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Brand- und Katastrophenschutz zum Anfassen

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 28. Juli 2014

Freiwillige Feuerwehr Haar, Werksfeuerwehr IAK, der ABC-Zug München Land und das Technische Hilfswerk präsentierten ihre Einsatzgebiete

(Text/Fotos: rk) Funken, Flammen, Feuer – und viel Wasser. Bei diesem heißen Tag kommt das gut an bei den Kindern. Die waren zahlreich am Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Haar am Samstag, 26. Juli, nachmittags auf dem Gelände in der Vockestraße 42 zu Gast. Und was da alles geboten wurde!

 

 

Von den neugierigen Kleinsten an der Hand des Vaters über den interessierten Jugendlichen an der Seite der Mutter bis hin zum passionierten Retter. Es war für jeden etwas dabei. Gleich vier Organisationen beteiligten sich am Tag der offenen Tür auf dem Gelände des Brand- und Katastrophenschutzzentrums bei herrlichem Wetter. Gerade richtig für die Vorführungen, die von der Freiwilligen Feuerwehr Haar, dem ABC-Zug München Land, von der Werkfeuerwehr IAK (Isar-Amper-Klinikum) und dem Technischen Hilfswerk (THW) gezeigt wurden.

Aller Orts gab es etwas zu sehen, auch zum selbst Ausprobieren. Angefangen von der kleinen Flamme, die zusammen mit Beatrice Kühn, Werksfeuerwehr IAK, gelöscht werden durfte, bis hin zu den großen Spritzschläuchen, die die Älteren von der Freiwilligen Feuerwehr Haar in die eigene Hand bekamen. Die sind allerdings runter reguliert, denn sonst könnten sie der Kraft des Wassers nicht standhalten. „20 Liter haben wir eingestellt, sonst gehen die Kinder rückwärts“, erläuterte Walter Böhm von der Freiwilligen Feuerwehr Haar schmunzelnd. Das reichte auch vollkommen aus.

Fognail – die Vorführung hatte eher die Älteren angelockt. Diese Löschmethode kommt aus den skandinavischen Ländern zu uns und heißt wörtlich übersetzt: Nebelhammer. Mit einem Spezialhammer, an dem der Löschschlauch angeschlossen ist, wird der Schlauch in eine Tür geschlagen. So kann man Wassernebel hinter einer verschlossenen Tür einsetzen, ohne diese aufbrechen zu müssen. Der Brand kann sicherer und schneller gelöscht werden. Zudem reduzieren sich die Wasserschäden, die sonst beim Löschen entstehen.

Ab wie viel Jahren kann man in der Feuerwehr Haar mitmachen? Das ist eine der Fragen, welche die Freiwillige Feuerwehr Haar ausgearbeitet hatte. Das Quiz motivierte die Gäste sich mit den Mitwirkenden aller Organisationen zu unterhalten, nach Details zu fragen und sich zu informieren. In der großen Halle waren Ausstellungstafeln mit den Eckpunkten der Geschichte zur Haarer Freiwilligen Feuerwehr aufgestellt. Feuerwehrfahrzeuge standen mit geöffneten Fahrertüren da und luden ein, selbst einmal in so einem Fahrzeug Platz zu nehmen. Mitfahren konnte man bei den angebotenen Rundfahrten mit der historischen Drehleiter der Feuerwehr Oldtimer e.V. Stichflammen aus Töpfen und brennende Küchen wurden gelöscht. Aber es ging nicht nur um das Löschen allein.

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Die 4-jährige Hanna Berchtold wird von den Feuerwehrmännern angeleitet, eine Wagentür zu spreizen zur Bergung von Fahrzeuginsassen bei einem Verkehrsunfall; den Kleinen macht es sichtlich Spaß, dass sie selbst mithelfen dürfen

Wie Darth Vader verkleidet stapften die Jüngsten zu einem Auto, das arg zugerichtet war. Die Feuerwehrmänner simulierten einen Verkehrsunfall mit Personenschaden. Um die Verletzten zu bergen, muss die Feuerwehr spreizen und schneiden. Unter der Anleitung von zwei Feuerwehrmännern, Philipp Frentzl und Maximilian Protzner, durften das nun auch die Jüngsten. Mit dem Feuerwehr-Helm, den Schutzhandschuhen, die den halben Arm bedeckten, und dem Schutzmantel, der ihnen angezogen worden war und bis zum Boden reichte, sahen sie aus wie die Figur aus Star Wars!

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Der Dekontaminationsplatz, wo Einsatzkräfte des ABC-Zuges München Land ihre Kollegen in den Chemikalienschutzanzügen abschrubben und abwaschen, um sie von giftigen, ätzenden oder anderen gefährlichen Substanzen zu reinigen

Menschen von einem anderen Stern schienen auch weiter hinten auf dem Gelände herumzulaufen. Silberfarbene und knallig orange Anzüge, golden spiegelnde Gesichtsmasken sowie Atemmasken sahen eher nach Außerirdischen denn nach Menschen aus. Die Mannschaft des ABC-Zuges München Land demonstrierte, wie sie bei einem Chemikalien-Einsatz, beispielsweise einem Tankwagen-Unfall, vorgeht. Einsatzleiter Dr. Stefan Sellmeier erläuterte die einzelnen Schritte: Personen in Chemikalienschutzanzügen fangen die austretende Flüssigkeit in einem Becken auf. Da die Einsatzkräfte oft mit ätzenden Flüssigkeiten und Gasen konfrontiert werden, tragen sie Schutzanzüge, die komplett luftdicht sind. Das ist auch der Grund, weshalb sie unter dem Anzug auf dem Rücken eine Pressluftflasche für die eigene Sauerstoffzufuhr tragen. Die maximale Einsatzzeit beträgt 30 Minuten. Danach kommen sie zum Dekontaminationsplatz. Dekontamination bezeichnet das Entfernen gefährlicher Substanzen auf einer Oberfläche. Der Platz kennzeichnet die Grenze des Gefahrenbereichs. Dort warten dann die orangen Kollegen. Sie waschen mit Dekontaminationsmitteln ihre Kollegen ab. Die orangen Schutzanzüge sind gegen Flüssigkeiten abgedichtet, aber schützen nicht mehr vor Gas.

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Der große Knall war angekündigt worden; die Zuschauer hielten sich die Ohren zu, denn eine Spraydose, die in ein Feuer geworfen wird, explodiert dramatisch

Und dann machte es Puff! Michael Berg von der Werksfeuerwehr IAK veranschaulichte, was passiert, wenn eine ganz gewöhnliche Spraydose sich so erwärmt, dass sie explodiert. Das könnte sein, wenn sie an heißen Tagen im Auto liegen gelassen wird oder auch achtlos in Feuer oder in noch glimmende Kohle eines Grillfeuers geworfen wird. Von der Dose selbst hatte es das Innerste nach Außen gekehrt.

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Die Funken sprühen, wenn eine Sauerstoffkernlanze eingesetzt wird; das THW demonstrierte den Einsatz des Brennschneidegerätes mit Sauerstoff am Betonpflock

Einen Funkenregen gab es beim Technischen Hilfswerk. Unter großem Andrang wurde die Rettung Verschütteter nach einem Erdbeben oder Gebäudeeinsturz vorgeführt. Ein Betonblock sollte die Decke darstellen, durch die die Retter müssen. Was tun? Weder Flex noch Trennjäger brächten den gewünschten Erfolg. Zum Einsatz kommt dann die Sauerstoffkernlanze. Das ist ein Stahlrohr, gefüllt mit Stahldrähten, durch das unter hohem Druck Sauerstoff strömt. Am Ende der Lanze verbrennen die Stahldrähte. Das ruft extrem hohe Temperaturen hervor, die zusammen mit dem entstehenden Druck und Gas das Material, zum Beispiel Beton, durchtrennen. Das faszinierte die Umstehenden.

Insgesamt ein lehrreicher und interessanter Nachmittag, der aber auch den Spaß nicht zu kurz kommen ließ. Dafür sorgten Hüpfburg, Kinderschminken, Löschwand und Biergarten. Und übrigens – hätten Sie es gewusst? Ab 15 Jahre können Jugendliche der Freiwilligen Feuerwehr Haar beitreten. Der nächste Ausbildungslehrgang startet im September.

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