Maschkera in Haar: Für über 2000 Närrinnen und Narren ein Pflichttermin.
Glitzer, Beats und Party pur
Die Wetterprognose für Faschingsdienstag in Haar? „Solala!“ Vielleicht sind das nicht die besten Bedingungen, doch für den Ausnahmezustand in Haar reicht´s allemal. Direkt nach dem Startschuss um 14 Uhr bewegt sich der Zeiger des Stimmungsbarometers unter Haars Närrinnen und Narren unaufhaltsam auf den Top-Wert „kuschelige Eskalation“ zu. Bunt gewürfelt und noch bunter bekleidet stehen Musketiere, Teletubbies, Burgherren, Eishockeyspieler und grellgrüne Fantasiegestalten zusammen, prosten sich zu und genießen das ausgelassene Treiben zu Dancefloor- Klassikern von DJ Mund. Wenn nicht zu „Maschkera“ in Haar, wann dann bietet sich die Gelegenheit sein Inneres nach außen zu kehren und am Maibaum als brustbehaarte Nonne in Strapsen ein fröhliches Tänzchen mit der süßen Astronautin auf dem Freiluft-Parkett zu wagen? „Das Wetter wird schon halten“, gibt sich Bürgermeister und Obermusketier Andreas Bukowski gen Himmel blickend zuversichtlich und stürzt sich ins Treiben. In diesem Jahr begeht der Rathauschef die finalen Faschingstage „2 in 1“, denn nur einen Tag zuvor, am Rosenmontag, feierte er seinen Geburtstag.
Vereine stemmen Versorgung
Es ist laut, fröhlich, feucht und in Punkto Optik komplett drüber. An den Ständen von CSU, UBH, SPD, Grüne oder FDP tummeln sich elfenhafte Feen mit Einhörnern, Matrosen und bunten Vögeln, gerne sehr knapp bekleidet. Auch der verrückte Hutmacher hat es aus Alice Wunderland nach Haar geschafft oder Rotkäppchen, genauso der 80er-Jahre Vokuhila und diverse Raubkatzen mit Polyester-Mähne, ob direkt aus dem Dschungel oder der Großstadt bleibt der eigenen Vorstellungskraft überlassen. Für den Getränke- und Essensnachschub und Menschtrauben sorgen neben Haars Freiwilliger Feuerwehr, die Disciples, die Schützengesellschaft und der Vorstand der Griechischen Gemeinde Apostolos Kotsis. Überall stehen schillernde Gestalten, starten eine Polonaise, fallen sich in die Arme und bejubeln den Auftritt der Kirnarra – mit zunehmend glasigen Augen. Es hat etwas von Klassenfahrt 2.0. Kein Wunder, wenn da hier und dort das Dach abhebt, wobei das auch mit dem Wolkenbruch inklusive zapfigen Schneeregen und heftigen Windböen in Zusammenhang steht, der gegen 18.30 unerbittlich den Kehraus ankündigt. Aber in Bayern allgemein und in Haar im Besonderen geht ja „a bisserl ollaweil“, daher lautet das abendliche Maschkera Motto kurzerhand: „Singing and dancing in the rain.“
Maschkera – eine uralte Tradition
Nach einem Döner oder Burger und einem bis mehreren Gläschen Prosecco lässt sich offenbar wunderbar über den Begriff „Maschkera“ philosophieren. Seinen Ursprung hat er in „Bella Italia“, und bedeutet Maske. Irgendwann kommt Maschkera über Tirol ins Werdenfelser Land. Vor allem in Mittenwald verfestigt sich der Brauch von Sonntag nach den Heilig Drei Könige bis zum Faschingsdienstag „Maschkera zu gehen“. Traditionell handelt es sich um reine Männersache. Die Holzlarven, mache freundlich andere sehr düster blickend, sind jahrhundertealte und in Familien über Generationen vererbten Masken. Männer verstecken ihr wahres Antlitz, verstellen sogar ihre Stimme und verändern ihre Gestik. In Horden ziehen die Maskenträger durch die Straßen und tanzen mit jungen Frauen. Die „Schellenführer“ führen das Spektakel am unsinnigen Donnerstag mit dem letzten Schlag der Mittagsläutens an und begleiten Bärentreiber, Tanzpaare und Jacklschutzer. Angler halten ihre die „Ruten“ (Haselnussstöcke) mit Schokolade in die Menge, die sich Kinder schnappen können.
Für Sie berichtete Manuela Praxl.













































































