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Christa Gebel erhält Verdienstkreuz am Bande

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 14. Juli 2017

Höchste Ehrung der Bundesrepublik für die Initiatorin der Ungarnhilfe Haar

Das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, kurz Bundesverdienstkreuz genannt, ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung der Bundesrepublik - und diese Ehre wurde nun der Haarer Bürgerin Christa Gebel zuteil. Ein Blick auf mehr als 26 Jahre Engagement.

 

In einem feierlichen Festakt verlieh Bürgermeisterin Gabriele Müller der Initiatorin der Ungarnhilfe das Band. Am Donnerstag, 13. Juli 2017, im Pfarrsaal St. Bonifatius versammelten sich neben Familienmitgliedern und Wegbegleitern auch politische und gesellschaftliche Prominenz aus der Gemeinde, vom Land und selbst aus Ungarn.

 

Die Leistung von Christa Gebel ist beeindruckend. So führte die Laudation vom Bundespräsidenten Zahlen auf, die einen ersten Eindruck entstehen ließen. Regelmäßige Hilfstransporte an Bedürftige, Alte und Junge, Kranke und Behinderte gehen nach Ungarn und es werden ein Krankenhaus, zwei Altentagesstätten, ein soziales Seniorenheim und eine Sozialküche unterstützt. Kleidung, Möbel, Betten, Spielsachen und Sportartikel ohne jegliche staatliche Unterstützung werden alljährlich gesammelt, verpackt und versendet. „Es rollten über 205 Lastzüge mit über 4.500 Tonnen nach Ungarn. Der Wert wird auf etwa 11,5 Mio. Euro geschätzt.", so der offizielle Text aus dem Bundespräsidialamt, den die Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Haar verlas. Im Anschluss sprach sie ihre eigenen Dankesworte, die verdeutlichten, dass Zahlen allein nicht das ausdrücken, was diese energische und willensstarke Frau geleistet hat.

Gabriele Müller erzählte, mit welchem Herzblut Christa Gebel die Hilfsorganisation – die Ungarnhilfe wurde als private Initiative im Jahr 1990 gegründet – anpackte und bis 2014 leitete. Wesentlich in ihren Augen war und ist es, intensiv persönliche Kontakte zu knüpfen, entstehen zu lassen und zu pflegen. Eine Stärke der Bandträgerin, wie Gabriele Müller betonte. Damit schaffte Christa Gebel in Deutschland wie in Ungarn eine Vertrauensbasis, die erst diese umfangreiche Hilfe auch ermöglichte. Aus den anfänglich fünf Damen wurden 50 ehrenamtlich Tätige heute. Bürgermeisterin Müller zollte der Geehrten Wertschätzung wie Anerkennung und resümierte: „Sie haben es geschafft, viele Menschen an ihre Seite zu holen." Sie zitierte abschließend den ungarischen Staatspräsidenten aus dem Jahr 2005 anlässlich einer der vielen Ehrungen in Ungarn: „Sie haben uns nicht nur materielle Hilfe gegeben, Sie haben Ihre Seele hineingepackt."

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Bürgermeisterin Gabriele Müller verlieh an Christa Gebel im Namen des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, kurz Bundesverdienstkreuz genannt, und steckte ihr die Ehrennadel an.

Dr. Peter Paul Gantzer, ein wichtiger Begleiter der Ungarnhilfe e.V., zeigte sich von ihrer Arbeit fasziniert und legte dar, wie wichtig die Unterstützung der Ungarnhilfe Haar e.V. für das ehemalige kommunistische Land war und heute noch ist. Gábor Tordai-Lejko, Generalkonsul von Ungarn, schloss sich der Rede Gantzers an und betonte, dass es auch heute noch Regionen in Ungarn gäbe, die diese Hilfe nötig hätten.

Doch all dies wäre nicht möglich gewesen ohne einen Ansprechpartner in Ungarn. So erzählte denn auch Prof. Dr. Stephan Graf Bethlen von ihrem ersten Kennenlernen auf dem Münchner Flughafen, wohin die engagierte Frau extra gefahren war, um nach der Wende den ungarischen Abgeordneten zu treffen und seinem Land aktiv Hilfe anzubieten. Die heute 90-Jährige hatte nach dem Zweiten Weltkrieg selbst Erfahrung mit Elend, Vertreibung und Wiederaufbau gesammelt und setzte sich später im Deutschen Gewerkschaftsbund für die sozialen Anliegen der Arbeiterschaft ein. Ihre Motivation war es, sich auch für sein Land, für Ungarn nach dem Sozialismus einzusetzen. Er ging in seiner Rede zurück zu den Anfängen, wie generalstabsmäßig alles geplant wurde, vom Sortieren des Gesammelten über das Verpacken und Transportieren bis hin zur Verteilung. Diese Hilfe kommt nun seit mehr als 25 Jahren in Ungarn effektiv und nachhaltig an. Er dankte auch ihrem Nachfolger Hermann Meyer und seiner Frau, die die Tradition der Kontaktpflege in ihrem Sinne fortführe. Das mache die Hilfe auch so einzigartig.

Und dann trat Christa Gebel, die 90-Jährige, selbst ans Mikrofon und berichtete, welche Aufgaben, Herausforderungen und Probleme sie in all den Jahren meistern musste. Stationen und Anekdoten gab sie zum Besten. Der Erwartung, eine „ältere Dame mit einem Sozialtouch" zu sein, entsprach sie von Anfang an in keiner Weise. Sie vermochte es vielfältige und hilfreiche Kontakte zu knüpfen und traf immer wieder auf Menschen und Gesprächspartner, die ihr vertrauten. Sie hob die Unterstützung der Malteser, der Rotarier, aber auch durch Helmut Dworzak und Dr. Peter Paul Gantzer hervor. Christa Gebel beschloss den offiziellen Teil mit den Worten: „Ich bin froh, dass wir alle zusammen feiern dürfen."

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

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