Vier Frauen, ein Gedanke: FrauenForum Haar

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Mit großem Interesse verfolgen im kleinen Bürgersaal Frauen das erste Frauenforum.

Starke Stimmen, gemeinsames Netz

„Kaffee ist gut“, „Klatsch auch“ aber im „Kleinen Bürgerinnensaal“ geht es um deutlich mehr. Vier Frauen, Astrid Herrmann, Sabine Getz, Claudia Koller und Ulrike Girardet wollen mit ihrem neu gegründeten FrauenForum eine besonders weibliche Note in die Stadt bringen. „Lasst uns laut sein und auf die Trommel hauen. Wir Frauen machen die Hälfte der Menschen aus, aber in der Politik sind wir noch nicht die Hälfte der Beteiligten“, begrüßt Astrid Herrmann die Anwesenden. So einfach wie deutlich ist das Motto: „Miteinander und Füreinander“. Ganz offensichtlich ist der Bedarf einer solchen Begegnungsstätte groß, denn bereits zum Kick-off versammeln sich etwa 45 Frauen. Eins ist klar: Hier geht’s nicht um „Aperölchen“ und „Tratsch“, sondern das ist der Startschuss für ein echtes „Mehr“. Wie das genau aussehen soll, wollen die Gründerinnen mit den Teilnehmerinnen herausfinden; „Wir starten kein Fertigprodukt aber mit vielen Gedanken, die wir mit möglichst vielen Frauen in Haar vernetzen und weiterspinnen wollen.“

Impulse geben

Claudia Koller stimmt zu und fordert: „Die Frauen sollten im Stadtrat zusammenhalten, denn, wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir das im Stadtrat platzieren und an den richtigen Adressaten geben und nachhaken!“ Als IT-lerin, habe sie seit den 1980er Jahren vor allem mit Männer-Hierarchien zu tun und wisse: „Unter Frauen herrschen andere Umgangsformen.” Bedenklich sei das Ungleichgewicht, das sogar in typischen Frauendomänen vorliege, sagt Ulrike Girardet, die als Förderschullehrerin für Gehörlose arbeitet. Obwohl der Anteil der männlichen Kollegen nur bei zwölf Prozent liege, besetzen sie 40 Prozent der Führungspositionen. Auch Lourdes Maria Ros de Andrés, Leiterin der VHS, berichtet von 80 Prozent Mitarbeiterinnen und 80 Prozent Teilnehmerinnen an den Kursen, trotzdem liege der Anteil der Männer im Aufsichtsrat bei 50 Prozent. Ebenso sei die Nachbarschaftshilfe (NBH) mit nur wenigen Männern im Grunde eine Frauensache, so Doris Keymer von der NBH: „Und das Familienzentrum ist ohnehin ein reines Frauenzentrum.” Pfarrern Annedore Becker hingegen betont den positiven, aber weiten Weg ihrer Amtskolleginnen. Rund 925 Pfarrerinnen gebe es in der evangelischen Landeskirche Bayern. „Dort sind wir alle gleich. Ein Beschluss sieht den Anteil von Frauen in Leitungsgremien von 40 bis 60 Prozent vor.” Der Satz „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen“ stamme aus der Bibelgeschichte von Naomi und Ruth, die sich nach dem Tode ihrer Männer, was in jenen Tagen einem Todesstoß für Frauen gleichkommt, solidarisieren.

Gemeinsam nicht allein
„Wir sind losgelaufen und haben geschaut, wo gibt es Frauen? Wo gibt es Netzwerke? Wo gibt es Möglichkeiten, Mitmacherinnen zu finden?”, schildert Herrmann die ausgehenden Gedanken der Ideengeberinnen des Forums: „Ziel des Frauenforums ist aber nicht, bestehende Netzwerke auseinanderzureißen, sondern es will Ergänzendes schaffen, Frauen neu vernetzen.” Die vier Initiatorinnen wünschen sich eine Plattform, die eine Brücke zwischen Generationen, Berufen und Lebensentwürfen baut. „Ein Frauen- Netzwerk, in dem Frauen sich gegenseitig unterstützen und Haar voranbringen”, unterstreicht Claudia Koller. So soll sich die angehende Gymnasiallehrerin mit einer Geschäftsfrau unterhalten, die junge Goldschmiedin auf die erfahrene Managerin treffen, die Studentin mit der Seniorin im Ruhestand sprechen und die Künstlerin sich mit der Sportlerin austauschen können. Bei der Auftaktveranstaltung entstehen an vier mit unterschiedlichen Farben gekennzeichneten Tischen „ Ideen-Parkplätze“, die für reichlich Gesprächsstoff unter den Frauen sorgen. Orange steht für Bildung, Kunst und Kultur, blau für Soziales, Beratung und Begleitung, gelb dreht sich um Sicherheit, Gewaltschutz und Gesundheit und an der weißen Markierung geht es um Gleichstellung, Macht, Einfluss, Politik und Finanzen. „Dabei geht es um viele Bereiche, in denen Frauen gesehen werden wollen, in denen sie wirken und sich einbringen multipliziert werden“, so das Gründerinnen-Quartett.

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Fokus Mehrwert: Voneinander lernen, gemeinsam wachsen
Eine „Impuls-Geberin“ ist an diesem Abend die Gleichstellungsbeauftragte der Stadtverwaltung Haar Romy Stangl: „Ich sehe hier etwas Besonderes, etwas Kraftvolles. Frauen mit Lebens-Geschichten, die sie geprägt haben, mit Erfahrungen, die sie tragen und stark gemacht haben, und mit Träumen, die sie begleiten. Und doch verbindet uns heute etwas: Wir sind hier, weil wir miteinander ins Gespräch kommen wollen.“ Stangl, die sich seit Jahren ehrenamtlich im Vorstand von „One Billion Rising München“, einem Verein, der sich für ein Ende der Gewalt an Frauen und Kindern und deren selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Sicherheit einsetzt, bekräftigt: „Es ist noch nicht alles erreicht. Geschlechtergerechtigkeit ist eine gesellschaftspolitische Herausforderung und eine generationsübergreifende Aufgabe, die wir gemeinsam angehen müssen.“ In der Haarer Geschichte habe es immer Initiativen von Frauen gegeben, die Formate für Frauen geschafft haben: „Dort kamen sie zusammen, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und Netzwerke zu bilden. Das Frauen- Forum knüpft an diese Idee an, als ein neuer Ort der Begegnung, des Austauschs und des gemeinsamen Weiterdenkens.“ Stangl ist von den Vorteilen auch für andere überzeugt: „Davon profitieren nicht nur Frauen, sondern viele Menschen hier in Haar. Ich glaube fest daran, dass dieses FrauenForum Haar heute und auch in Zukunft Räume schaffen wird, in welchen Frauen ihre Anliegen, Ihr Wissen und ihr Engagement einbringen.“ Wohl kaum ein anderes Chanson könnte zum Abschluss des Abends besser passen, als Hildegard Knefs „Für mich soll´s rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen.“

»Davon profitieren nicht nur Frauen, sondern
vieleMenschen hier in Haar. Ich glaube fest daran,
dass dieses Frauenforum Haar heute und auch in
Zukunft Räume schaffen wird,
in welchen Frauen ihre Anliegen, Ihr Wissen und
ihr Engagement einbringen.«

Romy Stangl, Gleichstellungsbeauftragte der Stadtverwaltung Haar.

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Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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