Individuelle Beratung von Markus Reimann, Sozialpädagoge und Wohnberater des Kompetenzzentrums für Barrierefreies Wohnen, sichert die Selbstbestimmung.
Generation Plus: Selbstbestimmter Lebensabend ohne Hindernisse
Wenn im zunehmenden Alter die Lebenssituation in den eigenen vier Wänden durch körperliche Einschränkungen ins Wanken gerät, stellt das für die Betroffenen neben der körperlichen eine emotionale Belastung dar. Treppen oder der hohe Einstieg in eine Badewanne, weil keine barrierefreie Dusche vorhanden ist, sind im Alltag oft kaum zu überwindende Hindernisse. Wer an dieser Stelle den Zustand akzeptiert und proaktiv reagiert, statt sich zurückzuziehen, hat trotz der Defizite beste Chancen weiterhin selbstbestimmt in der vertrauten Umgebung zu leben. Das heutige Angebot moderner Hilfsmittel, Wohnraumanpassungen und ambulanter Dienste ermöglicht es, das Zuhause so zu gestalten, um langfristig ein qualitativ gutes Leben führen zu können.
Wie lebe ich sicher im Alltag?
Eine kostenfreie, professionelle Beratung für Senioren bietet das Kompetenzzentrum Barrierefreies Wohnen in Riem. Es handelt sich um ein Angebot, das auch für die Haarer gilt. Wer will, kann sich im großzügigen Ausstellungsraum einen ersten Überblick unterschiedlichste Hilfsmittel zu den kritischen Wohnbereichen wie Bad, Treppen, Schlafzimmer oder Küche verschaffen. „Wir haben hier quasi eine Wohnsituation und ermutigen ausdrücklich dazu alles auszuprobieren und anzufassen“, sagt Sozialpädagoge und Wohnberater Markus Reimann. Darüber hinaus bietet das Kompetenzzentrum eine Besonderheit, die ebenfalls nichts kostet. Mitarbeiter wie Markus Reimann, kommen nach terminlicher Absprache auch nach Haar zu den Klienten, um sich vor Ort ein genaues Bild zur individuellen Problematik und den Gegebenheiten machen zu können. „Oft rufen mich die Leute an und sagen, dass sie nicht mehr in die Badewanne kommen. Vor Ort stelle ich schnell weitere Hürden fest. Nach genauer Analyse erarbeiten wir Lösungsvorschläge und Ideen.”
Multiprofessionell und interdisziplinär
Mit „wir” spricht Reimann die Teammitglieder des Vereins Stadtteilarbeit an, die aus verschiedensten Berufen kommen und ein weitgefächertes Netzwerk bilden: „Wir sind Wohnberater, allerdings nicht nur Sozialpädagogen oder aus der Pflege, sondern auch beispielsweise Architekten. Wir arbeiten und beraten gemeinsam, wenn nötig und entwickeln maßgeschneiderte Lösungen so weit wie möglich”, erklärt Reimann und betont: „Das machen wir neutral, haben keinerlei Verkaufsabsicht. Wir helfen den Menschen Entscheidungen sicherer fällen zu können. Beispielsweise, ob ein Produkt oder ein Umbau das richtige ist oder welche kostengünstigere Alternative es im Bereich der Hilfsmittelausstattung gibt. Wir betrachten die Gesamtsituation, vom Ist-Zusand bis zu den Perspektiven, das schließt das Umfeld des Ratsuchenden ein. Es handelt sich um eine sogenannte Prozessberatung.”
Das liebe Geld
In manchen Fällen reiche ein Gespräch als Orientierung, in anderen geht es um die Begleitung: „Es ist völlig in Ordnung, wenn die Leute immer wieder mal, je nach Problemlage oder nach Befinden zu uns kommen und wir dann weiterentwickeln.” Hin und wieder benötigen Betroffene einen längeren Reifungsprozess, weiß Reimann: „Sie rufen dann Monate später an, weil sie sich so weit fühlen, um eine Veränderung annehmen zu können.“ Obwohl sie die Hauptgruppe der Klienten darstellen, richtet sich das Angebot nicht nur an Senioren. „2024 hatte ich zwei Fälle von je Mitte 40-Jährigen, deren Leben sich durch Querschnitte nach Verkehrsunfällen komplett verändert hatte.” Bei nahezu jeder Maßnahme sei ein wichtiger Punkt die Finanzierung: „Leider gibt es immer weniger öffentliche Gelder. Für gewisse Fördermittel sind gewisse Voraussetzungen zu erfüllen, wie der Grad der Behinderung oder welcher Pflegegrad vorliegt. Wir schauen, wie man welche Töpfe optimal ausschöpfen kann, das ist oft ein Puzzle”, so der Experte.
Frei entscheiden, sicherer leben
Markus Reimann glaubt an den positiven Effekt der Beratung für die meisten Menschen. „Sie hilft eine gewisse Klarheit zu gewinnen Es geht nicht immer um einen großen Umbau oder die riesige Veränderung.” Wichtig sei auch das Gespräch ein paar Wochen später. „Wir machen eine Art Evaluation und klopfen ab, ob die erarbeitete Lösung passt. Gegebenenfalls klären wir, ob wir noch jemand mit ins Boot holen müssen wie beispielsweise Soziale Dienste”, sagt Reimann. Der Aufwand lohne sich in jedem Fall: „Letztlich kann unser Angebot dem Betroffenen ein Stück mehr Freiheit auf verschiedenen Ebenen bringen. Für uns hat Priorität, was im Moment das Wichtigste für die Person ist. Manchmal geht es darum, die Wohnung sicherer und verstehbarer für einen Demenzerkrankten zu machen, damit er möglichst lange zuhause leben kann. Bei anderen nur darum, aus der Wohnung in Hochparterre wieder hinausgehen zu können.”
Kompetenzzentrum Barrierefreies Wohnen
Tel: 089 357043-0
E-Mail: m.reimann@verein-stadtteilarbeit.de
Für Sie berichtete Manuela Praxl.






















