Podiumsdiskussion der VHS: Fünf Kandidaten ringen um dem Chefsessel im Rathaus

Kategorie: Vereine

Jetzt teilen:

Fünf Kandidaten stellen sich zur Wahl: v.l.n.r.: Peter Schießl (SPD), Ulrich Leiner (Grüne), Peter Siemsen (FDP), Andreas Bukowski (CSU) und Christoph Rätscher (AfD).

Wer kann Bürgermeister?

Tacheles reden – das wollen alle fünf zur Wahl stehenden Bürgermeisterkandidaten und Diskussionsteilnehmer und die Gelegenheit nutzen ihre Sichtweisen auf verschiedene Themen deutlich zu machen. In einer Sache aber sind sich vier der fünf einig: Demokratie mit allen Facetten und Werten müsse bunt bleiben und dürfe Rechtsextremismus, Spaltung, Ausgrenzung und Rassismus keine Chance geben. „Demokratie bedeutet frei wählen zu dürfen, das gilt es zu wahren. Wir sind eine lebendige Gemeinschaft, die so bleiben soll. Das, was Christoph Rätscher verbreitet, ist auf vielfältige Weise schädlich für den Standort“, positioniert sich Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) unmissverständlich. Auch Peter Siemsen (FDP) betont Demokratie und Freiheit müsse jedem etwas wert sein: „Wir müssen aus der Geschichte endlich gelernt haben. Derzeit passieren wieder Dinge, die ich sehr bedenklich finde.“ Ulrich Leiner (Grüne) will sich für eine weltoffene pluralistische Gesellschaft stark machen: „In der jeder so leben darf, wie es sein Lebensentwurf vorsieht. Menschenwürde ist unantastbar.“ Auch Peter Schießl (SPD) fordert ein klares Bekenntnis gegen jede Form von Rassismus und Faschismus: „Demokratie ist die Grundlage unseres Zusammenlebens. Wir müssen alles tun für ein friedliches und solidarischen Zusammenleben in unserer Gesellschaft.“ Christoph Rätscher (AfD) indes will auf die “Beleidigungen“ nicht eingehen und kündigt an: „Wir ziehen mit 13 bis 15 % in den Stadtrat ein und das ist gut so.“

Notwendige Unterbrechung
Nicht nur dafür erntet Rätscher laute Buhrufe aus dem Saal. Knapp 500 Teilnehmer, darunter viele, die ihre Haltung durch eindeutige Slogans auf ihren Sweatshirts wie „Fuck Nazis“, „Haar ist bunt“ oder „Nie wieder ist jetzt“ bekennen. Rund 400 weitere verfolgen das Geschehen per Livestream. Je zwei Minuten Zeit hat jeder Teilnehmer die Fragen zu Umwelt, Wirtschaft, Soziales, Kultur oder Bauen und Verkehr von Bernhard Lohr (Süddeutsche Zeitung) und Günter Hiel (Münchner Merkur) zu beantworten. Lohr kündigt an im Zweifel den Faktencheck zu bemühen. Doch nur kurz nach Beginn der Veranstaltung unterbricht VHSLeiterin Lourdes María Ros de Andrés, da mindestens eine Person unter den Zuhörern, die vermutlich zu Rätschers Anhängern zählt, nicht nur die Podiumsdiskussion, sondern auch das Publikum filmt. Wegen des Personenschutzes ist das jedoch untersagt. Nach kurzem Gespräch mit den Diskutanten, geht Rätscher im Zuschauerraum zu verschiedenen Personen, um sie offenbar entsprechend zu instruieren.

Werbung

Zu wenig Zeit
Unstrittig ist der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen, strittig hingegen, wie der entstehen soll. Schießl will Wohnungen in der Johann-Strauß-Straße weiter in Händen der Stadt wissen, denkbar seien auch Wohnungstausche und prangert massive Mietsteigerungen in stadteigenen Wohnungen an. Bukowski hingegen spricht von einer notwendigen Maßnahme mangels Rücklagen. Leiner sieht in der Sanierungsbeschleunigung leerstehender Wohnungen eine Lösung. Deutlich enger liegen vier Kandidaten in Sachen Umwelt beieinander und sprechen sich für mehr alternative Energie aus. Nur Rätscher sieht es anders: „Klima kann man nicht schützen. Wir sagen Umweltschutz ja und Naturschutz ja, aber PV und Windräder bringen nichts, gehen aber bei Geothermie mit und pflanzen gerne ein paar Bäume. Alles andere ziemlicher Nonsens.“ Manch einer überzieht die 120 Sekunden, andere, wie Bukowski, packen dafür viel mehr Wort in den Zeitrahmen, wenn es, darum geht den klammen Geldbeutel der Stadt darzulegen: „Möglicherweise sollten wir nicht nur die Redezeit, sondern auch die Redegeschwindigkeit begrenzt werden“, meint Leiner dazu. Leiner und Schießl sehen Haars Finanzlage deutlich positiver, während Siemsen und Bukowski auf das Abschmelzen der Rücklagen und auf die Schlüsselzuweisungen als eine der finanzschwächsten Kommunen im Landkreis hinweisen. An dieser Stelle kritisiert Leiner die Haltung und fragt Bukowski, wie er mit dem Bild eines sinkenden Schiffs Investoren gewinnen wolle.

Noch einmal zu Wort
Abschließend stellt Bukowski fest: „Ich habe mir mehr Diskussion gewünscht, heute waren es nur Schlaglichter. Bürgermeister müssen aus bestimmtem Holz geschnitzt sein. Die Menschen können sich darauf verlassen, dass ich mich für Haar einsetze.“ Leiner stehe für eine grüne und künftig klimaneutrale Stadt, die die Vielfalt zusammenhalte und appelliert: „Nehmen sie die Diskussion mit nachhause und sprechen sie mit Freunden und in der Familie darüber.“ Rätscher betont, er stehe für Pragmatismus: „Nicht für Ideologien und Symbolpolitik. Remigration ist notwendig, um Kommunen zu entlasten.“ Schießl will an die Grundlagen ehemaliger SPDBürgermeister anknüpfen: „Ich stehe für Visionen, klare Ideen. Ich stelle den Menschen in den Mittelunkt, will allen die Teilhabe ermöglichen und niemanden ausgrenzen für die Zukunft unserer Kinder.” Siemsen stellt klar: Wir brauchen starke Ideen für das Gemeinwohl unabhängig vom Parteibuch. Da brauchen wir alle, kreative Denker, wie Handwerker. Gemeinsam ist mein Motto.“

Werbung

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

Jetzt teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Vereine

Böllerschützen verabschieden das erste Jahr als Stadt

Vereine

Weihnachtsbaum in Salmdorf

Vereine

Hospizkreis Haar

Vereine

Laternenumzug des FAM: ein Klassiker neu aufgelegt

Im Blickpunkt:

he-haar-jahresgespraech-2021
Aktuelles, Mitteilungen aus dem Rathaus Haar

Rückblick, Ausblick und eine persönliche Bilanz

Bürgermeister Andreas Bukowski mit IKOS Verlagsleiter Heiko Schmidt im Jahresgespräch Bürgermeister Andreas Bukowski im Jahresgespräch…
he-haar-radiomacher-emg-2021
Schulen

Radiogruppe des EMG gewinnt ersten Preis

„Mach dein Radio“ mit großem Erfolg: die Radiomacher am EMG Mach Radio – EMG On…

Zufällig interessant?

Unterführung am Grondorfer S-Bahnhof mehrtägig gesperrt

Lärmschutzwand wird geschlossen Die Gronsdorfer dürfen sich bald über einen besseren Lärmschutz freuen. In der Woche vom 19. bis zum…

Neueste Meldungen:

Kinder & Jugend

Jugendversammlung in Haar

Nachruf

Altbürgermeister Hans Wehrberger verstorben

Veranstaltungen

Gasthof zur Post

Werbung

Haarer-Echo-Nachrichten-und-Aktuelles-aus-Haar-Gronsdorf-Salmdorf-Ottendichl-Online-Werbung

Ihre Online-Werbung auf haarer-stadt-echo.de

weitere Infos