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Der Mond hatte Erdbrand

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 17. November 2014

Musik und Wissenschaft widmen sich dem mythischen Himmelsgestirn

(Text/Foto: rk) Was wird dem Mond nicht alles zugeschrieben? Professor Dr. Harald Lesch räumte am Mittwoch, 12. November 2014, abends im Bürgersaal der Gemeinde Haar mit so manchem Irrglauben auf. Die Faszination des Mondes aber bleibt. Denn in der Wissenschaft wie in der Musik war, ist und bleibt der Mond ein Thema. Das Neueste war an diesem Abend zu hören, von wissenschaftlicher wie von musikalischer Seite her.

Die Bürgerstiftung Haar hatte eingeladen zu „Eine Mondscheinserenade. Musik & Physik vom Mond.". Die Schlagzeilen der Raumsonde Rosetta ließen diesen Abend in einem zusätzlich interessanten Licht erscheinen. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte landete eine Raumsonde auf einem Kometen, dem Komet Tschurjomow-Gerassimenko. Die ersten Bilder wurden bereits auf die Erde übertragen, so verkündete der Astrophysiker Harald Lesch ganz begeistert. In welchen Bann ihn selbst dieses Ereignis nahm, daran ließ er keinen Zweifel. War das dem Einfluss des Mondes geschuldet? War die Landung nicht schon lange vorher abzusehen, so dass es Absicht gewesen wäre, beide Ereignisse, Kometenlandung und Bühnenabend in Haar, zusammenfallen zu lassen?

„Das war so nicht geplant", versicherte er sofort und überzeugte in seiner unverwechselbaren Art die lachenden Zuhörer. Damit war der Vortragende Harald Lesch auch gleich in seinem Element. An diesem Abend ging es um den Mond. Unseren Mond. Sein Einfluss auf die Menschen, seine Entstehung und die Abhängigkeit der Erde vom Mond.

Lesch trat auf, wie man ihn kennt. Impulsiv, stets mit kleinen Anspielungen und verbalen Ausflügen in die Jetztzeit. Das macht seine Reden auch so lebendig. Der Wissenschaftler offenbarte sich an diesem Abend wieder einmal als politischen Menschen, als einen engagierten Mitbürger. Sein Engagement für die Wissenschaft wiederum belebt seine Vorträge, die gekennzeichnet sind durch seine mitreißende Art. Temperamentvoll, mit ausladenden Handbewegungen nahm er den ihm zur Verfügung stehenden Bühnenraum ein. Plastisch, von der Geste wie vom Inhalt her, transportierte er komplexe wissenschaftliche Sachverhalte.

Viele Mythen ranken sich um den Mond. 92 Prozent der Menschen glauben an einen Einfluss des Mondes, das hatte der Naturwissenschaftler während seiner Vorbereitung auf diesen Abend mit Erstaunen feststellen müssen. Er ging Aussagen von Mondkalendern nach, wozu er kennzeichnenderweise Aufzeichnungen benötigte, und widerlegte diese humorvoll. Das amüsierte auch das Publikum. Das Manuskript legte er dann wieder zur Seite, sobald er sich seinen Themen widmete. Denn einen Einfluss des Mondes räumte der Physiker zwar ein, allerdings nicht auf das Individuum, sondern auf den Planeten Erde. Allgemein bekanntes Beispiel: die Gezeiten. Aber es geht ja noch weiter. So die Frage, was wäre denn die Erde ohne Mond? Harald Lesch hob eine Hand hoch, reckte den Zeigefinger nach oben. Für jeden gut sichtbar. Das sei die Erdachse. Mit der anderen Hand legte er dann den Mond weg. Ohne Mond würde die Erdachse nun wild hin und her pendeln wie ein Kuhschwanz, erklärte er und demonstrierte das mit seiner Hand und dem wackelnden Zeigefinger sehr einprägsam. Ein Tag hätte gerade einmal vier bis fünf Stunden – was dem einen oder anderen vielleicht gar nicht mal unangenehm wäre, räumte er noch augenzwinkernd ein. Und es würden so starke Winde auf der Erde wehen, dass nur flache Lebewesen auf unserem Planeten leben könnten.

Dann kam Harald Lesch auf die Entstehungsgeschichte des Mondes zu sprechen. Sie ist zwangsläufig auch mit der der Erde verbunden. Denn wie kommt es, dass der Mond genau auf dieser Umlaufbahn, 40.000 km entfernt von unserem Planeten, immer nur eine Seite uns zugewandt, sich um die Erde dreht? Aktuell herrscht die seit Anfang 2014 geltende Theorie eines die Erde streifenden Impaktors vor. Das ist auch der Grund, weshalb der Mond auf seiner dunklen Rückseite so ganz anders aussieht als die Vorderseite: Der Mond hatte Erdbrand. Die Ur-Erde war 8.000 Grad heiß, als,der Impaktor die Erde streifte. Das Teilchen, das sich als Mond ablöste, war mit der der Erde zugewandten Seite diesen hohen Temperaturen ausgesetzt. Das erklärt das unterschiedliche Aussehen von Vorder- und Rückseite.

MondscheinMusik Lesch Bild 6

Ein Abend, der dem Mond gewidmet war; mit Musik von Ben Esen, Clemens Wiedemann, Ingo Erlhoff und Ulrike Wiedemann (alle sitzend v.l.n.r.) und mit Erhellendem wie Neuem zum Mond aus der Wissenschaft von Prof. Dr. Harald Lesch (stehend am Rednerpult)

 

Abgesehen von der ganzen Wissenschaft verdanken die Menschen dem Mond auch schöne Musik. Die Leichtfüßigkeit, mit der Harald Lesch seine Zuhörer unterhielt, spiegelte sich auch in der Musik wider. Ein humorvolles, spitziges Saxophon auf der Basis volkstümlicher Musik, nachdem Lesch die Mythen widerlegt hatte. Der Darlegung, was der Mond für die Erde leistet, folgte ein Lobgesang auf den Mond mit „Claire de lune" am Klavier. Und zur Einleitung, wie der Mond wirklich entstanden ist, erklangen Computertöne, die das Rauschen und die Weiten des Weltalls einfingen. Diese Klangkollage zum Impaktor war eine Eigenkomposition, die wirklich die Zuschauer fesselte. Passend zum Exkurs der Mondlandung von Apollo 11 spielten die Musiker das Stück „Fly me to the moon". Es folgten zwei weitere Eigenkompositionen. Der Abend hatte klassisch mit der kleinen Nachtmusik begonnen und endete dann auch wieder klassisch mit der Mondschein Sonate.

Den musikalischen Rahmen gestalteten Ulrike Wiedemann am Klavier, Ingo Erlhoff am Saxophon und der Klarinette, Clemens Wiedemann an der Gitarre und Ben Esen am Schlagzeug, Percussion und Synthesizer. Mit der Auswahl ihrer Musikeinlagen trafen sie stets den passenden Ton. Die Vielfalt von klassischer Klaviermusik und den Eigenkompositionen mit den modernen sphärischen Synthesizer-Klängen entwickelten ihren ganz eigenen Reiz. Die Musik entsprach den Inhalten, ob nachdenklich, humorvoll oder träumerisch. Eine Einheit von Musik, Sprache und Humor.

Dass Wissenschaft nicht nur aus grauer Theorie und trockener Materie besteht, demonstrierte Professor Harald Lesch mit diesen vier Musikern der Musikschule Haar sehr einfühlsam. Die Bürgerstiftung Haar, mit dem Vorstand Jürgen Partenheimer und Alfred Feicht, bedankten sich bei den Musikern und dem Vortragsredner Harald Lesch, selbst Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Haar, für diesen Abend unter dem großen Applaus des Publikums.

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