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Einbruchschutz vom Profi

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 03. April 2014

Absichern, aufmerken, anrufen – das kann jeder für die Sicherheit tun

(Text/Foto: rk) Viele Fragen stürmen auf Kommissar Arno Helfrich am Montagabend, 31. März, im Seniorenclub Haar ein. Er steht allen geduldig Rede und Antwort. Das Thema „Sicherheit durch Prävention – Einbruchschutz“ ist brisant, denn wer möchte nicht wissen, wie man sich gegen einen Wohnungseinbruch am besten schützen kann!

Der Raum des Seniorenclubs scheint nicht auszureichen, immer wieder werden noch mehr Stühle herbei getragen. Es sitzen vorwiegend Ältere im Publikum, doch auch ein paar Junge hat das heikle Thema kommen lassen. Aufgeschreckt hat sie alle die Meldung, dass die Einbrüche nicht nur in München, sondern auch im Landkreis zugenommen haben. Die Zahlen sind zwar nicht so alarmierend wie in anderen Regionen Deutschlands, aber auch nicht zu unterschätzen, so der Polizeibeamte.

Die Gemeinde Haar hat aus diesem Grund in die Räume des Seniorenclubs Haar eingeladen und Arno Helfrich vom Kommissariat für Prävention und Opferschutz beim Polizeipräsidium München informiert die verunsicherten Bürger, wie sie sich am besten gegen Einbruch schützen können. Denn eines ist klar: Die Aufklärungsquote fällt im Vergleich zu anderen Straftaten wirklich gering aus. Sie liegt bei knapp unter 20 Prozent!

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Arno Helfrich vom Kommissariat für Prävention und Opferschutz beim Polizeipräsidium München referiert im Seniorenclub Haar über Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor Einbruch – und das vor vollem Haus

Viele Einbrüche bleiben jedoch im Versuch stecken. Ungefähr 40 Prozent. Das heißt, entweder kam der Einbrecher nicht schnell genug an sein Ziel, also in die Wohnung, er wurde gestört oder etwas anderes hat ihn vom Einbruch abgebracht. Einbrecher seien scheu und faul. Es müsse stets schnell und ohne großen Aufwand gehen.

Das muss man sich merken und stets vor Augen führen. Das Geheimnis, die eigenen vier Wände abzusichern, liegt folglich schon darin, die Zeit für den Einbruch zu verlängern. Zum Beispiel mit einer Absicherung der Terrassentür mit Pilzköpfen, die auch nachträglich anzubringen sind. Ein Schreiner kann sie einbauen. Kosten: ein paar hundert Euro. Die Pilzköpfe verhaken sich gegeneinander und der Einbrecher kann die Tür nicht mehr aushebeln. Statt wenigen Sekunden würde er mehrere Minuten brauchen – für ihn zu lange und im Idealfall wendet er sich ab.

Das schnelle Aushebeln von Türen ist immer noch der Klassiker. Einbrecher gehen meist nicht mit Gewalt ans Werk. Das würde Lärm verursachen und die eigene Verletzungsgefahr wäre zu groß - all das widerspreche dem vorsichtigen Wesen des Einbrechers, wie Arno Helfrich aus jahrelanger Erfahrung zu berichten weiß. Ein Einbruch muss schnell ablaufen, ohne Aufwand, ohne Aufmerksamkeit.

Wenn das Hebeln nichts bringt, wendet sich der Eindringling vielleicht den Fenstern zu. Hier liegt die Schwachstelle bei den Griffen. In den Niederlanden sind bei Neubauten abschließbare Fensterverriegelungen inzwischen Pflicht. Die Qualität ist hier entscheidend und es lohnt sich, nicht das Billigste im Baumarkt zu kaufen.

Heruntergelassene Jalousien deuten eher auf eine Abwesenheit hin, die den Straftäter mehr ermutigen könnten als abschrecken. Hingegen wirken Lichtquellen, ein gut einzusehendes oder offenes Grundstück sowie aufmerksame Nachbarn abschreckend. Denn der Einbrecher sei von Haus aus scheu und feig, so der Einbruchsexperte.

Mit trockenem Humor erzählt er, welche Verstecke sich Geschädigte für Schmuck oder Bargeld ausgesucht hätten, die jedoch alle ausnahmslos kein Hindernis für einen Einbrecher darstellen: vom Gefrierschrank über die Wasserspülung in der Toilette bis hin zum Wäschekorb im Keller.

Das Lachen schlägt in Erschütterung um, als eine Betroffene berichtet, nicht der materielle Schaden wäre das Schlimmste gewesen. Nein, das Eindringen und die Verletzung des Privaten hinterlassen Spuren, die noch Jahre danach die Betroffenen in Angst und Schrecken versetzen können. Der Beamte bestätigt dies. Im Rahmen des Opferschutzprogramms für die Beraubten und Einbruchsopfer kennt er das.

Immer wieder wird gefragt, wann die kritischen Zeiten sind. Wenn ab 8.30 Uhr alle außer Haus sind, die Erwachsenen in der Arbeit, die Kinder in der Schule, stehen viele Wohnungen und Häuser verlassen da. Ab 15.00 Uhr füllen sich die Wohnungen und Häuser wieder mit Leben. Dann nehmen auch die Einbrüche wieder ab und ab 20.00 Uhr passiert in der Regel fast nichts mehr.

Für einen guten Schutz sollten die Haus- bzw. Wohnungstüren als Einheit gesehen werden. Das Schloss soll zur Tür passen. Riegel und Angel nicht außer Acht lassen! Eine gute Eingangstür kann vielem vorbeugen. Und immer abschließen, auch wenn es nur für wenige Minuten ist. Selbstverständlich sind auch Querriegel im mittleren Bereich gut oder moderne Schließanlagen mit Fingerprinter. Kameras, Bewegungsmelder, Alarmanlagen – es bleibt die Frage, die nicht beantwortet werden kann: Lässt sich ein Einbrecher davon abschrecken?

Und wenn ein Einbrecher drin ist? „Schreien Sie und geben Sie Fersengeld. Spielen Sie nicht den Helden!“, so Helfrich. Das gibt dem Einbrecher eindeutig zu verstehen, dass seine Tat entdeckt worden ist.

Und wenn man selbst etwas entdeckt? Auf jeden Fall immer die 110 wählen. Vor dieser Telefonnummer möchte der Beamte eindringlich die Hemmschwelle abbauen. „Wenn Ihnen in der Nachbarschaft etwas komisch vorkommt, wenn Sie auf der Straße etwas Ungewöhnliches beobachten, dann rufen Sie die 110!“, wiederholt der Kommissar aus München immer wieder. Denn: Die Polizei bekommt immer noch zu wenig Hinweise aus der Bevölkerung, um Einbrüche zu vereiteln oder aufzuklären. Eine Wohngegend mit einer Zivilstreife zu sichern, sei wenig effektiv und sie hätten auch zu wenig Personal dazu. Aber ein Anruf wirkt gezielt! „Nehmen Sie sich die 110 mit nach Hause“, bittet er zum Ende die aufmerksamen Zuhörer.

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