Die letzte Sitzung des Stadtrats vor der Sommerpause hat es in sich.
Einer der wichtigsten Tagesordnungspunkte dreht sich um den vieldiskutierten Schulcampus im ehemaligen MSD-Gebäude. Dort sollen eine Fachober- und einer Realschule unterkommen. Nicola Tauscher-Meriç, Schulleiterin der Fachoberschule in der Hans-Pinsel-Straße, schildert den Zustand der aktuellen Räumlichkeiten als ein zum Teil baufälliges Provisorium mit mehreren Wasserschäden und plädiert für einen Umzug. Schule sei schließlich ein Ort, wo Demokratiebildung und Herzensbildung stattfinde. Eine Unterbringung der weiterführenden Schulen unter einem Dach, biete viele Vorteile für Schüler.
Schulcampus ja, nur im Weg dorthin scheiden sich die Geister
Im Gremium sind sich alle einig: Haar braucht einen Schulcampus. So sieht Haars CSU-Fraktionschef Dietrich Keymer die dringende Notwendigkeit rund 50 Jahre nach Eröffnung des Ernst-Mach-Gymnasiums eine „vollständige Schullandschaft“ zu schaffen: „Das ist eine einmalige Chance und trotz aller Schwierigkeiten im Interesse zukünftiger Generationen, die davon profitieren. Insofern ist es eine historische Entscheidung.“ Thomas Fäth, SPD-Fraktionschef, stimmt in Sachen Bedarf zu, warnt aber zum einen vor den Kosten, zum anderen sei vor allem der Standort falsch: „Das Grundstück Eglfing liegt perfekt für Gewerbe, da verschlechtern wir uns.“ Keymer hält die Argumentation für veraltet: „Wir haben die Chance vorhandene Bausubstanz neu nutzen zu können, das ist nachhaltig und wird günstiger.“ Ulrich Leiner (Die Grünen/Bündnis 90) betont: „Wir haben uns bereits vor den vergangenen Kommunalwahlen für das Angebot aller Schularten von hoher Qualität ausgesprochen.“ Auch Peter Siemsen (FDP) wirbt dafür die „Chance zu ergreifen“: „In dieser Größenordnung werden wir niemals ein solches Projekt für dieses Geld realisiert bekommen. Es wäre fatal uns heute dagegen zu entscheiden.“ Martin Metzger (UBH) gefällt vor allem der Nachhaltigkeitsgedanke, hingegen Peter Schießl (SPD) nochmals unterstreicht: „Der Platz hat nicht die Eignung auf lange Sicht.“ Schießl kritisiert in diesem Zusammenhang unvorhersehbare Kosten durch den bereits existierenden Bau und verweist auf das „100 Tage Programm“ der CSU vor der letzten Kommunalwahl: „Schon da war der Campus angekündigt, bisher ist nichts passiert, das ist ein Schnellschuss.“ Schlussendlich gibt es von der Mehrheit grünes Licht für den Schulcampus mit 24 zu sechs Stimmen.
Nicht um jeden Preis
Ein weiteres heißes Eisen ist die Kita, die am Wieselweg entstehen soll. Dieses Mal sorgt Keymers Antrag bei den Außenanlagen zu sparen und eine Obergrenze festzusetzen für Gesprächsstoff. Konkret betrifft das beispielsweise deutliche Einsparungen bei den Spielgeräten. Laut Keymer müsse in der öffentlichen Verwaltung „design to cost“ (Produkte mit einem definierten Kostenziel zu gestalten, ohne die Qualitäts- oder Funktionalitätsverlust) wie in der Industrie möglich sein. Mike Seckinger (Die Grünen) sieht das problematisch, außerdem bei dem vorgesehenen Platzbedarf der Außenfläche, den Wegfall der Spielfläche für den Abenteuerspielplatz. Es gebe bereits Gespräche über die Bedingungen einer Ausbaufläche mit dem betroffenen Jugendzentrum Dino, so Bürgermeister Andreas Bukowski. Für Fäth und Schießl (SPD) ist der geplante einstöckige Bau weiterhin nicht nachvollziehbar: „Wir brauchen Kitas, aber nicht so, wie es hier umgesetzt wird. Das geht zu Lasten anderer. Und von Qualität brauchen wir hier nicht mehr zu reden.“ Metzger (UBH) dagegen bereiten die hohen Kosten für eine PV-Anlage Kopfzerbrechen: „Wir sollten die Kosten für ein Gebäude und PV-Anlage als Gesamtpreis sehen. Es gibt sehr unterschiedliche Angebote, eine Obergrenze halte ich für nicht zielführend.“ Siemsen (FDP) jedoch hat Schwierigkeiten die Verwaltung „ohne Orientierungswert loszuschicken, um dann zu schauen: Wollen wir das oder nicht?“ Trotz aller Bedenken beharrt Keymer (CSU) auf seinem Standpunkt. Das Gremium entscheidet sich knapp gegen den Antrag.
Stand Gestaltung der neuen Leibstraße
Das Mammutprojekt schreitet voran, um nach Beschluss, den Förderantrag stellen zu können Die aktualisierte Pläne weisen eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität in vier Bereichen aus, dazu die Verschiebungen der Stellplätze. Sichtbar ist nun auch die angedachte Baumsituation, welche im Bestand bleiben können und welche neu dazukommen sollen. Unterm Strich sollen es mehr Bäume als bisher sein. Außerdem geht es um die Höhenplanung, die für einen Niveauausgleich von Haus zu Haus nötig ist. Die Fahrbahnverschmälerung auf 6,50 Meter macht eine behindertengerechte Überquerung möglich, vor der Stadtbücherei ist ein Aufenthaltsbereich mit Leselandschaft vorgesehen.
Luft nach oben
Für die Radlfahrer sieht es in Haar ziemlich gut aus. So darf sich die Stadt über eine Auszeichnung in Silber vom ADFC freuen. Der bescheinigt der Stadt ein fahrradfreundlicher Arbeitgeber zu sein. Allerdings gibt es noch Verbesserungspotenzial bei den Radwegen. Die seien oft zu schmal und wer kritische Stellen wie Baustellen passieren muss, lebe gefährlich. Hier müsse Haar nachlegen, um für eine sichere Infrastruktur zu sorgen.
Für Sie berichtete Manuela Praxl.












