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Fernweh in Orange

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 07. Oktober 2015

Von Europa über Asien nach Australien - im VW-Bus

In einem 30 Jahre alten Bulli brachen Helga Negele und Jürgen Dommer auf. Auf nach Australien, um ihren Traum zu verwirklichen: den Ayers Rock sehen. Dafür gaben beide die sichere Arbeit und die Wohnung im Allgäu auf. In der Multivision-Show »Augenblicke einer Weltreise« am Freitag, 25. September 2015, im Bürgerhaus in Haar wird deutlich, warum sie es nie bereuten.

 

Die Globetrotter ziehen ihre Zuhörer und Zuseher in den Bann der großen weiten Welt, so wie sie diese erlebt haben. Auf das Wesentliche reduziert fuhren die beiden los in einem orangefarbenen VW-Bus, den sie liebevoll Orangetrotter nennen. Übergroße Bilder rufen Fernweh wach. Die Fotos und ein paar Filmaufnahmen zeigen Idyllen, entlegene Landschaften, interessante Menschen. Beispielsweise schildern Helga Negele und Jürgen Dommer den Iran als ein Land mit Leuten, das wir hier über die Medien ganz anders vermittelt bekommen. Beide waren von der Liebenswürdigkeit und Gastlichkeit überrascht, die sie dort erleben durften.

Jedoch nicht nur die schönen Seiten der Reise bringen sie zur Sprache. Die Straßen sind da noch das kleinste Übel, wenn auch Jürgen Dommer mehr als einmal sagt: »Wir machen den gleichen Fehler wieder und nehmen eine Abkürzung.« Beklemmend wird es, als Helga Negele von ihren Ängsten in Pakistan erzählt, trotz – oder vielleicht gerade wegen – des polizeilichen Begleitschutzes, den sie immer bei sich hatten. Und dann China: ein Land, das man nur mit Guide durchfahren kann. Aus finanziellen Gründen beschließen die Einzelgänger als Gruppe das Land zu durchqueren, ein Umstand, der sie neue interessante Erfahrungen machen lässt. »Gruppenreisen ist echt anstrengend!«, fassen beide zusammen und genießen es, wenn sie wieder ihre eigenen Wege fahren können.

Bulli um die Welt masterfoto 1

Die beiden Weltenbummler Helga Negele und Jürgen Dommer

Manchmal stellt sich auch Frust über Reparaturarbeiten ein, beispielsweise zweimal eine defekte Dieselpumpe, oder als Jürgen Dommer bei Minusgraden unter freiem tibetischen Himmel am Bulli schrauben muss. Wahrlich kein Vergnügen, aber all das stecken die beiden weg.

Das Entzücken, die Freude, etwas Einmaliges erlebt und genossen zu haben, überwiegt. »Mit das Schönste an so einer Reise ist es, dass man ganz spontan an einem Ort bleiben kann. Und wenn man sich und den Menschen, die dort leben, Zeit lässt, dann erlebt man die schönsten Augenblicke auf so einer Reise,« gesteht Helga Negele. Indien, Nepal, das Königreich Sikkim beeindrucken sie sehr. Hier stellt sie fest: »Ich könnte platzen vor Glück.«

Sie und Jürgen Dommer, sie erzählen beide authentisch, ungekünstelt, gewürzt mit einer Prise Humor ihre ganz eigene Sichtweise des Erlebten. Ihre Eindrücke von den Menschen bleiben nicht an der Oberfläche, sondern sie versuchen, die Menschen kennen und verstehen zu lernen. Beeindruckt sind sie von den Einwohnern Tibets, die – ungeachtet des harten Lebens, das sie führen – immer ein Lächeln im Gesicht haben. Jürgen Dommer: »Sie tragen etwas im Herzen, was uns abhandengekommen ist.«

Wie die beiden Reisenden den Menschen und der Natur viel Raum geben und manchmal einfach ganz ruhig sind, so öffnet die Musik an diesem Abend den Raum für die Zuschauer und Zuhörer. Die Musik ist nicht nur Untermalung, sondern transportiert die Stimmung der Erzähler. Beispielsweise die fast meditativen Klänge, wenn sich der Blick in den Weiten einer Landschaft verliert, oder Rock ’n Roll-Rhythmen, wenn der Orangetrotter wieder Fahrt aufnimmt, der Fahrer Gas geben kann und sich auf diese Art und Weise das Gefühl der Freiheit einstellt.

Einen Blick in seinen Bulli gewährt Jürgen Dommer den Interessierten in der Pause. Er erklärt die technischen Details im und am Bus. Wie eng das darin ist! Hier bekommt man den unmittelbaren Eindruck. Damit hat das Paar 56.000 Kilometer zurückgelegt, 3 Kontinente bereist. Kaum vorzustellen! Doch Helga Negele und Jürgen Dommer haben ihr Ziel nach 20 Monaten nach der weiteren Durchreise von Laos, Thailand, Kambodscha und Malaysia erreicht. Bilder von Australien beenden ihre Weltreise. Ihr Fazit: »Am Ende standen wir vor dem Nichts. Aber das, was wir bekommen haben, ist unendlich viel mehr wert als Sicherheit oder jedes Festhalten an was auch immer. Die Erfahrung, dass es für alles eine Lösung gibt, und dass die Menschen auf der Welt uns viel ähnlicher sind, als wir glauben, die Erfahrung ist unbezahlbar.«

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

 

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