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Rechtzeitig richtig vorsorgen

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 03. Februar 2015

Prof. Dr. Peter Paul Gantzer informierte über das 3-Säulen-Modell von Patienten-, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht

(Text/Foto: rk) Der Kleine Saal des Bürgerhauses Haar platzte am Donnerstag, 29. Januar 2015, aus allen Nähten. Prof. Dr. Peter Paul Gantzer, Notar und Landtagsabgeordneter, referierte über Vorsorgemaßnahmen unter dem Titel „Patientenverfügung, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht“. Das Interesse war so groß, dass die Nachbarschaftshilfe Haar sich noch am gleichen Abend entschloss, den Vortrag zu wiederholen.  

Prof. Dr. Peter Paul Gantzer hat alle angesprochen. Er richtete sich durchaus auch an die Jüngeren, die beispielsweise nach einem Motorradunfall im Koma liegen und sich dann nicht mehr äußern können. In so einem Fall greift dann die Patientenverfügung. Also ein Thema, das nicht nur ältere Menschen betrifft. Das gleiche gilt für die Betreuungsverfügung und die Vorsorgevollmacht. Häufig werden diese Themenkomplexe ignoriert und auf die lange Bank geschoben. Doch wenn es dann passiert, ist es oft zu spät.

In einem lebendigen und kurzweiligen Vortrag rüttelte Prof. Dr. Peter Paul Gantzer das Bewusstsein vieler wach. Die Interessierten konnten jederzeit Zwischenfragen stellen. Kurz und prägnant ging er auf die drei Säulen ein, die er für maßgeblich hält. „Aus der Praxis für die Praxis“, brachte der Referent seine Intention auf den Punkt. Er blickt selbst auf eine 40-jährige Berufserfahrung als Notar zurück.

Patientenverfügung – am besten mit Vertrauensperson und Arzt

Die drei Säulen setzen sich aus der Patienten-, der Betreuungsverfügung und der Vorsorgevollmacht zusammen. Zuerst ging Gantzer darauf ein, was die Zuhörer unter den einzelnen Maßnahmen zu verstehen hätten, was sie beinhalten.

Bei der Patientenverfügung glauben viele, der Arzt müsse sich obligatorisch an diese halten. Das ist aber nicht der Fall, denn es gehören zwei Personen dazu. Gantzer empfahl deshalb, mit der Patientenverfügung auch eine Vertrauensperson zu benennen, beispielsweise Ehepartner oder Kinder. Um dem Arzt zu belegen, dass der Wille in der Patientenverfügung bis zum Schluss galt und nicht nur einmal geäußert wurde, schlug der Notar vor, sich die Patientenverfügung alle paar Jahre vom Arzt abstempeln zu lassen. So wird der kontinuierliche Wille dokumentiert.

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Prof. Dr. Peter Paul Gantzer referierte im Kleinen Saal des Bürgerhauses am Donnerstag, 29. Januar 2015 zu „Patientenverfügung, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht“ – ein Vortrag, zu dem die Nachbarschaftshilfe Haar e.V. eingeladen hatte

Betreuungsverfügung – alles unter staatlicher Aufsicht

Die Betreuungsverfügung hingegen tritt ein, wenn ein Mensch schwerbehindert ist. Der Betreuungsgrad richtet sich nach dem Grad der Behinderung. Eine totale Betreuung tritt dann ein, wenn der Arzt die Geschäftsunfähigkeit feststellt. In einer Betreuungsverfügung kann festgehalten, wen sie als Betreuer bestellen möchten. Prof. Dr. Gantzer erinnerte an die Schlagzeilen, Betreuer hätten Vermögen veruntreut, und stellte richtig: „Das waren in der Regel keine Betreuer, das passiert ganz, ganz selten. In der Regel hat jemand eine Vollmacht ausgestellt und der Betreffende, dem die Vollmacht erteilt wurde, steht nicht unter staatlicher Aufsicht. Da liegen die großen Missbrauchsfälle.“

Die Betreuungsvollmacht wird staatlich eingesetzt und kontrolliert wird. Das bedeutet: Der Richter überprüft die eingesetzte Person auf ihre Vermögensverhältnisse und es müssen dem Gericht die jährlichen Abrechnungen vorgelegt werden. Größere Anschaffungen oder Verkäufe unterliegen auch einer richterlichen Genehmigung.

Vorsorgevollmacht – ratsam in der engsten Familie

Die Vorsorgevollmacht hingegen ist privat eingesetzt und wird nicht kontrolliert. Die Generalvollmacht erlaubt zum Beispiel, sollte ein Ehepartner schwerstbehindert sein, dass der andere die Geschäfte übernehmen und fortführen kann. Prof. Dr. Peter Paul Gantzer riet zur Vorsorgevollmacht allerdings nur im engsten Familienkreis. Dazu zählte er die Eheleute, evtl. noch die Kinder, aber nicht mehr darüber hinaus – nach dem Motto „Blut ist dicker als Wasser“. Alle anderen würde er eher für eine Betreuungsvollmacht einsetzen.

Viele, viele weitere Fragen beantwortete der Referent zwischendurch und im Anschluss. Beispielsweise, wie sichergestellt werden könne, dass die getroffenen Vorsorgemaßnahmen gefunden werden. Der Referent wies darauf hin, dass einerseits bei den Personalien, beim Ausweis, das zu tragen wäre und alles mit der Familie besprochen sein sollte, auch wo welche Dokumente zu finden wären. Zudem kann man sich bei der Bundesnotarkammer registrieren lassen und die Vorsorgemaßnahmen dort hinterlegen. Eine Lösung beispielsweise für Alleinstehende.

Wie all diese Maßnahmen zu ergreifen sind, dazu empfahl Notar Gantzer die Vorsorgebroschüre des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz. Die Broschüre und die Formulare liegen bei der Nachbarschaftshilfe Haar in der Geschäftsstelle aus und können auch dort gegen ein geringes Entgelt erworben werden.

Die Antworten von Prof. Dr. Peter Paul Gantzer waren stets für alle sehr aufschlussreich. Einen zweiten Vortragsabend mit ihm zu diesem Thema hat die Nachbarschaftshilfe Haar spontan am gleichen Abend vereinbart. In drei Monaten soll der Abend wiederholt werden. Auch der wird sicherlich hochinteressant werden.

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