Harte Fäuste – weiche Herzen: Kampfsport für ein besseres Miteinander

Kategorie: Vereine

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Der Verein Bavarian MMA Center am See feiert seinen zweiten Geburtstag. Daniel Lais (Jugendreferent BONI), Arif Koyuncu (Headcoach) und Jona (Schüler).

Gegen Langeweile, Aggression und Flausen im Kopf

Jona ist 13 Jahre alt, freundlich, höflich und überlegt. Doch in dem Jugendlichen schlummert ein Powerpaket. Das weiß er erst, seitdem er regelmäßig ins Training seines Vereins Bavarian MMA-Center geht. Die Buchstaben stehen für „Mixed Martial Arts“. Dahinter verbirgt sich die Verschmelzung verschiedener Kampfsportarten, wie Boxen, Bodenkampf oder Kickboxen. Dabei geht es nicht um plumpes „Draufgehaue“, sondern um einen Sport mit strengen Regeln, der viel Übungsfleiß und Disziplin erfordert: „Es gibt jemanden aus meiner Schule, der hat mich immer geärgert und beleidigt“, erzählt Jona: „Als er mir wieder ein Bein stellen wollte und glaubte, ich bemerke es nicht, weil ich Kopfhörer aufhatte, habe ich mich schnell umgedreht und seine Hand gepackt. Ich habe ihn nicht verletzt, denn ich bin ja nicht wie der, aber ich lasse mich nicht mehr rumschubsen.“ Seither habe er Ruhe, meint Jona.

Gezielter Kampf gegen Probleme
MMA-Cheftrainer Arif Koyuncu und Daniel Lais aus dem Leiter-Team des Kirchlichen Jugendzentrum BONI freuen sich über Jonas gewachsenes Selbstbewusstsein. „Ich bin ein Mensch, der sich nie geschlagen hat, ich halte nichts von Gewalt“ sagt Daniel: „Wenn ich zuschaue, wie sich Menschen gegenseitig schlagen, kann ich es nicht wirklich verstehen, aber hier weiß ich, dass es für die Leute, die es machen, eine sehr positive Wirkung und viele Synergieeffekte auf verschiedene Lebensbereiche hat.“ Der erfahrene Jugendreferent unterstützt den Verein tatkräftig in der Verwaltung. Arif und Daniel kennen sich seit Jahren aus dem BONI, das seit etwa 12 Jahren Boxen anbietet. Arif trainiert in der Einrichtung jahrelang und unterrichtet andere Kinder: „Ganz heimlich hat er dann vor zwei Jahren den Verein in Sichtweite gegründet. Es ist für mich eine Herzensangelegenheit zu helfen, weil ich durch das Boxprojekt im BONI weiß, wie Jugendliche, die zum Training kommen, eher den geraden Weg gehen und nicht auf die schiefe Bahn kommen, rumhängen und dann beginnen zu kiffen.“ Erfahrungsgemäß handle es sich um Heranwachsende, die zur Schule gehen und ihre Ausbildung machen, betont Daniel: „Es sind einfach gute Jungs mit einem Wertegerüst.“

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Das richtige Händchen
Nach nur zwei Jahren zählt der Verein über 200 Mitglieder im Alter von vier bis 72 Jahren, Tendenz steigend. Der Mann, der die Teenager und deren Kräfteüberschuss im Griff hat, ist Arif. Er beginnt als 12-Jähriger mit dem Kampfsport – sichtbar, denn sein Körper scheint bis in die Haarspitzen definiert. Das imponiert. Gleichzeitig trifft er mit seiner sympathischen, offenen Art den Nerv junger Menschen. Möglicherweise resultiert sein feines Gespür für junge Menschen aus eigenen Erfahrungen. Arif weiß, wie Sport helfen kann sich von „schlechten Dingen“ fernzuhalten: „Viele haben in ihrem Lebenslauf eine schlechte Phase. Beim Kampfsport war ich automatisch abgelenkt und habe meine Energie rauslassen können. Ich war ausgelastet und kam gar nicht auf dumme Gedanken.“ Er könne täglich das übersteigerte Ego angehender Männer, gepusht von sozialen Medien, beobachten: „Wenn dann hier ein 90kg-Kerl steht und glaubt er sei eine Maschine und erlebt, dass ihn ein kleinerer 60kg-Junge am Boden auseinandernimmt, dann kommt das Ego ganz schnell wieder runter.“

Durch das MMA-Training lernen die Teilnehmer ihre Stärken und Grenzen gut kennen, betont Arif: „Sich auf der Straße zu hauen ist einfach etwas ganz anderes als mit Regeln, sie sehen schnell, dass das nicht so einfach ist.“ Es sei zwar „recht vieles“ erlaubt, aber die Wettkampfregeln verbieten beispielsweise Schläge auf den Hinterkopf, Beißen und Kratzen oder Tritte in die Genitalien. Helme, Zahn- und Genitalschutz sind Pflicht, außerdem müssen Ringärzte, Punkterichter vor Ort sein und ein Verband wie die ISKA (International Sport Karate and Kickboxing Association).

»Als er mir wieder ein Bein stellen wollte und glaubte, ich bemerke es nicht,
weil ich Kopfhörer aufhatte, habe ich mich schnell umgedreht
und seine Hand gepackt. Ich habe ihn nicht verletzt, denn ich bin ja
nicht wie der, aber ich lasse mich nicht mehr rumschubsen.«

Jona, macht seit 1,5 Jahren MMA.

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Positive Nebeneffekte
MMA helfe auch Kindern, die mit dem „Handy in der Wiege“ aufgewachsen sind: „Wenn Sechsjährige anfangen, können sie sich kaum mehr als zehn Sekunden konzentrieren. Das ändert sich schnell, das Training fördert Konzentration und Koordination.“ Es helfe auch gegen Übergewicht, so Arif: „Ich habe hier Jungs im Teeniealter, die ziemlich übergewichtig waren. Sie haben aus Langeweile gegessen, hingen den ganzen Tag nur herum. Wir haben über richtige Ernährung gesprochen. Letztens hat sich eine Mutter bedankt, weil ihr Sohn inzwischen ein paar Kilo abgenommen hat.“ Es sei etwas anderes, wenn ein Trainer etwas sage, ist Arif überzeugt: „Wenn sie sehen, ich bin so alt wie der eigene Vater, aber noch richtig fit, fördert es die Motivation und verändert die Einstellung zu Gesundheit.“ Auch für Mädchen sei MMA geeignet, insbesondere der Bodenkampf, um sich im Falle eines Angriffs verteidigen zu können, erklärt Arif: „Klar ist es schwierig. Aber auf dem Boden kann eine Frau durch Technik einem Mann erhebliche Probleme bereiten, selbst wenn er viel stärker ist.“

Der Mehrwert des Vereins
Seit es den Verein gibt, habe sich die Situation am See deutlich verbessert, einige Probleme gar „in Luft aufgelöst”, bilanziert Daniel, der das große Potenzial des Kampfsportvereins für die Präventivarbeit hervorhebt: „Das hier ist eine Rundum- Betreuung. Obwohl es um Kampf geht, beeindruckt mich jedes Mal, die herzliche und familiäre Atmosphäre. Es geht um Ernährung, um Körperbewusstsein, Stressabbau, wie man sich in bestimmten Situationen verhält. Es ist viel mehr als Sport, sondern Lebensbegleitung. Ich habe den Eindruck, dass dieser Verein in Haar zum sozialen Frieden beiträgt.“ Jetzt fiebern Daniel und Arif dem nächsten Event entgegen. Das BONI veranstaltet am letzten Novemberwochenende mit Kooperationspartnern erneut das Winterfest: „Da sind wir mit am Start“, kündigt Arif an: „Jeder ist eingeladen zu kommen.“

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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