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Feuer, Hagel, technische Hilfe – und Glücksbringer?

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 16. Juli 2014

Die Freiwillige Feuerwehr Haar feiert 140 Jahre und erinnert mit einer Ausstellung im Rathaus-Foyer an den Wandel und an die Einsätze im Laufe ihrer Geschichte

(Text/Fotos: rk) Eine der größten Herausforderungen der Feuerwehr Haar ist unbestritten der Hagel, der sich exakt zum Tag der Ausstellungseröffnung am 12. Juli 2014 zum 30. Mal jährt. Aber die Feuerwehr Haar hat weit mehr zu bieten!

 

 

Der Hagel vor 30 Jahren hinterließ Verwüstung und Schaden in Höhe von mehreren Millionen Mark. Danach ging eine Welle der Hilfsbereitschaft durch Haar. Ein gegenseitiges Helfen habe sich in einer noch nie dagewesen Form offenbart, betont Bürgermeisterin Gabriele Müller zur Ausstellungseröffnung und bedauert, dass das Jubiläum 140 Jahre Freiwillige Feuerwehr Haar fast im Schatten des Gedenktages 30 Jahre Hagel über Haar steht. „Jeder der in Haar war, kann sagen, wo er in diesem Moment war und was da gerade passierte.“

Feuerwehr Haar Ausstellung Bild 1

Zur 140-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr Haar überreicht Kommandant Thomas Schwinghammer der Haarer Bürgermeisterin Gabriele Müller ihre ganz persönliche Brandschutzweste

Dem damaligen außerordentlichen Einsatz der Feuerwehr Haar in ihrer 140-jährigen Geschichte ist ein Sonderbereich in der Ausstellung im Rathaus-Foyer gewidmet. Auch Sigrid Habeker wird diese wenigen Minuten nie vergessen. Sie steht mit ihrem Mann Walter im Foyer vor einer Tafel, auf der steht: „Gronsdorf traf es am härtesten“. Auf einem der Fotos ist ihr Hof zu sehen. Sie kann sich noch ganz genau an den Tag erinnern. Es sei ein sehr trockener und sehr heißer Tag gewesen. Sie haben Heu eingefahren. Ihr Mann, ihr Sohn und sie. Als sie mit ihrem Sohn an der Hand zu Fuß nach Hause ging, wurde es immer schwärzer am Himmel. Dann liefen sie. Auf einmal habe sie ein Geräusch gehört – das war ein Hagelkorn. Es hatte das Bein ihres Sohnes getroffen. Er habe richtig aufgeschrien. Sie suchten Unterschlupf in einem Geräteschopf. Das Wasser kam von allen Seiten. Sie nahm eine große Blechschüssel und kauert sich mit ihrem Sohn darunter. Das Ganze dauerte 20 Minuten. Dann war alles vorbei. Der Hagel hatte inzwischen den Hof jedoch in voller Härte getroffen. In diesen wenigen Minuten hatten die Hagelkörner die westlich gelegenen Fenster vom Wohnhaus eingeschlagen und oben auf dem Dach die Ziegel zerschlagen. „Vom Speicher bis zum 1. Stock drang das Wasser durch!“, erzählt Sigrid Habeker.

Feuerwehr Haar Ausstellung Bild 2

Ehepaar Sigrid und Walter Habeker stehen vor der Ausstellungstafel, die den Schaden an ihrem Hof in Gronsdorf dokumentiert; es ist jedoch schon so lange her, dass sie sich heute aus der zeitlichen Distanz die Bilder ansehen wie Erinnerungsfotos im Familienalbum

 Wie kam es zu so einer Katastrophe? Eine Tafel erklärt mit Wetterdaten, wie diese Unwetterfront vom Bodensee über Ravensburg Richtung München und von dort nach Niederbayern zog. Die Hagelkörner waren durchschnittlich fünf bis sechs Zentimeter groß. Die größte, die damals gefunden wurde, erreichte einen Durchmesser von 9,5 cm und wog 300 Gramm. Fotos dokumentieren wuchtige Zerstörungen, kaputte Autos, zerborstene Scheiben, zerschlagene Dachziegel. Ludwig Kaltenberger, Vorstand der Feuerwehr Haar, hatte zur Eröffnung der Ausstellung Zahlen zusammengetragen: 200.000 verbeulte Autos, 70.000 beschädigte Gebäude und mehrere Hunderte Verletzte. Andere Bilder zeigen die zusammengekehrten Ziegel am Straßenrand, Menschen, die auf Dächern arbeiten und diese notdürftig mit Folie abdecken. Sie erinnern an die umfassenden Aufräumarbeiten, die danach stattfanden.

Unterstützung sei bis aus Garmisch, Rosenheim und von der Bundeswehr damals gekommen, schildert Kommandant Thomas Schwinghammer die Situation nach dem großen Hagel. Und Pressesprecher Karl-Heinz Bitzer bekräftigt, dass bis zu 2.000 Einsatzkräfte in den Straßen von Haar unterwegs waren. Er hat als junger Löschmeister alles hautnah miterlebt.

Heute will die Feuerwehr den Kindern demonstrieren, wie es war, dieses Rasseln, Klopfen und Hämmern. Die Anwesenden werden gebeten unter den Bäumen um den Rathausvorplatz Schutz zu suchen. Von zwei Drehleitern lassen zwei „Hagelwerfer“, Heinz Schlüter und Werner Böhm, weiche Filzbälle in verschiedenen Größen auf die Kinder auf dem Rathausvorplatz herabfallen und lassen es auf Geheiß des Pressesprechers Bonbons regnen. Die Kinder freut’s, denn es sind auch noch kleine Preise in den Bonbons versteckt.

Die Ausstellung im Rathaus-Foyer präsentiert auch den Wandel im Laufe der Zeit: Die Entwicklung der Feuerwehr, die sich vor 140 Jahren in Gronsdorf aus dem Eigeninteresse der Bewohner gebildet hatte zum Schutz vor Feuersbrünsten. Heutzutage ist die Feuerwehr mehr „Mädchen für alles“, vor allem leistet sie technische Hilfe, wie Kommandant Thomas Schwinghammer feststellt.

Feuerwehr Haar Ausstellung Bild 3

Die Ausstellung dokumentiert die Entwicklung der Feuerwehr im Laufe der Zeit hinsichtlich Technik, Schutzkleidung und Einsatz 

Und die technischen Entwicklungen haben auch die Ausstattung der Feuerwehr selbst verändert: von der Schutzkleidung über die Funktechnik in den Fahrzeugen bis hin zur Funktechnik zur Alarmierung eines Feuerwehrmanns. Gab es bis in die 1960er-Jahre noch die Sirene, kam darauf die sogenannte stille Alarmierung durch Funkmeldeempfänger, die damals noch größer als ein Toaster waren, so Schwinghammer in seiner Eröffnungsrede aus. Mittlerweile ist die Funktechnik so weit, dass das Alarmgerät nicht größer als eine Zigarettenschachtel ist, die jeder Feuerwehrmann am Gürtel trägt.

Feuerwehr Haar Ausstellung Bild 4

So klein sind heutzutage die Funkalarmsysteme für einen Feuerwehrmann; Kommandant Thomas Schwinghammer von der Freiwilligen Feuerwehr Haar zeigt den Besuchern zur Ausstellungseröffnung „140 Jahre Feuerwehr Haar“ im Rathaus-Foyer das Gerät (v.l.n.r.): Feuerwehr-Pressesprecher Karl-Heinz Bitzer, Bürgermeisterin Gabriele Müller, Feuerwehr-Vorstand Ludwig Kaltenberger und Kommandant Thomas Schwinghammer 

Aber könnte die Feuerwehr Haar auch Glücksbringer sein? Pressesprecher Bitzer ist davon überzeugt, denn er zieht einen interessanten Schluss: 1954 feierte die Freiwillige Feuerwehr Haar das 80-jährige Jubiläum und Deutschland wurde im Fußball Weltmeister. 1974 feierte die Haarer Feuerwehr 100 Jahre – und Deutschland wurde Weltmeister. Und 2014? Er sollte recht behalten

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