Böllerschützen verabschieden das erste Jahr als Stadt

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Inzwischen eine feste Tradition in Haar: die Böllerschützen verabschieden 2025.

Mit ordentlichen Wumms ins neue Jahr

Wer sich nicht wappnet – zumindest mental – muss mindestens mit wackligen Knien rechnen und ist in jedem Fall hellwach. Wenn die Böllerschützen anlegen und schießen, fährt es durch Mark und Bein, stellen auch die fest, die das Ereignis jedes Jahr aufs Neue miterleben: „Es ist schon sehr laut, aber da muss man durch“, sind sich zwei Damen einig, die das Ereignis mit der Handykamera und Piccolo festhalten. „Und jetzt müssen wir noch ein Selfie machen und anstoßen“. Der ohrenbetäubende Garaus vor dem Rathaus und anderen Standorten der Stadt, genießt inzwischen Kultstatus. Mit dabei auf der lautstarken City-Tour, die einiges Stehvermögen abverlangt: Bürgermeister Andreas Bukowski. Erfahrungsgemäß muss sich der Rathauschef nach der letzten Knallerei und dem, was innerlich ordentlich knallt (obligatorische Schnapserl), nachmittags erst einmal Ruhe gönnen, wie er lachend gesteht: „Ich lege mich danach immer ein Stündchen hin, bevor es dann zur Silvesterparty geht.“

Wer kann, der zeigt
Auch in diesem Jahr finden sich zahlreiche Menschen, darunter viele Stadträte, vor dem Rathaus ein. Gemeinsam verabschieden sie gebührend das erste Jahr als Stadt nach der gerade erst verdauten Weihnachtsgans und der glücklichen Abreise der lieben Verwandten. Nun ist es Zeit, um sich mit den Liebsten, Freunden und Bekannten bei Heißgetränken mit und ohne, auf den Jahreswechsel einzustimmen. Dabei gilt bei strahlendem Sonnenschein, aber knackigen Temperaturen, der Dresscode: Hauptsache warm. Doch offenbar nicht für alle, denn die Schützen kommen vergleichsweise frühlingshaft mit Lederkniebundhose und Kniestrümpfen daher, die hier und dort sogar eine fingerbreit entblößte Haut unterm Knie zeigen. Wer Böllerschützen-mäßig en vogue sein will, kommt um Nacktheit bei Minusgraden nicht herum. Lediglich das einzig weibliche Wesen unter den Schützen trägt nicht nur Waffe, sondern „Zwiebellook“. Kleiderschichten in „sehr schick“ geht, nebenbei bemerkt. Für den zeitgleichen Salut gibt es ein kurzes, vergleichsweise leises Kommando, bevor es knallt. Beim sogenannten Lauffeuer setzen die Böllerschützen nacheinander an. Die „Colts“ rauchen noch, bevor sich alle mit einem ersten Stamperl zuprosten. Schließlich benötigt es Zielwasser, wenn auch in Maßen, für weitere Schussrunden. Für die Aufgeschreckten innerhalb der Bevölkerung ringsherum, ist es ein probates Beruhigungsmittel.

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Nur wer besteht, darf
Das geräuschintensive Brauchtum oder akustische Ausnahmeerlebnis reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Damals sorgen spezielle Schützen für den unüberhörbaren Knalleffekt auf Festen unterschiedlicher Art. Es ist das Wecksignal für böse Geister, die so alarmiert ihre Flucht antreten können und das Zeichen für Glück und Wohlstand sich fürs nächste Jahr einzustellen. Erstmals Erwähnung findet das Böller- oder Prangerschießen 1377 und hält sich seither vor allem im bayerischen und alpinen Raum. Bei dem Schießvergnügen handelt es sich um ein wahrhaft heißes Eisen, denn die Böller fallen unter das Sprengstoff- nicht unter das Waffengesetz. Wer mit einem Böller hantieren möchte, muss mindestens 21 Jare alt sein. So verlangen es die strengen Auflagen, genau wie eine Eignungsprüfung.

Für Sie berichtete Manuela Praxl

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