Ein Experiment, das aufgeht: die Haarer strömen zu ihrem Weihnachtsmarkt.
Haar kann mehr
Ja – es stimmt: Weihnachtsmärkte haben selten etwas mit der romantisch-frohlockenden Vorstellung glücklicher Kinderaugen, glühweinseliger Eltern und tiefenentspannter Großeltern in einem verträumten Bergdorf zu tun, wo pünktlich zum Glockenschlag der Schnee leise zu rieseln beginnt. Vielmehr geht es bei dem „Bratwurst, Glühwein und Zimtstern“- Vergnügen meist um Kommerz. Aber Hand aufs Herz: Es macht trotzdem Spaß, mit den Kumpels oder Mädels klappernd herumzustehen und die Füße wegen der Bodenkälte bereits nach 30 Minuten nicht mehr als lebende Körperteile identifizieren zu können. Allseits bekannt hilft da nur eine Medizin: Glühwein, hoch dosiert. In Haar gerne auch als Glögg. Hinter dem niedlichen Namen verbirgt sich seit Jahren die schwedische Version eines Glühweins, den der Verein hand in hand am Rentierstand ausschenkt. Das Getränk hat es in sich. Muss ja, wissen Kenner, schließlich kann der schwedische Winter was. Dort fallen die Temperaturen gerne in den Eiskeller. Ein schöner Nebeneffekt bei Überdosierung stellt sich ebenfalls ein: die Nordlichter leuchten strahlend und die Aussprache nähert sich der Perfektion, bescheinigt ein Besucher lachend.
Schlaraffia schlägt zu
Im Jahr I des nun zweitägigen Weihnachtsmarkts, strömen die Haarer auf den Kirchenplatz und „arbeiten“ sich von Stand zu Stand vor. Wer sich gerade jetzt im vorweihnachtlichen Fasten übt, um ins schicke, figurbetonte Kleid unter dem Weihnachtsbaum zu passen, muss vor der eigenen Willensstärke passen. Das breite kulinarische Angebot lockt unwiderstehlich mit seinen aromatischen Düften und lässt jede Abnehmspritze einknicken. „Guten Appetit!“ Als unbeabsichtigtes Highlight entpuppen sich die Strohballen vor der lebendigen Krippe, die dort steht, wo im Frühling das Gekühlte ordentlich fließen soll: im Biergarten. Mangels Schnees kommt es unter den Bäumen zur ausgelassenen Strohschlacht. „Das ist total super und meine Hände sind gar nicht kalt“, erklärt Lukas, bevor er weiterstürmt, um Marie mit Halmen zu bombardieren.
Großeinsatz für Vereine
Ob der TSV, die Griechische Gemeinde oder die BVO: Seit Jahren stemmen hauptsächlich Vereine den „Pop-up Weihnachtsmarkt“ in Haar und backen, braten, brutzeln und basteln, um ihre Stände zu bestücken. Dazu steht die Freiwillige Feuerwehr Haar jedes Jahr mit ihrem Oldtimer bereit und bietet Fahrten in dem nostalgischen Gefährt durch die Stadt. Von jeher bedeutet der Markt für alle Freiwilligen einen enormen Aufwand: „Auch deshalb ist es schön, wenn wir jetzt ein ganzes Wochenende auf unserem Weihnachtsmarkt feiern können“, sagt der bekennende Weihnachtsmarkt-Fan Bürgermeister Andreas Bukowski. Allerdings liegt der Schwerpunkt des Angebots hauptsächlich auf Verzehrbares: „Viele Leute schauen zwar Selbstgefertigtes gerne an, sie kommen, um zu bummeln, kaufen aber doch eher kommerzielle Dinge zu Weihnachten“, heißt es aus mehreren Ständen. Am Stand des kbo gehen dennoch einige handgefertigte Gegenstände, darunter Krippen, über die „Ladentheke“.
Kann Haar zwei Tage Weihnachtsmarkt?
Die Premiere des Zweitages- Markts funktioniert. Das Treiben spiegelt mit seiner beinahe ausgelassenen Atmosphäre den Charakter der Stadt. Ganz offenbar ist unter den Haarern das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Geselligkeit größer als die Jagd nach Geschenken.
Für Sie berichtete Manuela Praxl.













































