum DINO. Bald hat Aris die Jugendleiter-Card (Juleica) in der Tasche und darf dann gemeinsam mit einem ü18-Jährigen das DINO selbständig öffnen, ohne die Anwesenheit des pädagogischen Teams. Unabhängig entscheiden zu können und Verantwortung zu übernehmen, ist ein wichtiger Meilenstein für Jugendliche auf dem Weg ins Erwachsenalter. Wer anfängt Projekte selbst zu planen und sie weitgehend ohne Hilfe anderer umsetzt, erlebt eine völlig neue Sichtweise: Nicht mehr der abhängige Passagier, sondern vielmehr der Pilot des eigenen Lebens zu sein. Im Jugendzentrum DINO können Teenager diese Erfahrung machen: „Jugendliche, die einen Jugendleiterschein haben, können das DINO, wenn wir nicht da sind, öffnen“, sagt Teamleiterin Tanja Probst. Nach 2019 soll die „Selbstöffnung“ erstmals wieder anlaufen: „Coronabedingt lief nichts mehr, aber jetzt wollen wir das Konzept wieder aufleben lassen. Vier unserer A-Teamler haben jetzt die Jugendleiterschulung gemacht.“
Ehrenamt als Reifekick
Die fremdbestimmte Kindheit hinter sich zu lassen und die autonome Persönlichkeit entfalten zu können, motiviert Heranwachsende Gelegenheiten wie diese wahrzunehmen: „Wir bekamen letztes Jahr die Info, dass es das gibt. Die Vorstellung ist einfach cool, dass wir das mit einem 18-Jährigen selbständig machen können, aber dann auch die Verantwortung zu haben, dass hier nichts passiert“, sagt der 16-Jährige Maximilian Oles. Kumpel Aris macht mit, weil ihn „das DINO interessiert“: „Ich denke auch, dass es mir für meine Berufswahl helfen könnte, weil ich, Stand jetzt, gerne Sozialpädagoge wäre. So kann ich meine ersten Erfahrungen sammeln.“ Zu „99 Prozent“ rekrutieren sich die Interessenten aus dem sogenannten A-Team, einem Mitbestimmungsgremium, des Jugendzentrums. Derzeit gehören ihm acht Ehrenamtliche im Alter zwischen 14 und 25 Jahren an. „Wir treffen uns einmal monatlich und besprechen Dinge, wie Neuanschaffungen für das DINO, Projekte oder Aktionen“, erklärt Tanja Probst. „Hier lernen wir die Jugendlichen gut kennen, so entsteht eine Vertrauensbasis.“
Die Lizenz zum Anleiten
Wer die Jugendleiter-Card erhalten will, muss an einem einwöchigen Seminar teilnehmen und benötigt einen Erste-Hilfe-Kurs. Die Teilnahme ist ab dem 16. Lebensjahr möglich: „Dann ist man eine Art Übungsleiter, der kleine, pädagogische Projekte anleiten darf“, erläutert Probst. „Wir haben die generellen Aufgaben eines Jugendleiters kennengelernt, wie man im Team zusammenarbeitet, Konflikte löst oder Feedback gibt“, gibt Benjamin Polster (15) einen Einblick in die erlernten Inhalte, Maximilian ergänzt: „Wir haben gelernt, wie man Spiele mit Jugendlichen anleitet, was Juleica bedeutet, es ging auch ums Thema Gewalt. Generell geht es auch um Planung und die finanzielle Kalkulation von Aktionen, wie Ausflüge oder ein Wochenende“.
Zutrauen statt Misstrauen: Sicherheit im Doppelpack
Der Grat sei schmal, weiß Probst: „Du musst dir bewusst sein, falls etwas bei der „Selbstöffnung“ schief geht, könnte das negativ in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, auch gegenüber der Stadt. Es ist eine Vertrauensfrage. Es geht darum genau hinzuschauen, welchem Jugendlichen ich wie viel zutrauen kann und ob ich bereit bin, ihn darin zu unterstützen, Selbstwirksamkeit erfahren zu können.“ Bisher sei das Konzept aufgegangen. Die Jugendlichen müssen sich mindestens 48 Stunden vor der geplanten Selbstöffnung mit dem Pädagogen-Team absprechen, um gemeinsam eine detaillierte Übergabe auszuarbeiten: „Sie bekommen Zugang zum Kühlschrank, zur Kasse, wir checken den Bestand. Außerdem versorgen wir sie mit einer Diensthandynummer als Notfallnummer, einer von uns hat dann Bereitschaft“, verdeutlicht Probst und betont. „Bisher wurden nie Regeln hintergangen, unser Vertrauen wurde noch nie gebrochen. Zwar gab es Anrufe, weil sie sich unsicher waren, oder es gab einen Konflikt, den wir telefonisch schlichten mussten, aber Ernsthaftes kam noch nie vor.“ Falls doch, fühlt sich Benjamin vorbereitet: „Dann würde ich den Notruf wählen. Es gibt einen auch Sicherheit, dass man mindestens zu zweit sein muss.“ Maximilian stimmt zu: „Wir können uns ja auch immer bei beispielsweise Tanja oder wer gerade Dienst hat, melden.“
Die Vorstellung ist einfach cool, dass wir das mit einem 18-Jährigen selbständig machen können, aber dann auch die Verantwortung zu haben, dass hier nichts passiert.
Maximilian Oles, Jugendleiter
Rollentausch: Vom Teilnehmer zum Taktgeber
Eine erste Kostprobe des Erlernten haben die Jugendlichen, die nur noch ihren Erste-Hilfe-Kurs benötigen, damit es losgehen kann, bereits nach einem Ausflug zeigen können. „Da kam aus deren Reihen der Wunsch nach dem „Feeback-Kreis“, etwas, was sie in der Schulung gelernt hatten. Sie haben das Zepter übernommen und uns Pädagogen angeleitet“, freut sich Tanja Probst. Es ist eine Erfahrung, die Eindruck hinterlasse, so Maximilian: „Das hat sich cool angefühlt, zeigen zu können, was wir gelernt haben. Alle haben sich im Kreis aufgestellt und sind nach unseren Anleitungen vorgegangen.“
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Für Sie berichtete Manuela Praxl.







