Wissen entdecken – Stadt erleben
Nach der Pandemie und einem zunächst sehr vorsichten Anstieg der Teilnehmerzahlen, steigt die Kurve inzwischen deutlich steiler an. „Es ist definitiv kein Thema mehr und die Menschen trauen sich wieder das Geld für Kurse auszugeben“, stellt sie Leiterin der vhs Haar, María Ros de Andrés, fest. Auch die notwendigen Maßnahmen durch die Kürzungen der Zuschüsse durch die Stadt, zeigen Wirkung. „Wir arbeitet stets an der Aktualität unseres Programms, reagieren auf Trends und Interesse, machen intensiv Öffentlichkeitsarbeit und haben Kursgebühren in den Jahren 2022 bis 2024 so moderat wie möglich angehoben.“ Erfreulich für Interessierte: 2025 gibt es keine Erhöhungen, weitere sind erst für Sommer 2026 geplant. „Wir schauen sehr genau, vergleichen uns mit anderen Volkshochschulen und schauen, was überhaupt machbar ist“, so Ros de Andrés. Trotz allem darf sich die vhs Haar über die erneute Zertifizierung im Qualitätsmanagement des EFE (Excellence Framework Europe) durch den Zertifizierer Ludwig-Erhard-Preis (ILEP) Assessment freuen, denn sie sei ein „lebendiges Beispiel für moderne, gemeinwohlorientierte Bildungsarbeit.“
IT: Vom Neuling bis zur KI
So habe sich im Bereich IT einiges getan, erklärt Ros de Andrés. „Die Volkshochschule hat ja schon immer darauf auf die Lage des Arbeitsmarkts reagiert, früher war Steno oder kaufmännisches Rechnen im Angebot, heute spielt die IT eine wichtige Rolle.“ Vor allem gebe es Kurse zur Berufsorientierung und Bewerbungstraining. Teilnehmer können lernen, Datensätze in Excel mit KI zu analysieren oder finden in einer offenen Sprechstunde Hilfe bei Problemen mit dem Handy, PC oder Laptop. Auch für absolute IT-Anfänger gibt es die Möglichkeit EDV-Basiskompetenzen wie Word, Powerpoint oder Outlook zu erwerben. Einen besonderen Fokus gilt der künstlichen Intelligenz: „Wir reagieren auf eine große Bildungslücke mit verschiedenen Kursen. Darin geht es darum KI besser verstehen zu können, wie Algorithmen funktionieren, wie überhaupt KI lernt und sie nutzen zu können“, erläutert Ros de Andrés. In Kursen wie „Künstliche Intelligenz: Die Wahrheit über Chancen oder Risiken“ bieten offene Diskussionen, den Teilnehmenden über ihre Befürchtungen aber auch Hoffnungen zu sprechen.
Spezielle Angebote für Senioren, Teenies, Mütter mit Babys und Firmen
Wer heute nicht „on“ am Leben teilnimmt, ist in vielen Bereichen „off“, regelrecht abgeschnitten. Das beginnt mit der Terminvereinbarung beim Arzt und hört beim Kauf der „bahncard“ nicht auf. Daher hält die VHS speziell für Senioren ein Angebot parat, das sich um das tägliche Leben von der Online-Buchung über die digitale Gesundheitswelt und Online-Banking, bis zum Online-Einkauf dreht. Im Gegenzug können Jugendliche ab 12 Jahren den Laptop gegen Bewegung tauschen. „Wir wollten mit Bollywood-Dance oder Hip-Hop gezielt junge Menschen erreichen“, sagt Ros de Andrés. Neu sei auch Nordic Walking für Mütter mit Baby, die nach der Schwangerschaft und Geburt zur alten Form zurückfinden wollen. Das Besondere: Mütter müssen sich aufgrund des Kurskonzept nicht langfristig daran binden. Im VHS-Programm ebenfalls enthalten, sind maßgeschneiderte Firmenkurse für Teambuildingmaßnahmen in den Bereichen Beruf/IT, Fremdsprachen, Deutsch als Fremdsprache, Gesundheit, Kultur und Gesellschaft.
Direkt vis-a-vis punktet
Gemeinsam von Angesicht zu Angesicht plaudern, erscheint in den Augen der Generation „Apps to go“ ein wenig altbacken: Doch Sprachkurse in Präsenz (englisch, französisch, spanisch, italienisch) erfreuen sich wieder großer Beliebtheit, auch Sprachen wie arabisch oder russisch. „Die Menschen suchen bei uns den Austausch, die Kommunikation und Interaktion, sprich den sozialen Kontakt.“ Daher bietet die VHS künftig Gesprächskurse mit Themen wie Kino oder Weihnachten an oder einen Englischkurs, der sich auf sprachliche Unterschiede in Schottland bezieht. Indes gehen im Integrationsbereich die Teilnehmerzahlen politikbedingt zurück. Neu seien abendliche Integrationskurse, da die Teilnehmer tagsüber arbeiten und ein Konzept des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge für die, die geringfügige Kenntnisse besitzen. Konkret, das lateinische Alphabet zwar kennen, aber schrift- und lernungeübt sind. „Sie haben in ihren Heimatländern wenige Jahre die Schule besucht oder sind funktionelle Analphabeten, die es ja auch unter den Deutschen gibt.“ Diese Zielgruppe sei in Alphakursen unterfordert und weiterführenden überfordert, so Ros de Andrés.
Kultureller und politischer Austausch
Kunstkruse, vor allem wenn sie sich mit Techniken jenseits von Öl- oder Aquarelltechniken wie beispielsweise Gelli-Print beschäftigen, stoßen auf großes Interesse. Im beliebten Format „vhs im Dialog“ können Teilnehmer den Film „30 Kilo Heimat“ des jungen Haarer Filmemachers Michael Eibl mit anschließenden Gesprächen über die Auswirkungen von Traumata verfolgen. Auch die sehr erfolgreiche Kooperation mit dem Kinokreis laufe weiter, kündigt Ros de Andrés an: „Wir zeigen Filme wie die Tragikomödie „Morgen ist auch noch ein Tag“ oder „Her“, ein Film, der sich um KI dreht.“ Das Herbst-, Winterprogramm rundet kommenden Februar eine Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten vor der Kommunalwahl ab.
Für Sie berichtete das Manuela Praxl.








