lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo neufahrner-echo herrschinger-spiegel mooskurier

Spieleidee sucht Verleger

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 21. Februar 2016

Die internationale Spieleerfinder-Messe, die am 19. und 20. Februar 2016, in Haar stattfand, hat bereits zum wiederholten Male Redakteure der Spieleverlage wie Erfinder in den Bürgersaal in Haar gezogen. Nirgendwo sonst ist der Kontakt zwischen Verlag und Spieleautor so direkt und unmittelbar.

 

Nach Aussage von Tom Werneck, vom Veranstalter bayerisches Spiele-Archiv Haar, stellten über 100 Autoren ihre Ideen im großen Saal des Bürgersaals in Haar vor. Es ist eine Kontaktbörse, auf der sich Erfinder und Verleger treffen. Es kann ein Erstkontakt zustande kommen, dem weitere Verhandlungen und vielleicht sogar das Verlegen des einen oder anderen Spielentwurfs folgen. Produktmanager wie Redakteure der Verlagshäuser wie Ravensburger, Kosmos oder Pegasus schätzten an diesem Termin, so Tom Werneck, dass sie an einem Ort mehrere hundert Spiele auf einmal sehen. In erster Linie richtete sich die Messe an die Newcomer in der Branche.

Der jüngste Neuling der Szene in diesem Jahr war der 10-jährige Enkel von Tom Werneck. Eines Tages kam er auf seinen Opa zu und bat ihn, sich seine Idee anzuschauen. Und der Senior war überrascht von dem, was er sah. Ben Jiro Werneck hatte eigenständig ein Wirtschaftsspiel entwickelt. Das Spiel heißt „Ladenkette“ und es geht darum, so viele Läden wie möglich in einer Straße zu eröffnen. Das war schon so ausgereift, dass er selbst nur bei der grafischen Ausgestaltung des Spiels seinem Enkel behilflich war, wie beteuerte Tom Werneck. Denn, so Werneck, die Grafik mache sehr viel aus.

spielemesse abb 1

Ben Jiro Werneck war dieses Jahr mit 10 Jahren der jüngste Newcomer mit seinem Spiel „Ladenkette“ auf der Spieleerfinder-Messe in Haar

Eine ausgefeilte Gestaltung wies bereits das Strategiespiel mit dem Arbeitstitel „Sieg oder Walhalla“ auf. Der aus Baden-Württemberg, aus Singen angereiste Andreas Zent entwickelte aus der Begeisterung für die Wickinger-Zeit heraus sein Spiel im Laufe von drei Jahren. Es geht um verschiedene Völker, ihre Rohstoffe und Bodenschätze. Jedes Volk hat Angreifer und Verteidiger wie Reiter, Bogenschützen oder eine Flotte. Die Spieltaktik wird beeinflusst durch das Unvorhersehbare. Beispielsweise spielen Heldenkarten eine Rolle und vor allem der Götterwürfel. Er kann von einem Moment auf den anderen den Spielverlauf drehen. Andreas Zent und Werner Eigster – Bruder und Spielpartner auf der Messe – haben dieses Spiel schon mit großem Erfolg im Freundeskreis gespielt. In Haar stellte Spieleautor Zent es nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor.

spielemesse abb 2

Sein Strategiespiel mit dem Arbeitstitel „Sieg oder Walhalla“ stelle Andreas Zenk (rechts) erstmalig der Öffentlichkeit vor

Fix und fertig – das Kartenspiel von Goran Ritan lag nicht mehr als Prototyp auf dem Tisch. Der aus Wien kommende Bilanzbuchhalter präsentierte mit seiner Eigenproduktion „ABC Mathe“ ein Lernspiel. Die Karten erleichtern es Kindern, anhand von Symbolen, geometrischen Formen, Buchstaben und Zahlen das Rechnen und Lesen zu erlernen. „Aber es bringt auch so manchen Professor zum Schwitzen“, lächelte der Spieleerfinder vielsagend. Gewonnen hat im Spiel, wer als Erster alle Karten abgelegt hat. Er habe mit Pädagogen und Erziehern gesprochen und die hätten das Spiel als wertvoll beurteilt. Deshalb war Goran Ritan sehr zuversichtlich. Wenn er keinen Verlag fände, würde er das Kartenspiel im Eigenverlag auf den Markt bringen. Die Rückmeldungen, die er hier auf der Messe bereits erfahren hatte, bestärkten ihn in seinem Vorhaben.

spielemesse abb 4

International ist die Spieleerfinder-Messe in Haar: aus Wien kam Goran Ritan mit einem eigenproduzierten Kartenspiel „ABC Mathe“

Alle Spieleautoren hofften, nicht nur eine Bewertung ihrer Spieleidee von Kollegen zu erhalten, sich mit anderen über die Entwürfe auszutauschen, sondern mit einem Redakteur ins Gespräch zu kommen. Ab und zu käme es auch vor, dass Verlagsmitarbeiter den Autoren ein paar Tipps geben. So haben die Erfinder die Chance, das Spiel nochmals zu verfeinern und marktfähiger zu machen. Denn für ein gutes, erfolgreiches Produkt sind drei Leute maßgeblich, so weiß Tom Werneck aus eigener Erfahrung: der Autor, der Grafiker und der Redakteur.

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok