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Wie kommt der Autor zu seiner Idee?

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 01. März 2015

Internationale Spiele-Erfinder-Messe findet zum 18. Mal in Haar statt

(Text/Foto: rk) Im Bürgersaal hinter dem Gasthof Post in Haar brummt es. Zwischen den Tischreihen herrscht reges Hin und Her. Überall auf den Tischen sind Gesellschafts- und Familienspiele aufgebaut. Die internationale Spiele-Erfinder-Messe bringt Spiel-Autoren und Spiele-Erfinder mit den Redakteuren und den Produktentwicklern der Spielverlage zusammen.

Jessica Klostermair aus Haar ist mit 13 Jahren die jüngste Spiele-Erfinderin auf dieser Messe. Ihr Umweltspiel, ein Würfelspiel, heißt „Naturring in Gefahr“. Es geht um den Bau einer Bahnlinie durch einen Wald, den Förster verhindern wollen. Das Spiel hat sie in einer Gruppenarbeit vor drei Jahren im Ethikunterricht der Schule entwickelt und immer wieder mit ihrem Schulkameraden Tim modifiziert. Heute wollen beide ihr Spiel einem Redakteur vorstellen.

 

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Jessica Klostermair aus Haar nimmt mit 13 Jahren als jüngste Teilnehmerin an der Spiele-Erfinder-Messe teil; beim Würfelspiel „Naturring in Gefahr“ geht es um einen Eisenbahnbau quer durch einen Wald

Es werden ungefähr 40 Redakteure und Produktentwickler aus den Verlagen erwartet. Das ist gut, denn so ist für beide Seiten sehr gut gesorgt. Denn in Haar ist die Teilnehmerzahl an Autoren und Erfinder auf 100 begrenzt. „Jeder Verlag kann alles sehen und jeder Spiele-Autor hat die Chance auf einen Verlag“, sagt Tom Werneck vom Bayerischen Spiele-Archiv e.V., Organisator der internationalen Messe in Haar.

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Eine lockere Atmosphäre herrschte im Saal während der 18. Spiele-Erfinder-Messe, die am 27. und 28. Februar im Bürgersaal der Gemeinde Haar stattfand

In der Halle an den Tischen geht es lebendig zu. Allerdings sind die ausgebreiteten Spiele oft gar nicht so bunt oder aufwendig illustriert, wie sie in Geschäften ausgestellt und zu kaufen sind oder aus Katalogen uns ansprechen. Es sind Prototypen und von daher manchmal aus einfacher Pappe hergestellt und mit Buntstiften bemalt. Hier ist Fantasie gefragt. Und Fantasie wie Kreativität ist im Saal geballt vorhanden.

Seine Fantasie wurde beispielsweise ausgezeichnet: David Parlett aus England kommt seit Beginn der Spiele-Erfinder-Messe, also schon seit 18 Jahre nach Haar und ist ein alter Freund von Tom Werneck. 1979 hat er mit seinem Spiel „Hase und Igel“ als Erster in Deutschland den Preis „Spiel des Jahres“ gewonnen.

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Frances Touch (links) und David Parlett aus England (rechts) nehmen jedes Jahr an der Spiele-Erfinder-Messe in Haar teil zur Freude von Tom Werneck (mitte) vom Bayerischen Spiele-Archiv Haar e.V.; sie verbindet eine schon jahrzehntelange Freundschaft; David Parlett war der erste Preisträger 1979 von „Spiel des Jahres“ mit dem Brettspiel „Hase und Igel“; das Spiel erschien in England 1974 unter dem Namen „Hare and Tortoise“

Aber wie kommt man auf die Idee, so ein Spiel zu entwickeln? Axel Hennig, Spiele-Autor und einer der fünf Preisträger im Deutschen Autorenwettbewerb, kommt aus Köln. Er präsentiert sein Spiel „Drehwurm“. Ein klassisches Karten-Ablegespiel. Gewonnen hat der, der die meisten Punkte gesammelt hat, bis alle Karten abgelegt sind. Wie die Idee zum Spiel entstand, das kann er schwerlich beantworten. Aber wie es anfing: Seit 12 Jahren beschäftige er sich nun kreativ mit Spielen. Zuerst seien nur die Ideen da gewesen, meint er. Dann besuchte er Fortbildungen und lernte, wie Prototypen zu erstellen sind. Weiterbildungen in diesem Bereich gäbe es auch, sagt er schmunzelnd. „Es hat wie bei vielen mit einer Variante von Monopoly angefangen. Aber das würde natürlich heute kein Verlag mehr nehmen.“ Heute holt er sich durch Beobachtungen seine Inspirationen.

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Die Preisträger des ersten Deutschen Autorenwettbewerbs saßen exponiert auf der Bühne im Bürgersaal der Gemeinde Haar während der 18. Spiele-Erfinder-Messe, die am 27. und 28. Februar stattfand; vorne Axel Hennig mit seinem prämierten Kartenspiel „Drehwurm“, dahinter Timo Diegel mit seinem Turmspiel „Das geht schief“; links am Tisch Tom Werneck vom Bayerischen Spiele-Archiv e.V., Organisator der Messe

In einem weiteren prämierten Spiel geht es darum, einen Turm zu bauen. „Es gibt Punkte für das Bauen. Je höher der Turm, desto mehr Punkte. Für das Setzen ist ein Punkt zu zahlen, wenn der Turm einbricht, ist es ganz schlecht, denn dann bekomme ich gar keine Wertung mehr“, so erklärt in kurzen Worten Preisträger Timo Diegel sein Spiel „Das geht schief“. Ein Spiel der ganz anderen Art. „Es geht hier hauptsächlich um den Spaß am Bauen. Und auch ein bisschen die Gier, möglichst viel Punkte zu sammeln, aber auch ein Risiko einzugehen.“ Insgesamt gibt es 15 Varianten zu diesem Spiel.

Es wird gespielt und getestet an diesem Nachmittag. Spieler, Erfinder wie Tester, neigen ihre Köpfe über Brettspiele, Karten oder lassen die Würfel rollen. Es wird geredet und erklärt. Einige sitzen da und machen sich Notizen. Die Atmosphäre im Saal ist entspannt. Welche Ideen in den Verlagen ankommen und uns irgendwann zum Kauf bereitstehen, das steht noch in den Sternen.

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