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10 Jahre Haarer Tisch - 10 Jahre helfen Haarer Haarern

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 21. April 2015

Vier Schulen luden zur Benefizveranstaltung ein – Höhepunkt: die gesellschaftskritischen Gedanken des Harald Lesch

(Text/Foto: rk) „Wie wollen wir in Zukunft leben?“ Unter diesem Motto stand der Festakt, den die vier Schulen aus Haar, die Grundschule am Jagdfeldring, die Grundschule St. Konrad, die Mittelschule Haar und das Ernst-Mach-Gymnasium am Donnerstagabend, den 16. April 2015, im Bürgersaal der Gemeinde veranstalteten.

 

 

Der Haarer Tisch kümmert sich um Bedürftige der Gemeinde und versorgt sie mit Lebensmitteln. Es sind ausschließlich Ehrenamtliche, die helfen, die ihr Engagement seit 10 Jahren unermüdlich einbringen. Wenn das nicht eine Würdigung wert ist!

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Mitglieder im Leitungsteam des Haarer Tisches, die Schulleiter, der Initiator der Veranstaltung und der Gastredner (v.l.n.r.): Juliane Dworzak (Rektorin der Grundschule am Jagdfeldring), Edwin Busl (Mitarbeiter in der Schulleitung des EMG, Initiator der Veranstaltung), Jürgen Partenheimer (Mitglied im Leitungsteam des Haarer Tisches), Prof. Dr. Harald Lesch (Astrophysiker und Naturphilosoph; Referent bei der Veranstaltung), Andrea Zran (Rektorin der Grundschule an der Konradstraße), Katharina Dworzak (2. Bürgermeisterin der Gemeinde Haar), Sigmund Manhart (Mitglied im Leitungsteam des Haarer Tisches), Christa Beyer (Konrektorin der Mittelschule Haar), Klaus Rückert (Mitglied im Leitungsteam des Haarer Tisches), Eva Genseleiter (Mitglied im Leitungsteam des Haarer Tisches), Thomas Reichel (3. Bürgermeister der Gemeinde Haar), Gabriele Langner (Schulleiterin des EMG)

Und dazu haben sich die vier ortsansässigen Schulen zusammengefunden und einen facettenreichen Unterhaltungsabend auf die Beine gestellt mit Unterstützung der Gemeindewerke Haar und der Gemeinde Haar. Katharina Dworzak eröffnete den Festabend als Zweite Bürgermeisterin – Gabriele Müller, Erste Bürgermeisterin von Haar war in Urlaub – mit Worten des Dankes an die Organisation, an die insgesamt 50 ehrenamtlich Tätigen und hob die Leistungen von Traudl Vater hervor. die sich seit der Gründung vor 10 Jahren unermüdlich für die Hilfesuchenden engagiert. Die humanitäre Hilfe und soziale Betreuung des Haarer Tisches, die mittlerweile auch Hilfestellung über die Lebensmittelverteilung hinaus gewährt, finanziert sich vorwiegend aus Spenden. Deshalb auch diese Benefizveranstaltung.

Die Schüler der Grundschule am Jagdfeldring begrüßten die Gäste des fast bis auf den letzten Platz gefüllten Bürgersaals mit einem Lied. Der Text „So rund ist der Tisch wie ein Kreis, keiner hinten, keiner vorn und keiner geht verlor’n“ spiegelte die soziale Haltung des Haarer Tisches wider.

Auf die Lebensmittel, die der Haarer Tisch seit 10 Jahren an Bedürftige ausgibt, spielte das Theaterstück der Grundschule St. Konrad an. Junges Gemüse saß da auf einer Bank und sinnierte darüber, was sie hier zu suchen hätten. Letztendlich war ihre Antwort: „Es gibt keinen besseren Grund hier zu sein als den Haarer Tisch.“

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Das „Junge Gemüse“ von der Grundschule St. Konrad trug mit einem kurzweiligen Theaterstück zur Erheiterung am Benefizabend des Haarer Tisches bei

Die Mittelschule bot eine Tanzdarbietung von drei Mädchen zu modernen Rhythmen dar.  Schließlich leitete die beiden Moderatoren des Abends, Martin Walter und Noah Rueff, beides Schülersprecher des EMG, über zum Hauptteil des Abends. „Was wünscht du dir für die Zukunft“, fragten sie sich gegenseitig. Ihre Quintessenz: Es wäre schön, wenn es so Einrichtung wie den Haarer Tisch gar nicht mehr bräuchte. Aber die Zahlen sprächen dagegen. Denn die Zahl der Leute, die zwei Mal in der Woche sei 10 mal so groß wie vor 10 Jahren. Da ging ein Raunen durch den Saal.

Zur Beantwortung der Frage „Wie wollen wir in Zukunft leben“, hatten die Veranstalter einen Experten eingeladen: Professor Dr. Harald Lesch. Er knüpfte nahtlos an die Frage der beiden Schüler an. Vom Klimawandel, über Börsen- und Spekulationsgeschäfte bis hin zur Digitalisierung und zur Energiewende zeigte er die Ökonomisierung aller Lebensbereiche auf und lehnte sich damit an eine Aussage des ehemaligen Bürgermeisters Helmut Dworzak vor einigen Jahren in einem Vortrag vor der Nachbarschaftshilfe an.

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Momente, die auch zum Nachdenken anregen und zum Innehalten auffordern – auch für den Redner selbst: Professor Dr. Harald Lesch als Gastredner auf der Benefizveranstaltung des Haarer Tisches zum 10 jährigen Bestehen

 

Umfassend übte Professor Lesch Kritik an den Zuständen. Er nahm die heutige Gesellschaft, die Zivilisation, den Zeitdruck, unter die Lupe und zeigte die Missstände auf. Er sprach die Ungleichheit der Mittelverteilung an. Philosophisch betrachtet schloss er sich dem Naturphilosophen Leibniz an, der meinte, wir lebten in der besten aller möglichen Welten – und das bezog Harald Lesch an diesem Abend auf Mitteleuropa, das seit 70 Jahren von Kriegen verschont blieb und auch keine großen Naturkatastrophen zu erwarten hat. Auf die Frage: „Wie wollen wir leben?“ ist betrifft ein Aspekt auch die Frage nach Sicherheit. Um weiter sicher leben zu können, forderte er eine Öffnung der Gesellschaft, eine Vertrauensgesellschaft, für die er exemplarisch den Haarer Tisch heranzog. Er plädierte für eine offene Zivilgesellschaft mit einer Willkommenskultur und schloss mit den Worten: „Haar ist eines dieser Paradiese, wo man gut leben kann.“ Im Anschluss an seine Vortrag, den er leidenschaftlich und mit Verve hielt, stellte er sich den Fragen aus dem Publikum, die wieder für sich neue Themen aufwarfen.

Bevor die Zuhörer den Saal verließen, gelang es Klaus Rückert nochmals die Aufmerksamkeit auf den Haarer Tisch zu lenken. Er bedankte sich bei allen Mitwirkenden für die ausgerichtete Feier und blickte zuversichtlich in die Zukunft bei dieser sozialen Einstellung der Haarer Schuljugend.

Die Benefizaktion „Haarer Schulen helfen dem Haarer Tisch“ war ein voller Erfolg! Für die Teilnehmenden, für die Zuhörer wie für den Haarer Tisch selbst. Das Wirken des Abends diente dazu, den Haarer Tisch zu unterstützen. Der Erlös aus dem Abend betrug 4.000 Euro, hinzukommen 1.000 Euro aus der Pfandrückgabe vom Tag der offenen Tür der Klasse 8f und 10a des Ernst-Mach-Gymnasiums. Und wie sagte schon Katharina Dworzak an diesem Abend zu Harald Lesch: „Es ist ein großes Glück für uns, dass Sie sich Haar als Wohnort ausgesucht haben.“

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