15 Jahre Bürgerstiftung – Bewegender Abschied von Jürgen Partenheimer

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„Mr. Bürgerstiftung“ Jürgen Partenheimer verabschiedet sich.

15 Jahre Bürgerstiftung

„Es war mir eine Ehre“ – Bewegender Abschied von Jürgen Partenheimer

Der Lotse geht von Bord und verlässt mit Wehmut ein intaktes, starkes und zuverlässiges hochseetaugliches Rettungsschiff.“ Jürgen Partenheimers Stimme, die im anhaltenden Applaus des vollen Bürgersaals untergeht, verrät seine Rührung. „Ich wollte als Bürger, der sich mit seiner Frau und Familie seit über 50 Jahren in dieser wunderbaren Stadt außerordentlich wohlfühlt, etwas an den Ort zurückgeben, denn ich glaube an die Kraft der Gemeinschaft. Ich hatte das Gefühl immer ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein“, beantwortet der 88-Jährige „Mr. Bürgerstiftung“ die oft gestellte Frage nach der Motivation mit drei weiteren engagierten Bürgern, Helmut Dworzak, Hans Stießberger und Wolfgang Weber, 2010 die Bürgerstiftung ins Leben zu rufen und als Primus inter pares („Erste unter Gleichen“, Repräsentant einer Gruppe Gleichberechtigter) voranzugehen: „Es lag mir sehr am Herzen wichtige gesellschaftliche Beiträge zu leisten. Das erfüllt mich bis zum heutigen Tag und daran wird sich nichts ändern.“

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Vom Fulltimejob in die „GmbH Sigrid“, Herzensprojekte und tiefe Dankbarkeit

Jürgen Partenheimer blickt anlässlich der 15-Jahr Feier der Bürgerstiftung auf das Wirken der Einrichtung zurück und nennt Highlights, darunter das von Ute Dechent ins Leben gerufene Projekt „Kindern Chancen geben“, um Kinder der Grundschulen und Mittelschule zu fördern, die Unterstützung zur nachhaltigen Verbesserung der Palliativversorgung im Maria-Stadler-Haus, das Beratungsbüro für Senioren mit hilfreichen Angeboten und das Café Evergreen von Monika Malinowski. Sein Dank gelte unter vielen anderen Harald Lesch „Du hast sehr viel Gutes für unsere Stiftung getan und ich bitte dich es auch weiterhin zu tun“, Bürgermeister Andreas Bukowski und seinen Vorgängern, Gabriele Müller und Helmut Dworzak. Sichtbar bewegt spricht Jürgen Partenheimer von seiner Ehefrau Sigrid: „Ohne dich wäre es mir nicht möglich gewesen meinen Ruhestand durch einen Fulltimejob zu ersetzen.“  Er wechsle nun in die „GmbH Sigrid“: „Geh mal, mach mal, bring mal, hol mal“, meint Jürgen Partenheimer mit einem Augenzwinkern, bevor seine Stimme bricht: „Es war mir eine Ehre, es war einfach wunderschön.“

 

Der Möglichmacher von Haar

„Jürgen Partenheimer ist einer der Menschen und hier wird’s pathetisch – ich kann es nicht ändern, da müssen sie jetzt durch – davon würde ein „Mehr“ guttun.“ Sichtlich und hörbar ergriffen würdigt der bekannte TV-Moderator Harald Lesch in seiner Laudatio Jürgen Partenheimer: „Er ist ein Possibilist. Das sind Menschen, die etwas möglich machen, die nach Optionen schauen, die nicht pessimistisch sind oder aufgeben, sondern im Gegenteil sich fragen, was sie machen, was sie tun können. Kompromisse sind für ihn keine Niederlagen, sondern der Kit der Gesellschaft. Aber vor allem ist er mein Freund.“

Jürgen Partenheimer (m) umringt von der Vorstandschaft der Bürgerstiftung, darunter Laudator Harald Lesch (li.)

Ich wollte als Bürger, der sich mit seiner Frau und Familie seit über 50 Jahren in dieser wunderbaren Stadt außerordentlich wohlfühlt, etwas an den Ort zurückgeben, denn ich glaube an die Kraft der Gemeinschaft. Ich hatte das Gefühl immer ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

Jürgen Partenheimer

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Kurs halten ohne Eitelkeit

Zunächst, so gibt der Wissenschaftskommunikator zu, wisse er nicht, wie er „in diese Laudatio“ hineinkomme solle, denn Lob interessiere Jürgen Partenheimer nicht: „Er hat einen inneren Kompass, der ihn unabhängig von äußeren Wirkung Kurs halten lässt. Das macht ihn zu einer ganz besonderen Person. Jürgen ist anständig, zuverlässig, sorgfältig und korrekt: Das sind vier Windrichtungen, wenn es um sein öffentliches Leben und Wirken geht.“ Lesch erinnert an einen „legendären“ Satz von Jürgen: „Ins Rathaus gekommen bin ich als ehemaliger Vorstandsvorsitzender einer genossenschaftlichen Bank, gegangen bin ich als Fahrer vom Haarer Tisch“. Da müsse „man schon lange suchen einen ehemaligen Bankier Kisten schleppen zu sehen“, betont Lesch. Jürgen Partenheimer, ehemaliger Vorstandsvorsitzender einer genossenschaftlichen Bank, entspreche keinem Klischee und keiner Vorstellung. Er sei kein Banker, sondern Bankier: „Ein Mann mit vielen Fähigkeiten, höchster Disziplin und größter Umsicht, ein Mann, der die Dinge gerne selbst und umfänglich in der Hand hat.“

 

Die Kunst des sanften Steuerns

Lesch, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, wundere sich immer noch über Jürgen Partenheimers „legendäre“ Art Sitzungen, die unabhängig von der Fülle der Tagesordnungspunkte stets pünktlich endeten, zu leiten. „Mir ist völlig schleierhaft, wie er das gemacht hat. Selbst um unmögliche Punkte herumzukommen, so dass wir alle das Gefühl hatten, es ist genau das passiert, was wir wollten und wir uns keine Sekunde dachten, es könnte auch anders sein.“ In seinem Tun sei Partenheimer die personalisierte soziale Marktwirtschaft, ein „Gentleman der alten Schule“: „Markt und Wirtschaft ja, aber eben auch sozial für alle mit möglichst vielen.“ In Zeiten der “überbeschleunigten, digitalen, medial aufgeheizten Gesellschaft“, die „hysterisch von einer zur nächsten Krise“ rase und „wie ein kleines Kind alles mit sich“ reiße, vor allem „Stabilität, Friede und Freiheit einer demokratischen Gesellschaft“, sei Jürgen Partenheimer stets der Fels in der Brandung. „Würden wir uns alle so in den Dienst der Allgemeinheit stellen, müsste wir um unser Gemeinwesen nicht bange sein.“ Es gebe die, die es Solidarität nennen, andere Nächstenliebe: „Für Jürgen Partenheimer ist es der Treibstoff.“

 

Die Bürgerstiftung: Ein paar Zahlen

Im November 2010 startet die Bürgerstiftung mit einem Kapital von 254 000 Euro, inzwischen beträgt das Stiftungsvermögen 4,3 Millionen Euro, unter anderem ist das drei Erbschaften zu verdanken. Bisher haben Haarer Vereine und Einrichtungen von rund 1,1 Millionen Euro profitiert, neben den Projekte für Kinder und Jugendliche an Schulen und Senioren im Bereich „Palliative Care“, insbesondere Menschen in Notlagen, das Blaue Kreuz, die Feuerwehr, das Schultheater am Ernst-Mach-Gymnasium, „Haar zum Anbeißen“ oder die „Parkwildnis“ an der Gronsdorfer Straße. Jürgen Partenheimer leitet in diesen Jahren 750 Arbeitssitzungen und rund vierzig Zusammenkünfte von Vorstand und Kuratorium, dazu kommen ungezählte Gespräche mit Spendern und Zustiftern. „Das A und O der Stiftungsarbeit ist der persönliche Kontakt“, betont „Mr. Bürgerstiftung“ bis heute, der nicht ganz ablassen kann: „Ich bin gerne bereit der Stiftung weiterhin mit meiner Expertise zu unterstützen.“

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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