Ein grandioses Spektakel zum ersten Jahrestag der Stadt Haar: Der Tanz der Schäffler!
Schwarze Nasen bringen Glück
Dicht an dicht stehen mehr als 3000 Haarer vor dem Gasthof zur Post und warten gespannt, ratschend und lachend auf das Highlight der Feier zum ersten Jahrestag nach der Stadterhebung. Der freie Kreis in der Mitte verkleinert sich zunehmend, denn immer mehr drängeln sich Kinder aufgeregt nach vorne. Die Münchner Schäffler „are in town“! Nach ihrer Ankunft müssen sich die Tänzer zunächst den Minimalplatz für ihre besondere Tanzeinlage verschaffen. „Wir sind mit so einer Freude und Energie empfangen worden, das war unbeschreiblich schön“, strahlt Tänzer und Reifenschwinger Stefan Schiedermeier. Klar, sei das nicht mit dem Marienplatz in München vergleichbar, meint der Schäffler: „Aber in Haar war es ein ganz besonderer Auftritt. Es war enger und intimer, mit so einer positiven Reaktion, dass jedem das Herz aufgehen muss, der hier dabei sein durfte.“ Auch Bürgermeister Andreas Bukowski freut sich eher sicht- als hörbar über begeisterte Menschenmenge. Er muss bei seiner Ansprache gegen das minutenlange Kirchenläuten konkurrieren.
Und ein Haarer tanzt mit
Quasi hautnah kann das Publikum die historischen Tänze verfolgen. 25 Tänzer in traditioneller Kleidung, formen rhythmisch zu bestimmten Liedern der 15 Musiker, mit den verbindenden Buchsbaumbögen unterschiedliche Figuren wie „Kreuz“, „Laube“, „Schlange“ und „Krone“. Ein oder mehrere Kasperle springen dabei immer wieder unvorhergesehen ins Publikum und schwärzen mit Farbe die Nase von Groß und Klein. Es handelt sich um eine begehrte Markierung, denn sie soll Glück bringen. „Das Herausfordernde ist der Schritt. Nach zwei normalen Schritten folgt das Schlürfen. Den muss man verinnerlichen. Danach kann man sich auf die Choreografie konzentrieren“, erklärt Schiedermeier, der auf eine lange Schäffler-Tradition in der Familie blicken kann. Bereits dessen Ur-Urgroßvater beweist vor 152 Jahren als Mitglied im Fachverein der Schaeffler München seine tänzerischen Fähigkeiten: „Mein Urgroßvater mütterlicherseits hat es weitergeführt, war 1914 und 1921 Vortänzer und meine Mutter war 1949 als Siebenjährige und 1956 das Münchner Kindl, denn wir haben ja unser eigenes Mönchlein mit dabei.“ Schäffler müsse heute allerdings niemand mehr sein. Jeder sei im Verein willkommen, der „das Herz am rechten Fleck und Spaß an der Tradition hat“, so Schiedermeier: „Matthias Fürst, Leiter im Haarer Bauamt, ist Mitglied bei uns. Er hat sich durch die vielen Tanzroben durchgekämpft, es toll gemeistert und ist jetzt ein fester und wichtiger Bestandteil unserer Gruppe.“
Jahrhunderte alte Tradition
Der Schäfflertanz, von Generation zu Generation weitergegeben, gehört zu den ältesten Volkstänzen in München. Nach einer Legende datiert der erste Auftritt der Schäffler auf das Jahr 1517 während einer Pestepidemie. Damals sind es die Fassmacher (Schäffler), die tanzend durch die Straßen ziehen, um den Menschen Mut zu machen. Seither stehen sie für Zuversicht und Fortbestand in herausfordernden Zeiten. Heute gilt der Tanz, den nur alle sieben Jahre zwischen Heilig Drei König und Faschingsdienstag stattfindet, als Ausdruck für den Zusammenhalt und Brauchtumspflege. Am Höhepunkt der närrischen Saison endet traditionell der letzte Tanz mit dem symbolischen Zerbrechen des Fass-Reifens und den Worten: „Der Reifen hat gekracht, der letzte Tanz ist vollbracht“.
Für Sie berichtete Manuela Praxl.































































































