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Faires Spiel mit fairem Handel

Kategorie: Sport Veröffentlicht: 14. November 2018

Fair Trade Bälle für den TSV
650 Stiche benötigen die 32 Sechsecke – Ananya und Vinaya sitzen auf dem nackten Lehmboden und nähen. Nicht etwa aus Spaß oder für den Handarbeitsunterricht in der Schule. Die beiden indischen Mädchen sind 9 und 11 Jahre alt und arbeiten täglich von früh bis spät. Ihre großen Augen sind konzentriert auf ihre geschickten Hände gerichtet, damit sie sich nicht verletzen. Trotzdem passiert es oft, bis sie einen Ball für „König Fußball" hergestellt haben. Sie müssen das machen, denn ihre Familie benötigt das Geld dringend, um überleben zu können. Rund 30 Cent verdienen sie damit pro Tag. In Kinderwährung: etwas weniger als ein Drittel einer handelsüblichen Schokolade in Deutschland. Grotesk wenig für einen Spielball, der in Europa bis zu rund 150 Euro kostet. Klingt ziemlich unfair, bei dem Gedanken, dass hier die Trainer bereits den kleinsten Kickern „Fair Play" auf dem Platz beibringen. „Wir wollen die Menschen darauf aufmerksam machen, dass es anders geht", erklärt Bürgermeisterin Gabriele Müller den jungen Spielern der U12, F1 und F3 auf dem Rasen des Sport- und Freizeitparks Eglfing. Im Gepäck hat sie die ersten 15 Fair Trade-Bälle für die Mannschaften. Bevor die Rathauschefin das Leder verteilt, klärt sie die Nachwuchs-Ronaldinhos und Co. über die Herstellung auf: „Meist sind es Kinder, die die Fußbälle herstellen, Kinder, die kein Fußball spielen können. In diesen Ländern sind die Kinder nicht so geschützt und die Arbeitgeber müssen ihnen nicht viel Geld geben."


Siegel für Fairness
„Die Bälle mit dem Fair Trade-Zeichen aber sind nicht von Kinderhänden hergestellt worden!", macht die Rathauschefin klar. „Wir in der Gemeinde Haar haben damit angefangen, Fair Trade viel mehr zu unterstützen, damit Kinder in Afrika oder Asien nicht mehr arbeiten müssen und deren Eltern anständig bezahlt werden", begründet Müller die Aktion vor den nachdenklichen Jungen. Mehrmals muss Gabriele Müller das ungläubige Nachhaken der Jungen bestätigen: „Doch, viele Bälle von anderen Firmen werden von Kindern gemacht."

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Jihad Lamaa, Abteilungsleiter Fußball und Trainer U12, freut sich sehr über die Bälle: „Wir sind dankbar für jeden Ball, den wir gesponsert bekommen. Die Spende der Fair Trade-Bälle ist besonders großartig, da sind auch Futsalbälle dabei, gerade richtig für die Hallensaison!" Nach 2 bis 3 Jahren ist ein Ball abgespielt. Der TSV Haar ist drittgrößter Verein im Münchner Umland und benötigt jedes Jahr neue: „Für uns ist es nicht so einfach, mehr Geld für diese Bälle auszugeben. Daher wäre es wünschenswert, wenn sich noch mehr Sponsoren für Fair Trade-Bälle finden lassen." Auch die Bürgermeisterin setzt auf Unterstützung im größeren Rahmen: „Fair Trade heißt, dass alles ein wenig teurer ist, aber wir hier können uns eigentlich Bälle leisten, die nicht von Kindern gemacht wurden." Güven Dagistan, F3 Jugend-Trainer, befindet: „Die Bälle sehen gut aus und wir freuen uns auf das Training damit." Anstoß übernimmt Gabriele Müller und bolzt mit den Mini-Müllers und Riberys kräftig „Fair Trade" los, damit irgendwann auch die Kinder in den ärmsten Ländern Fußball spielen können.


Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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