Petition des Elternbeirats ohne Wirkung

Kategorie: Schulen

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Großer Unmut an der Haarer Jagdfeldschule

Zwei Klassen – einfach weg

Die Wut ist groß. Rund eine Woche vor Schulbeginn erhalten die Eltern der Kinder der letztjährigen Klassen 1f und 3f der Grundschule an der Jagdfeldschule, die Nachricht über die Auflösung ihrer Klassen: „Bei uns haben sich viele Eltern gemeldet, die sich sehr hilflos, fast ohnmächtig fühlen. Eine Mutter erzählte uns, dass ihr Kind die ganzen Sommerferien davon sprach, wie sehr es sich freut, Herrn Kempf dann in der 2f wieder zu sehen“, berichtet Conny Rittge, Vorsitzende des Elternbeirats, vom Ohnmachtsgefühl der Betroffenen. „Für uns Eltern ist diese neue Nachricht eine Katastrophe“, sagt eine Mutter stellvertretend und fragt: „Wie können die Kinder der Pandemie in so übervollen Klassen sinnvoll betreut und unterrichtet werden? Viele aktuelle Studien zeigen, dass gerade die heute Neunjährigen am stärksten unter der Pandemie gelitten haben und jetzt sollen wieder diese Kinder benachteiligt werden?“

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Lösung um jeden Preis

Die eilig eingereichte Petition zeigt keinerlei Wirkung. In diesem Fall bedeutet das für die neuen fünf zweiten Klassen eine Klassenstärke mit bis zu 28, in den vierten bis 27 Schülern. Möglich sei das nur, weil für das kommende Schuljahr bewusst eine Regelung ausgesetzt sei, kritisiert der Elternbeirat. Normalerweise sehe die Regelung in Jahrgangsstufen eine Klassenteilung bei mehr als 25 Schülern und einem Migrationsanteil von mehr als 50 Prozent vor. „In der Jagdfeldschule liegt der bei über 60 Prozent“, klagt der Elternbeirat. Hinzu komme der ständige Lehrerwechsel in zwei der vierten Klassen: „Wie sollen denn die Kinder bestmöglich auf den Übertritt vorbereitet werden, wenn sich jetzt zusätzlich zum erneuten Lehrerwechsel auch noch der Klassenverband ändert?“, fragt sich der Elternbeirat sorgenvoll. Schulleiterin Carolin Friedl sind die Hände gebunden: „Wir haben uns nicht gefreut, denn es ist einfach keine Situation, über die man sich freut.“ Es sei aber ihre Aufgabe, die Weisung bürokratisch umzusetzen: „Wir müssen versuchen, gegebenenfalls darauf pädagogisch zu reagieren und schauen, wo wir ansetzen müssen, um das Beste für die Kinder leisten können.“

„Kinder und Lehrer sind keine Spielfiguren. Von den Kindern wird seit der Pandemie erwartet, dass sie flexibler als manche Erwachsene sind und alles stillschweigend ertragen. Wann wird ihre Lobby endlich so groß sein, dass die Politik ihre Versprechen einhält und die Rechte der Kinder wahrt?“

Mutter eines betroffenen Kindes

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Die hilflose Empörung der Eltern

„Sicher hat unsere Schulleitung versucht, jedem Kind gerecht zu werden, soweit es ging. Aber es macht schon traurig zu sehen, wie man mit unseren Kindern umgeht“, macht sich Elternbeirätin Sarah Schottlaender Luft: „Da werden nur Zahlen und Quoten gesehen. Was aber so ein Umgang mit unseren Kindern macht und in ihnen auslöst, wenn plötzlich und ohne Vorwarnung der beliebte Lehrer oder die Lehrerin weg ist, sie einfach so nicht mehr mit den Freunden in einer Klasse sind, sie sich nicht verabschieden konnten, darüber macht sich niemand Gedanken.“ Eine weitere Mutter findet klare Worte: „So eine Entscheidung ist absolut unverständlich, schließlich geht es um die Ausbildung unserer Kinder, um Chancengleichheit, die nächste Generation und Zukunft unseres Landes. Es sind Kinder und keine Bauklötze, die man mal eben in eine neue Schachtel sortiert!“ Eine andere bestätigt: „Kinder und Lehrer sind keine Spielfiguren. Von den Kindern wird seit der Pandemie erwartet, dass sie flexibler als manche Erwachsene sind und alles stillschweigend ertragen. Wann wird ihre Lobby endlich so groß sein, dass die Politik ihre Versprechen einhält und die Rechte der Kinder wahrt?“

Genaues Hinsehen gefordert

Carolin Friedl indes will nun genau auf die Bedürfnisse der Kinder schauen: „Ein „Zuviel“ gibt es im Endeffekt nicht, aber die Personalsituation ist eben so, dass wir uns darauf einstellen müssen und entsprechend in den kommenden Wochen schauen müssen, wie es sich einpendelt, wo Bedarf besteht und Themen, die aufkommen, zu reagieren.“ Die Schulleiterin halte es aber für schwierig, bereits jetzt Probleme zu prognostizieren, die vielleicht gar nicht entstehen: „Zu sagen, du kommst in eine andere Klasse und das macht Schwierigkeiten, halte ich für den falschen Ansatz.“ Friedl setzt nun auf die hohe Anpassungsfähigkeit der Kinder: „Ich möchte es nicht schönreden, aber Kinder stellen sich meist sehr schnell auf neue Situationen ein. Wir haben versucht, die Kinder mit ihren engeren Freunden zusammen auf die Klassen zu verteilen und sie sind im Hort oder in Religionsgruppen mit ihnen zusammen.“ Ein Kind zieht nach der Aufregung eine erste Bilanz: „Ich bin zwar in einer guten neuen Klasse, habe aber keine Freunde.“

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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